Hertha BSC: Pokal-Drama als Weckruf für den Aufstiegskampf
Kurz vor Mitternacht lag Pascal Klemens wie ein Häufchen Elend im Strafraum des Olympiastadions. Mit dem Gesicht auf dem nassen Rasen schlug der Pechvogel von Hertha BSC nach seinem vergebenen Elfmeter gegen den Boden. Im 41. Anlauf platzte damit der Traum der Berliner Fußballprofis vom DFB-Pokalfinale im eigenen Stadion – nur zwei Schritte vor dem großen Ziel.
Teamgeist in der Niederlage: Reese tröstet Klemens
„Wir bauen den Jungen auf, es ist sicherlich keine leichte Situation für ihn. Wir fangen das auf als Team. Es ist natürlich trotzdem sehr traurig, dass wir dadurch nicht weitergekommen sind“, sagte Kapitän Fabian Reese nach dem denkwürdigen Pokal-Viertelfinale gegen Bundesligist SC Freiburg. Während die Freiburger um Pokalheld Florian Müller frenetisch gefeiert wurden, standen die niedergeschlagenen Hertha-Spieler wie versteinert vor ihren Anhängern.
Torhüter Tjark Ernst beschrieb seine Gefühle mit den Worten: „In mir ist gerade viel Leere.“ Eingehüllt in ein Handtuch wollte er das Stadion so schnell wie möglich verlassen. Doch schon kurz nach Mitternacht schaltete Trainer Stefan Leitl in den Angriffsmodus und wies sein Team auf die kommenden Wochen der Wahrheit hin.
Leitls klare Botschaft: Aufstieg als neues Ziel
„Wir haben ein großes Ziel. Wenn wir das alle sieben Tage hinbekommen, was die Freiburger alle drei Tage schaffen, haben wir eine realistische Chance, unseren Traum Mitte Mai zu leben“, versprach der Hertha-Trainer. Das Pokalfinale am 23. Mai werden die Blau-Weißen nur als Zuschauer verfolgen. Stattdessen richtet sich der Fokus voll und ganz auf den Sonntag davor – den letzten Spieltag der Zweiten Bundesliga.
Aktuell liegt der Hauptstadt-Club auf Tabellenplatz sechs, sechs Punkte hinter einem direkten Aufstiegsplatz. Vielleicht feiert Hertha in drei Monaten also doch eine große Party im Olympiastadion – nur mit einem anderen Motto: Bundesliga-Aufstieg statt Pokalfinale.
Mentaler Neustart: Frei für Regeneration
„Ich würde die letzten fünf Minuten ausklammern. Sonst muss ich gar nichts verdrängen. Wir haben eine unglaubliche Leistung gebracht. Wir haben eine sehr gute Energie entfacht, die wir uns als Benchmark setzen müssen für die nächsten Wochen“, appellierte Kapitän Reese an seine Teamkollegen. Die Entscheidungswochen beginnen für die Berliner mit dem Heimspiel am Samstag gegen den direkten Aufstiegskonkurrenten Hannover 96.
Reichen drei Tage Pause, um den Pokalabend aus den Köpfen zu bekommen? Trainer Leitl hat eine klare Antwort: „Wir müssen nicht nur physisch regenerieren, sondern mental auch. Wir werden morgen definitiv frei machen, dass die Jungs mal den Kopf freibekommen.“ Diese Maßnahme findet den vollen Zuspruch seines Führungsspielers: „Wir müssen die 120 Minuten aus den Beinen bekommen und am Samstag die Elf auf das Feld schicken, die bereit ist, ein Feuerwerk abzubrennen.“
Energie aus dem Pokal-Aus ziehen
Auch wenn das dramatische Pokal-Aus schmerzt, dient es zugleich als Mutmacher für kommende Aufgaben. Die Leistung gegen den Bundesligisten hat gezeigt, dass Hertha BSC durchaus mit höherklassigen Teams mithalten kann. Diese Energie will das Team nun in die verbleibenden Ligaspiele mitnehmen.
Enttäuscht schlurften die Berliner nach dem Pokal-Aus vor die Fankurve, doch die Entschlossenheit für die verbleibende Saison war bereits spürbar. Der Fokus liegt nun ausschließlich auf dem Bundesliga-Aufstieg – und vielleicht steigt im Mai doch noch die lang ersehnte Party im Olympiastadion.



