Stille, Pfiffe und leere Blicke prägten am Samstagnachmittag die Atmosphäre im Ostseestadion. Nach der 2:5-Heimniederlage gegen Jahn Regensburg herrschte Schockstarre bei den Hansa-Profis. Zahlreiche Fans verließen bereits vor dem Schlusspfiff die Arena. Der Aufstiegstraum der Kogge hat einen brutalen Dämpfer erhalten. Es war die höchste Saisonniederlage – und sie trifft den Verein ins Mark.
Brinkmann: „Am liebsten würde man gar nichts sagen“
Trainer Daniel Brinkmann rang nach der Partie um Worte. „Am liebsten würde man da jetzt gar nichts zu sagen“, gestand der 40-Jährige. Dennoch stellte er sich der Verantwortung: „Ich nehme mich da niemals raus.“ Vieles deutet darauf hin, dass es sich um die bitterste Pleite der laufenden Spielzeit handelt.
Carstens spricht von Nackenschlag
Abwehrchef Florian Carstens fand deutliche Worte: „In der Crunch-Time ist es umso heftiger, wenn man so einen Nackenschlag bekommt. Wir haben auch vorher schon genügend Punkte liegen gelassen, aber wenn man jetzt die Chance hatte, an einem Konkurrenten vorbeizuziehen, dann tut das extrem weh.“ Gemeint war der MSV Duisburg, der zeitgleich 1:3 gegen Aachen verlor. Wieder einmal verpasste Hansa den Schritt nach vorn. Immer wenn sich eine Tür öffnet, stößt sie niemand auf. Carstens ergänzte: „Wir haben Qualität, sind aber nicht konsequent. Vielleicht machen das die vier Mannschaften vor uns einfach besser.“
Rostock nie auf einem Aufstiegsplatz
Der Frust sitzt tief. „Wir laufen die ganze Saison den Top drei hinterher. Wir standen noch nicht einmal oben auf den ersten drei. Ich möchte das auch gar nicht auf die ersten zehn Spiele herunterreden“, so Carstens. Fakt ist: Hansa stand in dieser Saison kein einziges Mal auf einem Aufstiegsplatz. Der Rückstand auf die ersten drei Plätze ist hausgemacht.
Personell fehlt die Wucht
Auch personell mangelt es an Durchschlagskraft. Winter-Neuzugang Lukas Kunze wirkt wie ein Fremdkörper. Maximilian Krauß bringt zwar Tempo, kommt aber nur auf zwei Tore und fünf Vorlagen. Jan Mejdr nutzt die Räume nicht. Andreas Voglsammer kann Emil Holten in Brinkmanns System nicht ersetzen. Adrien Lebeau ist kein Aufstiegsfaktor. Zu viele Hoffnungen erfüllen sich nicht – und die Spiele werden weniger.
Schuster: „Uns gehen die Spiele aus“
Mittelfeldspieler Marco Schuster sagte: „Uns gehen die Spiele aus. Uns fehlen die Punkte und so viele Spiele bleiben nicht mehr, um das aufzuholen. Wir können uns nicht auf die Verrücktheit der Liga verlassen, dass da immer wieder was zu unseren Gunsten passiert, sondern wir müssen abliefern, und das haben wir nicht getan.“ Torwart Benjamin Uphoff fand klare Worte: „In der Gesamtheit war es eine ziemliche Blamage.“ Zwölf Verträge laufen bei Hansa am Saisonende aus, auch seiner. Ob das eine Rolle spiele? Uphoff: „Ich glaube, es spielt überhaupt keine Rolle.“
Blick nach vorn: Pokal-Halbfinale am Dienstag
Die Rostocker hatten genügend Chancen. Die Konstellation in der 3. Liga spielte mit. Doch auch diese Möglichkeit ließ das Team liegen. Nach dieser Niederlage ist der Aufstieg ganz weit entfernt. Und die Brinkmann-Elf muss aufpassen: In nur zwei Wochen könnte aus einer ordentlichen Saison eine miserable werden. Am Dienstag (18 Uhr) geht es im Landespokal-Halbfinale gegen den Greifswalder FC weiter.



