Vanessa Fudalla: Leverkusens Top-Torschützin kämpft um Nationalmannschafts-Chance
Fudalla: Leverkusens Top-Torschützin will Nationalmannschaft

Deutschlands beste Torschützin kämpft um ihre Chance

Vanessa Fudalla (24) ist die erfolgreichste deutsche Torjägerin der aktuellen Bundesliga-Saison. Mit beeindruckenden 13 Treffern führt die Leverkusener Stürmerin die interne Wertung der deutschen Spielerinnen an. Dennoch bleibt eine Berufung in die A-Nationalmannschaft unter Bundestrainer Christian Wück (52) bisher aus. Die talentierte Fußballerin äußert sich im ausführlichen Interview über diese frustrierende Situation, die massive Unterstützung ihres Vereins Bayer 04 Leverkusen und das besondere Verhältnis zu ihrer Familie.

Der Traum von der Frauen-WM 2027

Frage: Am 24. Juni 2027 beginnt in Brasilien die Frauen-Weltmeisterschaft. Was werden Sie an diesem besonderen Tag tun?

Fudalla: „Das ist wirklich eine gute Frage … (lacht leicht) Bis zu diesem Zeitpunkt kann natürlich noch sehr viel geschehen. Es bleibt selbstverständlich mein größter Traum, irgendwann für die A-Nationalelf aufzulaufen und mein Land bei einer WM oder Europameisterschaft würdig zu vertreten.“

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Überraschung über die öffentliche Debatte

Die Leverkusenerin zeigt sich ehrlich überrascht vom großen medialen Echo ihrer Nichtnominierung: „Dass diese Diskussion derart durch die Decke geht, hätte ich tatsächlich nicht erwartet. Ich war wirklich verblüfft, als plötzlich mein Handy förmlich explodierte und ich überall nur noch meinen eigenen Namen las.“

Vanessa Fudalla erzielte in der laufenden Spielzeit bereits 13 wichtige Ligatore für Bayer 04 Leverkusen. Am kommenden Sonntag (18.30 Uhr) muss die Angreiferin im entscheidenden Heimspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena erneut ran.

Die enttäuschende Stille des DFB

Frage: Wie haben Sie konkret erfahren, dass Sie erneut nicht berücksichtigt wurden?

Fudalla: „Ich kannte ungefähr den Zeitpunkt, zu dem die Nominierungs-E-Mails verschickt werden sollten. Und ich bin vollkommen ehrlich: In diesen Tagen habe ich deutlich öfter auf mein Smartphone geschaut als sonst, weil ich wirklich fest darauf gehofft hatte, diesmal eine Nachricht oder einen Anruf zu erhalten. Ich hatte einfach ein sehr positives Gefühl, weil es für mich in Leverkusen außerordentlich gut läuft. Doch leider kam weder eine E-Mail noch ein Telefonat. Ich habe anschließend die offizielle Kaderliste gesehen, aber kein persönliches Gespräch mit dem Bundestrainer geführt.“

Verletzende Worte des Bundestrainers

Christian Wück äußerte jüngst über die Stürmerin: „Ich sehe andere Spielerinnen vor ihr.“ Diese Aussage trifft Fudalla tief: „Solche Worte zu hören oder zu lesen, das tut wirklich weh. Und es macht mich zutiefst traurig, dass er offenbar anderen Fußballerinnen mehr zutraut als mir. Dabei zeigt die Bundesliga-Wirklichkeit deutlich, dass ich mich gegen absolute Top-Spielerinnen durchsetze und auf höchstem Niveau konstant gute Leistungen bringe. Es ist wirklich schade, dass ich nie die Gelegenheit bekam, mich auf internationaler Ebene zu präsentieren – dass man es nicht einmal probiert: Wie würde Vanessa Fudalla eigentlich in die Nationalmannschaft passen? Ich würde mir einfach wünschen, dass man mir dieselbe Chance gibt, wie sie jetzt auch einige andere Spielerinnen nach starken Leistungen in der Liga erhalten haben.“

