Heftiger Gegenwind für Uli Hoeneß: Berater nennt Kritik 'heillosen Populismus'
Uli Hoeneß, der Ehrenpräsident des FC Bayern München, sorgt mit seinen jüngsten Aussagen zur Spielerberater-Branche für erhebliche Kontroversen. Nach seiner scharfen Kritik an den Honoraren und Praktiken von Vermittlern erhält der Bayern-Patron nun deutlichen Gegenwind aus den eigenen Reihen der Branche.
Neblung wehrt sich mit deutlichen Worten
Der erfahrene Spielervermittler Jörg Neblung, der unter anderem Torhüter Stefan Ortega vertritt, reagierte mit klaren Worten auf die Vorwürfe von Hoeneß. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur bezeichnete der 58-Jährige die jüngsten Aussagen des Bayern-Patrons als „platt“ und „heillosen Populismus“.
„Die Bayern werden immer zornig, wenn sie ihren Willen nicht kriegen. Es wird ja regelmäßig auf die Berater geschimpft. Upamecano kriegt in diesem Fall aber gefühlt nichts ab, obwohl er letztendlich die Entscheidung trifft. Das ist das Lächerliche“, betonte Neblung und fügte entschieden hinzu: „Wir haben keine Prokura.“
Der Hintergrund: Der Poker um Dayot Upamecano
Der Konflikt entzündete sich am zähen Vertragspoker um Innenverteidiger Dayot Upamecano. Infolge der schwierigen Verhandlungen hatte Hoeneß jüngst mit Blick auf Berater angekündigt, „verstärkt 'Nein' sagen und diesen Wahnsinn nicht mitmachen“ zu wollen.
Der Verdienst von Spieleragenten ist dem Ehrenpräsidenten der Münchner ein Dorn im Auge. „Ihr Beitrag steht zunehmend in keinem Verhältnis mehr zur Honorierung, die aufgerufen und am Ende auch oft gezahlt wird“, hatte Hoeneß bei der Bild moniert.
Die Position der Berater: Marktmechanismen und Interessen
Neblung wies nun auf die Existenzberechtigung für Agenten hin und erklärte die grundlegenden Marktmechanismen: „Es gibt einen Markt für jeden Spieler und diesen Markt bespielen Vereine und Berater. Wir zeigen dem Spieler auf, welche Alternativen es gibt.“ Vereine würden in erster Linie ihrer eigenen Agenda folgen.
Der erfahrene Vermittler betonte, dass immer der Spieler die letzte Entscheidung treffe: „Es sei immer der Spieler, der entscheidet, und die Vereine versuchen darüber hinaus auch immer wieder, den Keil zwischen dem Spieler und den Agenten zu treiben.“
Klubs tragen selbst zur Berater-Existenz bei
Ihm zufolge hätten die Fußballklubs selbst maßgeblich zur Existenz und Bedeutung von Beratern und Vermittlern beigetragen. „Sie schließen mit sehr jungen Spielern langfristige Verträge ab – oft ohne Ausstiegsklauseln oder ein ausgewogenes Gleichgewicht der Interessen. Wenn sie nicht funktionieren, werden sie einfach aussortiert. Dies ist ein Spiel der längeren Hebel: Mal hat der Spieler, mal der Verein die bessere Position“, erklärte Neblung die komplexe Dynamik.
Weitere Kritik aus der Fußballwelt
Auch Matthias Sammer, der als Klubberater bei Borussia Dortmund fungiert, hatte sich zuletzt gegen die Beraterszene positioniert und gar deren gänzliche Abschaffung gefordert. Diese Aussagen wurden anschließend von der Spielerberater-Vereinigung in Deutschland zurückgewiesen und als „rufschädigend“ sowie „stark pauschalisierend“ bezeichnet.
Der Konflikt zwischen Vereinsverantwortlichen und Spielerberatern scheint damit weiter zu eskalieren. Während Hoeneß und andere Kritiker die Honorarpraxis und den Einfluss der Vermittler anprangern, verteidigen Berater wie Neblung ihre Rolle als notwendige Interessenvertreter der Spieler in einem komplexen Marktumfeld.



