Iran fordert WM-Spielverlegung von USA nach Mexiko
Der iranische Fußballverband hat nach eigenen Angaben Verhandlungen mit der FIFA aufgenommen, um die Austragungsorte seiner Gruppenspiele bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 von den Vereinigten Staaten nach Mexiko zu verlegen. Hintergrund sind Sicherheitsbedenken, die nach kontroversen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump aufgekommen sind.
Sicherheitsfrage als zentraler Streitpunkt
„Da Trump ausdrücklich erklärte, die Sicherheit der iranischen Nationalmannschaft nicht gewährleisten zu können, werden wir sicher nicht nach Amerika reisen“, teilte Verbandspräsident Mehdi Taj über den offiziellen Account der iranischen Botschaft in Mexiko mit. „Wir verhandeln derzeit mit der FIFA über die Austragung der Spiele der iranischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Mexiko.“
Die FIFA selbst hat sich bislang nicht zu den möglichen Verlegungsplänen geäußert. Iran ist in Gruppe B gelost worden und soll eigentlich am 11. Juni 2026 in Los Angeles gegen Neuseeland antreten, am 15. Juni ebenfalls in Los Angeles gegen Belgien spielen und am 19. Juni in Seattle gegen Ägypten. Als Teamquartier während der Vorrunde ist Tucson im Bundesstaat Arizona vorgesehen.
Logistische Hürden und politische Spannungen
Eine Verlegung der Spiele gilt aus mehreren Gründen als äußerst unwahrscheinlich. Die logistischen Herausforderungen wären enorm: Viele Tickets wurden bereits verkauft, Unterkünfte und Trainingsstätten sind fest vergeben, und die großen Distanzen zwischen den Spielorten in den USA und Mexiko würden den Spielplan erheblich beeinträchtigen.
Hinzu kommt, dass Iran bei einem möglichen Weiterkommen in der Gruppenphase in der Runde der letzten 32 ohnehin wieder in den USA spielen müsste – ein Aufeinandertreffen mit dem US-Team wäre dann sogar möglich. Experten gehen davon aus, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino dem Iran solche Sonderwünsche kaum erfüllen wird, zumal er ein enges Verhältnis zu US-Präsident Trump pflegt.
Widersprüchliche Signale aus Washington
Trump selbst hatte in den vergangenen Tagen widersprüchliche Aussagen getroffen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er einerseits, die iranischen Spieler seien in den USA willkommen, fügte aber gleichzeitig hinzu: „Ich halte es jedoch nicht für angemessen, dass sie dort sind, im Hinblick auf ihr eigenes Leben und ihre Sicherheit.“
Diese Äußerungen haben im Iran erhebliche Besorgnis ausgelöst. Irans Sportminister Ahmad Donjamali hatte bereits zuvor eine Teilnahme an der WM grundsätzlich in Frage gestellt: „Da diese korrupte Regierung unseren Führer ermordet hat, haben wir unter allen Umständen keine Bedingungen, um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen.“
Asiatischer Verband bleibt optimistisch
Trotz der angespannten politischen Lage geht der asiatische Fußballverband AFC weiterhin von einer Teilnahme Irans an der Weltmeisterschaft aus. „Es gibt bislang keine gegenteiligen Signale“, sagte Generalsekretär Windsor John bei einer Pressekonferenz am Verbandssitz in Kuala Lumpur.
Die Situation erinnert an frühere Kontroversen im internationalen Fußball. Bereits bei der Frauen-WM 2023 in Australien hatten mehrere iranische Fußballerinnen Asylanträge gestellt, was die politischen Spannungen im Sportbereich verdeutlichte. Beobachter fragen sich nun, ob ähnliche Entwicklungen bei der Männer-WM 2026 möglich sein könnten.
Für den iranischen Fußballverband bleibt die Sicherheitsfrage das entscheidende Kriterium. Sollten die Verhandlungen mit der FIFA über eine Spielverlegung nach Mexiko scheitern und keine ausreichenden Sicherheitsgarantien aus Washington kommen, könnte Iran tatsächlich auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft verzichten – was einen erheblichen sportlichen und politischen Prestigeverlust bedeuten würde.



