Hertha BSC nach Dresden-Krawallen: Der Balanceakt zwischen Sport und Fan-Problematik
Die gewaltsamen Ausschreitungen beim Zweitligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC am vergangenen Wochenende werfen ihre Schatten voraus. Während der Berliner Fußballclub eigentlich alle Energie darauf konzentrieren möchte, die Tür zur Bundesliga noch einen Spalt weiter zu öffnen, drängt sich erneut eine geräuschvolle Fan-Problematik in den Vordergrund. Trainer Stefan Leitl gab vor dem wichtigen Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am Samstag (13.00 Uhr/Sky) zu verstehen: „Es ist ein präsentes Thema und du sprichst natürlich darüber.“ Dennoch betonte er, dass die Vereinsverantwortlichen alles getan hätten, damit sich die Mannschaft in der vergangenen Woche auf das Sportliche konzentrieren konnte.
Die Vorfälle in Dresden und ihre Auswirkungen
Die Krawalle beschäftigen den deutschen Fußball weiterhin intensiv. Während des Spiels in Dresden war in beiden Fanlagern wiederholt Pyrotechnik abgebrannt worden. Anhänger beider Mannschaften überwanden Absperrzäune und attackierten sich im Innenraum des Stadions unter anderem mit Feuerwerkskörpern. Die Polizei und der DFB haben Ermittlungen aufgenommen. Hertha BSC hat sich eindeutig von der Gewalt distanziert und kann diesen Ermittlungen nicht vorgreifen, wie Pressesprecherin Vera Krings betonte. Der Club steht jedoch in intensivem Austausch mit allen Beteiligten – von DFB und DFL über Sicherheitsbehörden und Polizei bis hin zu Dynamo Dresden und der eigenen aktiven Fanszene.
Ein schwieriger Balanceakt für den Hauptstadtclub
Für Hertha BSC stellt die aktuelle Situation einen echten Balanceakt dar. Nach der Wahl des inzwischen verstorbenen Kay Bernstein zum Präsidenten hatten sich der Hauptstadtclub und seine Fans wieder deutlich angenähert. Diese enge Bindung wird seitdem gepflegt. Bereits im Januar kam es beim Heimspiel gegen Schalke 04 zu heftigen Zusammenstößen zwischen Ultras und Polizei. Damals stellte sich Hertha BSC klar hinter seine Anhänger und kritisierte das Vorgehen der Behörden. Die Krawalle in Dresden sind damit jedoch nicht vergleichbar, wie der Verein unmissverständlich klarstellte.
Pläne für ein Sondertrikot, in dem die Mannschaft am Samstag auflaufen sollte, wurden wegen der Ausschreitungen verschoben. „Die dortigen Vorfälle und jede Form von Gewalt verurteilen wir aufs Schärfste“, teilte der Club mit. Hertha BSC bleibt dennoch im fortlaufenden Dialog mit den Ultras, wobei die Ausschreitungen innerhalb der Fanszene sicherlich nicht unumstritten sind.
Sicherheitsvorkehrungen für das Spiel gegen Kaiserslautern
Das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern gilt zwar nicht als besonderes Risikospiel, doch wegen des ohnehin schon angespannten Verhältnisses zwischen Hertha-Fans und Berliner Polizei wird es von beiden Seiten Feingefühl brauchen. Die Behörden verwiesen dezidiert darauf, dass an erster Stelle die Vereine als Veranstalter für die Sicherheit zuständig sind. Im Rahmen der Sicherheitsbesprechung für das Spiel wurden auch die Vorfälle in Dresden thematisiert und bewertet.
Eine erhöhte Polizeipräsenz ist auf den ersten Blick nicht zu erwarten. Rund 300 Beamte sollen im Einsatz sein – beim Spiel gegen Schalke im Januar waren es noch 500. Die Polizei betonte jedoch, dass sie die Situation genau im Blick behalten wird.
Sportliche Aufholjagd der Berliner
Sportlich befindet sich Hertha BSC derzeit in guter Form. Mit 13 Zählern aus den letzten fünf Partien sind die Berliner im Aufwind. Fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz drei sind noch zu überwinden – und die Konkurrenten aus Darmstadt und Hannover sowie Schalke und Elversberg spielen am Wochenende gegeneinander. Trainer Stefan Leitl äußerte vorsichtigen Optimismus: „Es wäre schön, wenn wir jetzt noch mal einen nachlegen könnten.“ Gleichzeitig mahnte er zur Realismus. Die Aufstiegsambitionen hatte er selbst vor einigen Wochen enttäuscht einkassiert, doch inzwischen will der 48-Jährige wieder die Plätze vier und fünf „attackieren“.
In dieser Saison hat Hertha den FC Kaiserslautern schon zweimal geschlagen – im Hinspiel in Kaiserslautern knapp mit 1:0 und im Pokal-Achtelfinale im Olympiastadion mit einem beeindruckenden 6:1. Letzteres Spiel zählte zu den besten Saisonleistungen der Berliner.
Personelle Situation vor dem Spiel
Josip Brekalo fehlt den Berlinern nach seiner Roten Karte in Dresden. Linus Gechter (Infekt) und Michaël Cuisance (muskuläre Probleme) sind fraglich. Dafür könnte Jungstar Kennet Eichhorn, der gegen Dynamo Dresden Herthas Siegtreffer nach seiner Einwechslung einleitete, wieder eine Option für die Startelf sein. Sein mögliches Comeback könnte der Mannschaft zusätzlichen Schwung verleihen.
Die Berliner möchten sich nicht zu früh schon wieder selbst in den Kampf um den Aufstieg reden, doch die sportliche Entwicklung der letzten Wochen gibt Anlass zur Hoffnung. Das Spiel gegen Kaiserslautern wird somit nicht nur sportlich, sondern auch im Hinblick auf die Fan-Problematik zu einer wichtigen Bewährungsprobe für Hertha BSC.



