Gefährliche Vorfälle beim Nordderby sorgen für Empörung
Nach dem Bundesliga-Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV (3:1) am Samstag haben sich gefährliche Zwischenfälle im Weserstadion ereignet, die nun zu deutlichen Reaktionen führen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert eine stärkere Distanzierung von gewaltbereiten Fußball-Fans und eine grundlegende Neuregelung bei der Begleichung zusätzlicher Polizeikosten nach solchen Hochsicherheitsspielen.
Pyrotechnik als Mittel der Konfrontation
Nach dem Spiel hatten Anhänger des Hamburger SV mehrere Leuchtraketen gezielt in Richtung der Werder-Fans und sogar auf die Spieler auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions geschossen. Cornelius Göbel, Direktor für Fans, Kultur und Nachhaltigkeit beim HSV, verurteilte diese Vorfälle am Sonntag deutlich: „Was wir in Bremen gesehen haben – insbesondere das gezielte Abschießen von Pyrotechnik in Richtung anderer Zuschauerbereiche – stellt eine deutliche Eskalation dar. Hier wurde Pyrotechnik nicht mehr als atmosphärisches Element eingesetzt, sondern als Mittel der Konfrontation.“
Göbel betonte weiter: „In dem Moment, in dem sie gezielt in Richtung von Menschen eingesetzt wird, sprechen wir nicht mehr über Fankultur, sondern über konkrete Gefährdung. Das ist eine klare Grenzüberschreitung.“ Die Polizei musste während des Spiels in den Tribünenblock mit den Hamburger Fans eingreifen, um eine weitere Eskalation zu verhindern – unter anderem war dort zuvor eine Toilettenanlage in Brand gesetzt worden.
Polizeigewerkschaft fordert klare Konsequenzen
Die Gewerkschaft der Polizei reagierte mit mehreren konkreten Forderungen auf die Vorfälle. In einer offiziellen Mitteilung heißt es: „Es sei an der Zeit, dass sich die große Mehrheit der friedlichen Fans klar und unmissverständlich von den wenigen gewaltbereiten Personen distanziert.“ Zudem müsse die Deutsche Fußball Liga (DFL) „eine gerechte und verbindliche Kostenverteilung auf alle beteiligten Vereine sicherstellen“.
Besonders bei Risikospielen wie dem Nordderby müsse auch der Gastverein angemessen an den zusätzlichen Polizeikosten beteiligt werden. Bislang werden diese Kosten in sechsstelliger Höhe ausschließlich in Bremen nach einem jahrelangen Rechtsstreit mit der DFL in Rechnung gestellt und an Werder Bremen weitergereicht – während kein anderer deutscher Proficlub mit solchen Ausgaben konfrontiert ist.
Positive Einsatzbilanz trotz Herausforderungen
Polizei und Bundespolizei zogen insgesamt eine positive Bilanz ihres Großeinsatzes bei diesem brisanten Nordduell. Auch die Abreise der zahlreichen HSV-Anhänger verlief nach offiziellen Angaben „weitestgehend störungsfrei“. Dennoch war für dieses Risikospiel der Einsatz zusätzlicher Polizeikräfte aus anderen Bundesländern erforderlich.
Die GdP fordert nun nicht nur eine neue Kostenregelung, sondern auch, dass das Bundesland Bremen sicherstellt, dass die von der DFL erhobenen Kosten „zweckgebunden eingesetzt werden und nicht zur Deckung allgemeiner Haushaltsdefizite dienen“. Sollten die zusätzlichen Polizeikosten dem Land erstattet werden, müsse dieses Geld gezielt den Sicherheitskräften zugutekommen.
Die Vorfälle beim Nordderby haben somit nicht nur unmittelbare sicherheitsrelevante Konsequenzen, sondern werfen auch grundsätzliche Fragen zur Finanzierung von Polizeieinsätzen bei Hochrisikospielen auf. Während der HSV die gefährlichen Aktionen einzelner Fans deutlich verurteilt, bleibt abzuwarten, wie die Forderungen der Polizeigewerkschaft in der Praxis umgesetzt werden.



