Kommentar: Gladbach sollte Reitz dankbar sein - Realität statt Emotionen im Abstiegskampf
Gladbach sollte Reitz dankbar sein - Kommentar

Gladbach sollte Reitz dankbar sein - Realität statt Emotionen

Dass Rocco Reitz nach 17 Jahren bei Borussia Mönchengladbach den nächsten Karriereschritt geht – und ausgerechnet zu RB Leipzig – trifft die Fans ins Mark. Klar, das darf es auch. Aber was sich daraus aktuell entlädt, geht an der sportlichen Realität vorbei. Ein nüchterner Kommentar zur aufgeheizten Situation.

Kein guter Zeitpunkt für emotionale Ausbrüche

Nicht jetzt im Abstiegskampf. Nicht vor dem wohl wichtigsten Spiel des Jahres, dem Derby gegen den 1. FC Köln. Ganz sicher auch nicht danach – und schon gleich gar nicht zum verhassten Dosenklub aus Leipzig. Die Vorwürfe gegen Fohlen-Eigengewächs Rocco Reitz sind vielfältig und emotional aufgeladen.

Doch Fakt ist: Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt für diesen Wechsel. Wer glaubt, die Stimmung wäre besser gewesen, hätte Reitz den Schritt zwei Wochen später verkündet, macht sich etwas vor. Und Leipzig bleibt für viele Gladbach-Anhänger ohnehin ein rotes Tuch – egal wann der Transfer bekannt geworden wäre.

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Reitz wird sich für Gladbach zerreißen

Einige Anhänger fordern bereits, er solle die Kapitänsbinde abgeben. Doch das ist weniger eine Lösung als ein Ventil für Frust. Gerade jetzt braucht der Verein Spieler, die Verantwortung übernehmen und mit Leistung vorangehen. Und Reitz ist – trotz durchwachsener Saison – nach wie vor eine der heißesten Aktien der Fohlen.

Alles, was man von seinem Charakter und seiner Einstellung kennt, deutet darauf hin: Der wird sich jetzt erst recht zerreißen. Für seinen Klub. Für den Klassenerhalt. Borussia Mönchengladbach ist in dieser kritischen Phase sportlich auf die Qualität von Reitz angewiesen.

Hass bringt sportlich nichts

Was hingegen gar nichts bringt – zu keinem Zeitpunkt: hasserfüllte Kommentare in sozialen Netzwerken. Da tun sich mal wieder Abgründe auf, die mit Fußball nichts mehr zu tun haben. Wer glaubt, man motiviert einen Spieler so im Abstiegskampf, hat das Geschäft nicht verstanden.

Gleiches gilt für die erwartbaren Protestplakate: Sie transportieren Emotionen, helfen sportlich aber exakt null. Diese Mannschaft benötigt Einheit und Unterstützung, nicht zusätzliche Zerreißproben.

Wie lange hätte Reitz noch warten sollen?

Und ja, da war seine „Traumvorstellung“: „Für immer in Gladbach? Das würde ich definitiv unterschreiben“, sagte er einst im Kicker. Eineinhalb Jahre ist das her – im Profifußball eine kleine Ewigkeit. Karrieren entwickeln sich, Situationen verändern sich radikal.

Reitz hat enormes Potenzial, auch wenn er es in dieser Saison viel zu selten zeigen konnte. Natürlich will er international spielen. Natürlich will er den nächsten Schritt gehen. Die entscheidende Frage ist doch: Wie lange hätte er darauf in Gladbach noch warten sollen? Reitz ist allerdings auch ein Beispiel von vielen: Für Romantik ist im modernen Profifußball kaum noch Platz.

Der Transfer hilft auch Gladbach

Am Ende müssen sich aber auch die träumerischsten Fans eingestehen: Sein Wechsel hilft dem Verein finanziell. Die Ablöse bringt dringend benötigten finanziellen Spielraum – Geld, das Borussia Mönchengladbach aktuell gut gebrauchen kann, um die eigene Zukunft zu gestalten und den Kader zu verstärken.

Statt also ein Eigengewächs, das immer an diesem Verein hängen wird, öffentlich zu zerlegen, wäre ein Perspektivwechsel angebracht:

  • Dankbarkeit für 17 Jahre Treue und Identifikation
  • Verständnis für einen notwendigen Karriereschritt
  • Unterstützung in den entscheidenden Wochen des Abstiegskampfes

Denn eines ist sicher: Wenn Reitz jetzt untergeht, geht Gladbach im Zweifel mit. Und das kann sich der traditionsreiche Verein in dieser prekären Situation nun wirklich nicht leisten. Die kommenden Spiele entscheiden über die Zukunft – da braucht es alle Kräfte vereint, nicht gespalten.

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