Fünf Wochen vor dem Start der Weltmeisterschaft hat Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß erneut scharfe Kritik an Bundestrainer Julian Nagelsmann geübt. Im Interview mit dem Streamingdienst DAZN bemängelte Hoeneß vor allem die fehlende Eingespieltheit der deutschen Nationalmannschaft und die mangelnde Selbstkritik des Trainers.
Hoeneß: Keine klare Linie bei der DFB-Elf
„Die deutsche Mannschaft hat noch nie zweimal hintereinander mit derselben Elf gespielt – das werfe ich Julian auch vor, das habe ich ihm persönlich schon gesagt“, erklärte der 73-Jährige. Er betonte, dass das Team ohne eine Weltklasse-Mannschaft, wie es die DFB-Auswahl derzeit seiner Meinung nach sei, nur über Zusammenhalt und Teamgeist erfolgreich sein könne – so wie es Bayern-Trainer Vincent Kompany vorgemacht habe.
Hoeneß äußerte die Befürchtung, dass die Mannschaft zum ersten WM-Spiel gegen Curacao am 14. Juni in Houston mit einer Aufstellung auflaufen werde, die noch nie zuvor gemeinsam gespielt habe. „Das funktioniert nicht“, warnte der Weltmeister von 1974. Er sehe weder in der Abwehr noch im Angriff eine klare Linie und stellte kritische Fragen: „Wer ist unser Mittelstürmer? Wer spielt im Tor? Wer ist rechter Verteidiger, wer linker?“
Antworten auf Hoeneß' Fragen
Die Fragen nach den Positionen sind allerdings schnell beantwortet: Im Tor steht Oliver Baumann, die rechte Verteidigung besetzt Joshua Kimmich und links verteidigt David Raum. Dass Nagelsmann noch an der Startelf bastelt, liegt auch an den zahlreichen verletzungsbedingten Ausfällen während der holprigen WM-Qualifikation, die immer wieder Umstellungen erzwangen. Serge Gnabry fällt sogar komplett für die WM aus.
Fehlende Selbstkritik bei Nagelsmann
Hoeneß kritisierte zudem, dass Nagelsmann kaum zur Selbstkritik fähig sei. Nach einem persönlichen Gespräch sei der Bundestrainer „leicht beleidigt“ gewesen. Dabei wolle er ihm nichts Böses: „Ich hoffe einfach, dass er darüber nachdenkt, dass diejenigen, die so etwas sagen – kürzlich hat ja auch Matthias Sammer Ähnliches geäußert -, ihm keine Niederlage wünschen, sondern seinen Erfolg.“
Hoeneß vermisst bei Nagelsmann die Bereitschaft, zuzuhören und Ratschläge anzunehmen. „Er wird mit seinen Entscheidungen leben müssen. Wenn er erfolgreich ist, bin ich der Erste, der ihm gratuliert. Wenn nicht, dann wird es für ihn schwer“, so der Ehrenpräsident abschließend.



