Emotionale Leistung in schweren Zeiten: Guirassy führt BVB zum Sieg
Ein Tor, eine Vorlage und eine bewegende persönliche Geschichte: Serhou Guirassy stand im Mittelpunkt des 2:0 (2:0)-Erfolgs von Borussia Dortmund gegen Atalanta Bergamo im Play-Off-Hinspiel der Champions League. Trotz eines schweren Trauerfalls in seiner Familie lieferte der Stürmer eine herausragende Leistung und erhielt dafür großes Lob von den Verantwortlichen des BVB.
Trauer im Hintergrund, Triumph auf dem Platz
Was die wenigsten wussten: Guirassy hatte vor dem wichtigen Europapokalspiel eine tragische Nachricht zu verkraften. Seine Nichte war verstorben, wie der 29-jährige Nationalspieler aus Guinea nach dem Abpfiff offenbarte. Diese persönliche Belastung machte seine Leistung umso bemerkenswerter.
„Serhou hat nicht nur ein Tor erzielt und eins vorbereitet, sondern auch die Bälle gehalten und den Gegner unter Druck gesetzt. Er ist viel gelaufen und hat ordentlich Betrieb gemacht“, schwärmte Trainer Niko Kovac in der Pressekonferenz. Der BVB-Coach hatte von dem Trauerfall zunächst nichts mitbekommen, zeigte sich aber von der mentalen Stärke seines Spielers beeindruckt.
Nach seinem frühen Führungstreffer in der 3. Minute enthüllte Guirassy eine emotionale Botschaft auf dem Shirt unter seinem Trikot. Auf Französisch stand dort: „Möge er sie in seinem großen Paradies willkommen heißen“ - eine Widmung an seinen Bruder und die verstorbene Nichte.
Lob von allen Seiten
Sportdirektor Sebastian Kehl zeigte sich ebenfalls begeistert von der Leistung des Angreifers, der damit sein monatelanges Formtief endgültig überwunden zu haben scheint. „Er hat hart gearbeitet und an sich geglaubt. Heute war er wieder extrem schwer zu verteidigen. Und sein Näschen hat er nicht verloren. Champions League ist ein bisschen sein Ding. Ich bin heilfroh, dass er im richtigen Moment wieder in Fahrt kommt“, so Kehl.
Kovac betonte die Entwicklung des Stürmers: „Stürmer müssen irgendwann mal durch eine Talsohle gehen. Das Entscheidende ist, dass man da wieder herauskommt. Dass er Qualitäten hat, haben wir immer schon gesehen, selbst in den Spielen, in denen es nicht geklappt hat.“
Beier komplettiert den Erfolg
Neben Guirassy erhielt auch der zweite Torschütze Maximilian Beier großes Lob vom Trainer. „Was der Junge gegen den Ball arbeitet, was der Junge läuft, ist toll. Er tut viel für die Mannschaft, stellt sein Ego in den Hintergrund - und belohnt sich trotzdem. Ich mag diesen Charakter. Das gefällt mir“, sagte Kovac über den 23-jährigen Offensivspieler.
Beier selbst blieb bescheiden: „Ich mache nichts anders als vorher. Ich spiele einfach mehr“, kommentierte er sein aktuelles Formhoch und ergänzte mit Blick auf das gesamte Team: „Momentan läuft es einfach sensationell.“
Vorsicht vor dem Rückspiel
Trotz der Freude über den deutlichen Heimsieg mahnten alle Beteiligten zur Vorsicht vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch in Bergamo. Kehl erwartet dort „eine sehr, sehr schwere Aufgabe. Wir müssen uns auf einen riesigen Fight einstellen und von der ersten Minute an voll da sein. Nur dann werden wir weiterkommen.“
Mittelfeldspieler Julian Brandt hätte sich sogar ein drittes Tor gewünscht: „Ein 2:0 ist gut, aber auch immer gefährlich, wenn man noch ein Auswärtsspiel vor der Brust hat.“ Kovac pflichtete bei: „Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt. Aber das ist noch keine Bank. In Bergamo müssen wir wieder alles investieren - dann können wir es schaffen.“ Der BVB-Coach prophezeite bereits: „Es wird sicher ein heißer Tanz.“
Die Leistung von Serhou Guirassy an diesem Abend wird jedoch besonders in Erinnerung bleiben - nicht nur wegen seiner sportlichen Qualitäten, sondern auch wegen der bewegenden Geschichte, die sich hinter dem Triumph verbarg.



