Leverkusens Trainer fordert Abwehrmentalität nach spektakulärem Sieg
Der 6:3-Erfolg von Bayer Leverkusen gegen den VfL Wolfsburg war ein offensives Feuerwerk, doch Trainer Kasper Hjulmand (53) konzentrierte sich nach dem Abpfiff vor allem auf die defensive Schwäche seiner Mannschaft. „Natürlich sind wir sehr froh über die drei Punkte. Wir haben auch sehr guten Fußball gespielt. Aber ich muss mit den Negativen beginnen“, erklärte der dänische Coach in der Nachspielanalyse.
Defensivdebakel trotz Offensivspektakel
Das Spiel gegen Wolfsburg offenbarte erneut Leverkusens größtes Problem dieser Saison: Während die Werkself mit 58 erzielten Toren zu den offensivstärksten Teams der Bundesliga zählt, kassierte die Mannschaft bereits 39 Gegentreffer. Diese defensive Instabilität kostet Leverkusen wichtige Punkte im Kampf um die internationalen Plätze. Aktuell liegt das Team vier Punkte hinter RB Leipzig und dem VfB Stuttgart auf den Rängen drei und vier.
Besonders ärgerlich für Hjulmand waren die drei Gegentore gegen Wolfsburg, die allesamt aus Situationen entstanden, in denen Leverkusen eigentlich Ballbesitz hatte. Startelf-Rückkehrer Loic Badé (25) und Kapitän Robert Andrich (31) zeigten dabei deutliche Schwächen in der Defensivarbeit. Beim 1:3 verursachte Edmond Tapsoba (26) durch ein spätes Foul an Mohammed Amoura (25) sogar einen Strafstoß.
„No Bullshit“-Ansage des Trainers
Hjulmand formulierte eine klare Botschaft an seine Abwehrspieler: „Wir müssen die Situationen besser verteidigen – und zwar ‚no Bullshit‘ verteidigen. Als Verteidiger musst du alles tun, um kein Gegentor zuzulassen. Es ist entscheidend, dass du Spielsituationen schnell erkennst und sofort mit der richtigen Aktion reagierst.“
Der Trainer betonte die Wichtigkeit dieser mentalen Einstellung: „Ich glaube, wir haben in den letzten Wochen einige Szenen gesehen, die zeigen, wie wichtig es ist, Situationen sowohl individuell als auch kollektiv schnell zu erkennen und zu verteidigen.“
Besserung in der zweiten Halbzeit
Die deutlichen Worte des Trainers zeigten in der zweiten Spielhälfte Wirkung. Wolfsburg konnte nach der Pause kaum noch gefährlich werden. Torschütze Ibrahim Maza (20) bestätigte im Klub-TV, dass die defensive Einstellung während der Halbzeitpause konkret thematisiert wurde: „In der ersten Halbzeit haben wir defensiv etwas geschlafen und Fehler gemacht. Wir haben besprochen, dass jeder einen Gang hochschalten muss – dass wir in den Zweikämpfen aggressiver und zwischen den Ketten mutiger sein müssen.“
Dennoch bleibt die grundsätzliche Frage bestehen: Nach dem 3:3 in Freiburg, einem weiteren 3:3 gegen Tabellenschlusslicht Heidenheim und nun erneut drei Gegentoren gegen einen Abstiegskandidaten – wie will Leverkusen gegen die offensivstarke Borussia Dortmund bestehen? Die Werkself trifft am nächsten Spieltag ausgerechnet beim BVB, der bereits über 60 Tore erzielt hat.
Vorbereitung auf das Topspiel in Dortmund
Hjulmand kündigte intensive Vorbereitungen für das kommende Spiel an: „Wir müssen sehr, sehr detailliert damit umgehen – im Training mit den Spielern, bei Videoanalysen und in allen Bereichen. Wir hatten zu viele Situationen, aus denen Gegentore entstanden. Und es waren Situationen dabei, aus denen eigentlich kein Tor hätte entstehen dürfen. Das müssen wir verbessern.“
Die kommenden Tage werden zeigen, ob Leverkusens Abwehr die klare Ansage ihres Trainers umsetzen kann und ob die geforderte „No Bullshit“-Mentalität auch gegen die starke Dortmunder Offensive trägt.



