Gelbe Karten in Bergamo könnten Nachspiel haben
Die Bayern-Stars Michael Olise (24) und Joshua Kimmich (31) haben beim 6:1-Erfolg des FC Bayern München bei Atalanta Bergamo in der Champions League jeweils ihre dritte Gelbe Karte in dieser Saison erhalten. Beide Spieler wurden wegen Zeitspiels verwarnt – Olise in der 77. Minute vor einem Eckball, Kimmich in der 82. Minute vor einem Freistoß.
Durch diese Verwarnungen sind die beiden Nationalspieler für das Rückspiel am Mittwoch gesperrt, würden dafür aber mit einem leeren Kartenkonto in ein mögliches Viertelfinale gegen Real Madrid oder Manchester City gehen. Doch genau diese Konstellation weckt Verdacht.
Gefahr einer zusätzlichen Sperre durch die UEFA
Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe (52) warnt vor möglichen Konsequenzen: „Kimmich und Olise droht längere Sperre als nur ein Spiel.“ Der Schiedsrichter-Experte sieht Parallelen zum Fall von Real-Legende Sergio Ramos, der 2019 für zwei Spiele gesperrt wurde, nachdem er sich absichtlich eine Gelbe Karte im Achtelfinal-Hinspiel gegen Ajax Amsterdam geholt hatte.
Gräfe analysiert auf X (ehemals Twitter): „Beide erhalten beim Stand von 6:0 (!) wegen deutlichem Zeitspiel eine Gelbe und sind nun im Rückspiel gesperrt, aber frei vor Sorgen in den nächsten Runden bei dort schwierigeren Spielen... Ramos wurde deshalb mal für zwei Spiele gesperrt und es wäre deshalb nicht überraschend, wenn das nun auch beide Spieler vom FCB trifft!“
Unterschiedliche Reaktionen der Spieler
Während sich Olise zu dem Vorfall nicht äußerte, betonte Kimmich nach dem Spiel: „Nein!“ auf die Frage, ob es Absicht gewesen sei. Der DFB-Kapitän erklärte sein Verhalten damit, dass er nicht ins gegnerische Pressing hätte spielen wollen und zu lange für die Ausführung gebraucht habe.
„Ich glaube, wenn der (Yunus Musah; Anm. d. Red.) nicht durchdreht, dann gibt es auch keine Gelbe Karte“, so Kimmich. Der Bergamo-Profi Yunus Musah (23) hatte den Ball weg geschossen und dafür ebenfalls Gelb gesehen.
Gegenargumente und mögliche Folgen
Gegen Kimmichs Argumentation hat Gräfe jedoch Einwände: „Die Begründung von Kimmich war ein guter Versuch und clever formuliert, aber die Uefa wird sich daraufhin die Bilder anschauen und feststellen, dass der Ball am Anfang gut spielbar war.“
Der Experte führt weiter aus: „Da es zudem bei 6:0 auch keinen wirklichen Grund gibt, auf Zeit zu spielen, wäre alles andere als eine Ermittlung und Sperre überraschend. Wäre das bei 2:0 oder 3:0 passiert, dann wären beide sicher um eine Untersuchung herumgekommen, aber bei 6:0 und dann auch noch beide Spieler beim gleichen Spielstand in dieser Art ist sehr auffällig.“
Offizielle Positionen und mögliche Gnade
Der europäische Fußballverband wollte sich auf DPA-Anfrage nicht konkret äußern und teilte nur mit: „Sobald Vorfälle gemeldet werden, werden Verfahren eingeleitet.“ Ein positiver Aspekt für die Bayern-Spieler: Der norwegische Schiedsrichter Espen Eskas (37) soll laut der französischen Zeitung „L’Équipe“ kein auffälliges Verhalten in seinem Spielberichtsbogen vermerkt haben.
Gleichzeitig sieht Gräfe noch einen anderen möglichen Ausgang: „Glück könnten sie haben, wenn die Uefa bei den Topspielen in den nächsten Runden die besten Spieler an Bord haben will und die Argumentation von Kimmich für die UEFA gut genug war.“
Doch der Experte warnt: „Allerdings sitzen bei der Uefa auch keine Amateure und jeder weiß, was dort abgelaufen ist. Jetzt muss abgewartet werden, aber eine Sperre von einem weiteren Spiel droht!“ Die Disziplinarkommission der UEFA wird nun entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet wird und welche Konsequenzen die Gelben Karten von Kimmich und Olise letztendlich haben werden.