Letzter Kontakt bereits im Herbst

Der letzte direkte Kontakt zum Bundestrainer liegt bereits einige Zeit zurück: „Ich glaube, im Herbst habe ich das letzte Mal mit ihm gesprochen. Aber dieses Gespräch war sehr kurz.“

Emotionale Herausforderung während Länderspielpausen

Statt mit der Nationalmannschaft musste Fudalla zuletzt mit Leverkusen ein Testspiel beim Regionalligisten Borussia Dortmund bestreiten. Die Stürmerin beschreibt ihre Gefühlslage: „Ich muss ehrlich sagen – diese Länderspielpause war für mich diesmal wirklich besonders hart. Gefühlt die Hälfte unseres Teams war bei verschiedenen Auswahlmannschaften. Es ist extrem schwierig, sich unter diesen Umständen immer wieder neu zu motivieren. Das war ein echtes Wechselbad der Gefühle. Manchmal versuche ich, einfach abzuschalten und mir einzureden: ‚Ist alles nicht so schlimm.‘ Aber ich musste auch meine Emotionen herauslassen, mir sind mehrfach die Tränen gekommen. Es ist gerade eine Phase großer emotionaler Schwankungen bei mir.“

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Unterstützung durch Familie und Verein

Frage: Wer fängt Sie in diesen schwierigen Momenten auf?

Fudalla: „Ich telefoniere sehr intensiv mit meinen Eltern. Ich glaube, diese ganze Situation trifft sie immer genauso hart wie mich persönlich. Bei Bayer 04 Leverkusen steht das gesamte Umfeld vollkommen hinter mir und zeigt mir jeden einzelnen Tag, dass ich es verdient hätte, nominiert zu werden.“

Kein Nachteil durch Körpergröße

Die Frage nach ihrer Körpergröße von 1,55 Metern beantwortet Fudalla selbstbewusst: „Ich hoffe wirklich nicht, dass dies ein Nachteil ist. Ich habe natürlich bemerkt, dass vor allem im Sturmbereich vielleicht andere Spielertypen gesucht werden, seitdem Alexandra Popp ihre Karriere beendet hat. Ich glaube aber auch, dass der Bundestrainer mich tendenziell eher auf der Position der 10 sieht. Trotz meiner Größe kann ich mich in der Bundesliga sehr gut behaupten und durchsetzen.“

Fokus auf Leverkusen und Champions League

Im April stehen zwei wichtige Länderspiele gegen Österreich an. Fudalla bleibt realistisch: „In Leverkusen habe ich definitiv den nächsten Schritt in meiner Entwicklung gemacht, aber auch schon zuvor konstant gute Leistungen geliefert und meine Tore erzielt. Wenn ich so konsequent weitermache, kommt vielleicht irgendwann die ersehnte Einladung. Mein voller Fokus liegt aktuell jedoch auf Bayer 04, weil wir extrem wichtige Spiele im Kampf um die Champions League vor uns haben. Es bringt überhaupt nichts, wenn ich verkrampfe und nur auf den DFB hoffe. Dann klappt es erfahrungsgemäß am wenigsten.“

Vorbild Lionel Messi

Ihr großes Vorbild ist einer der besten Fußballer aller Zeiten: „Bei den Frauen habe ich kein spezifisches Idol. Ich möchte dort einfach ich selbst sein und das absolute Beste aus mir herausholen. Bei den männlichen Fußballern habe ich immer mit besonderer Bewunderung auf Lionel Messi geschaut.“

Privatleben und Persönlichkeit

Privat beschreibt sich die 24-Jährige als „lebensfrohen und sehr entspannten, liebevollen, hilfsbereiten Menschen. Ich bin gerne unter Freunden und ein echter Familienmensch. Das ist mir unheimlich wichtig. Ich erhalte die beste Unterstützung durch meine Eltern und habe ein super Verhältnis zu ihnen und zu meinem Bruder.“