Der Grasshopper Club Zürich, einst der dominierende Fußballverein der Schweiz, steckt erneut in einer tiefen Krise. Der Traditionsverein kämpft in der aktuellen Saison gegen den Abstieg und versinkt im Chaos. Besonders brisant: Zwei Talente des FC Bayern München, die an die Grasshoppers ausgeliehen sind, befinden sich mitten im Geschehen.
Pokal-Aus als Tiefpunkt einer desaströsen Saison
Am vergangenen Wochenende erlebte der Rekordmeister einen weiteren negativen Höhepunkt. Im Halbfinale des Schweizer Pokals unterlag der Grasshopper Club Zürich dem Zweitligisten Lausanne-Ouchy mit 0:2. Damit verpasste der Verein die Chance, die Stimmung innerhalb des Klubs zumindest etwas zu verbessern. Die Lage ist aktuell so angespannt wie selten zuvor.
In der Schweizer Super League droht dem Rekordmeister der erneute Abstieg in die zweite Liga. Fünf Spieltage vor dem Saisonende belegt der Grasshopper Club Zürich den Relegationsplatz. Der Rückstand auf den rettenden zehnten Platz beträgt sieben Punkte, sodass der vorzeitige Klassenerhalt nur noch theoretisch möglich ist.
Fan-Krawalle nach Pokal-Aus
Die Nerven der Fans liegen blank. Nach dem zweiten Gegentor im Pokal-Halbfinale begannen Anhänger zu randalieren und warfen Pyrotechnik auf das Spielfeld. Die Partie stand zeitweise sogar vor dem Abbruch. Sportchef Alain Sutter, ein ehemaliger Spieler des FC Bayern, versuchte die Wogen zu glätten. Er verurteilte die Randale zwar, zeigte aber auch Verständnis für den Frust der Fans. „Ich habe ein großes Verständnis für die Enttäuschung. Das ist auch klar. Sie haben viele Hoffnungen gehabt, es hat sich viel angestaut“, sagte Sutter im Schweizer Fernsehen SRF.
Selbstkritik von Sportchef Sutter
Alain Sutter übernahm nach dem Pokal-Aus die Verantwortung für die sportliche Misere. „Wir sind nicht gut genug gewesen. Wenn man die ganzen 90 Minuten anschaut, dann ist Lausanne besser gewesen und hat verdient gewonnen“, gestand der 58-Jährige. Er kritisierte seine eigene Kaderplanung und die getroffenen Entscheidungen, darunter die Transfers im Sommer und Winter sowie der Trainerwechsel von Gerald Scheiblehner zu Gernot Messner. „Am Schluss bin ich auch dafür verantwortlich. Viele Entscheidungen wurden getroffen, und da stehe ich definitiv in der Verantwortung“, erklärte Sutter. Sein Ziel sei es nun, mit „zwei blauen Augen“ davonzukommen.
Stadionprobleme für mögliche Relegation
Sollte der Grasshopper Club Zürich die Relegation erreichen, drohen weitere Probleme. Das Rückspiel, bei dem der Erstligist Heimrecht hätte, könnte nicht im heimischen Letzigrund-Stadion stattfinden. Am 23. Mai ist das Stadion durch ein Metallica-Konzert belegt. Auch das Ausweichstadion in Lugano ist keine Option, da die Tessiner Kantonspolizei wegen Sicherheitsbedenken ihr Veto eingelegt hat. Als Grund nannte sie die Randale beim Pokal-Halbfinale. Als letzte Alternative bleibt der Tausch des Heimrechts. Am 20. Mai, dem Datum des Hinspiels, wäre der Letzigrund frei. Dafür müsste jedoch der Gegner, voraussichtlich der FC Aarau, zustimmen.
Bayern-Talente als Hoffnungsträger
Mitten im Chaos befinden sich zwei Offensivtalente des FC Bayern München. Die Münchner haben Lovro Zvonarek und Jonathan Asp Jensen an die Grasshoppers ausgeliehen. Hintergrund ist die Kooperation zwischen den Vereinen, die seit der Übernahme des Schweizer Rekordmeisters durch den US-Partnerverein Los Angeles FC Anfang 2024 besteht. Speziell der Däne Jensen ist einer der wenigen Lichtblicke. In 34 Pflichtspielen erzielte er neun Tore und gab vier Vorlagen. In der Schweizer Liga ist er mit acht Treffern der zweitbeste Torschütze. Allerdings traf der 20-Jährige in den vergangenen zwölf Spielen nur einmal. Auch Zvonarek läuft es durchwachsen: Der Kroate traf in 26 Pflichtspielen lediglich zweimal und bereitete drei Tore vor. Trotzdem zählen beide zu den talentiertesten Spielern im Kader und könnten im Abstiegskampf eine entscheidende Rolle spielen.



