Hertha-Legende Granitza übt scharfe Kritik an Mannschaft und Trainer
Karl-Heinz Granitza, die ehemalige Stürmer-Legende von Hertha BSC, hat in einem exklusiven Gespräch mit der BILD-Zeitung kein Blatt vor den Mund genommen. Der 74-Jährige, der zwischen 1976 und 1978 in 99 Pflichtspielen 43 Tore für die Berliner erzielte und später in den USA als „King Bomber Karl“ zur Fußball-Ikone wurde, rechnet mit der aktuellen Situation bei seinem alten Verein ab.
„Der Klub muss die Scoutingabteilung revolutionieren“
Granitza, der heute wieder in Berlin lebt und Hertha BSC leidenschaftlich verfolgt, zeigt sich enttäuscht von der sportlichen Entwicklung. „Was meine Hertha zeigt, tut mir richtig weh!“, erklärt der Ex-Profi. Seiner Ansicht nach liegt ein Hauptproblem in der Spielerakquise: „Der Klub muss die Scoutingabteilung revolutionieren. Die Spieler sind vollkommen überteuert.“
Der ehemalige Stürmer fordert einen strategischen Wandel: „Du musst lieber mehr Geld für das Scouting ausgeben, mehr reisen und kreativer arbeiten, um gute und günstigere Spieler zu entdecken.“ Als Negativbeispiel nennt er die Winterverpflichtung von Josip Brekalo, den er zwar als technisch hochwertig beschreibt, der aber weder Tore schieße noch Torvorlagen gebe.
Kritik an fehlender Killermentalität und Laufleistung
Granitza bemängelt zudem die mentale Stärke und den Einsatzwillen der aktuellen Mannschaft. „Im Sturm fehlt Hertha ein Killer“, stellt er fest und kritisiert die mangelnde Qualität in entscheidenden Momenten. Besonders deutlich wird seine Enttäuschung über die Abhängigkeit von Nachwuchsspielern: „Es ist erbärmlich, dass uns ein 16-Jähriger wie Kennet Eichhorn nach seiner Verletzung so fehlt und wir ohne ihn nur ein Spiel gewinnen konnten.“
Auch die physische Leistungsbereitschaft sieht der Hertha-Legende als unzureichend an. „Da rennen wir die letzten beiden Spiele gegen Hannover und Paderborn je fünf Kilometer weniger als die Gegner. Wo gibt es denn so etwas, wenn du aufsteigen willst?“ Seine klare Botschaft an die Spieler: „Den Jungs würde ich mal Beine machen.“
Trainer Stefan Leitl in der Kritik
Besonders hart geht Granitza mit Trainer Stefan Leitl ins Gericht, der zuletzt nur eins von neun Ligaspielen gewinnen konnte. „Als Trainer musst du eine Gabe haben, das Bestmögliche aus dem Kader herauszuholen. Anscheinend hat Stefan Leitl diese Gabe nicht mehr!“, urteilt der Ex-Herthaner.
Granitza erinnert an Leitls erfolgreiche Zeit in Fürth, wo er den Aufstieg schaffte, und dessen anschließende Entlassung in Hannover. „Und nun sieht es bei Hertha auch nicht gut aus. Er muss sich an die eigene Nase fassen und sich eine Mitschuld eingestehen.“ Dennoch plädiert der 74-Jährige aus finanziellen Gründen dafür, mit Leitl bis Saisonende weiterzuarbeiten und parallel den Trainer-Markt zu sondieren.
Karl-Heinz Granitza, der mit seinen 144 Toren in 199 Spielen für Chicago Sting in die Hall-of-Fame aufgenommen wurde und neben Größen wie Franz Beckenbauer und Pelé verewigt ist, beobachtet die Entwicklung bei Hertha BSC mit großer Sorge. Sein Buch „King Bomber Karl“, das er kürzlich vorstellte, erzählt nicht nur von glorreichen Zeiten, sondern unterstreicht auch seine anhaltende Verbundenheit mit dem Berliner Verein.



