Iranische Fußballerinnen beginnen neues Leben in Australien nach Asyl-Zusage
Fünf Spielerinnen der iranischen Frauenfußballnationalmannschaft haben nach einem stillen Protest beim Asien Cup in Australien humanitäre Visa erhalten und feierten dies mit der australischen Parole „Aussie, Aussie, Aussie“. Die Athletinnen befinden sich derzeit an einem geheimen Ort in Brisbane, wo ihnen der australische Innenminister Tony Burke die offizielle Entscheidung der Regierung übermittelte.
Stiller Protest und die Folgen
Die Spielerinnen – Kapitänin Zahra Ghanbari (34), Fatemeh Pasandideh (21), Zahra Sarbali (32), Mona Hamoudi (32) und Atefeh Ramezanizadeh (33) – hatten während des Asien Cups an der Gold Coast einen stillen Protest gezeigt, indem sie beim Abspielen der iranischen Nationalhymne schwiegen. Dieser Akt wurde als Zeichen gegen die iranischen Machthaber gewertet und führte zu erheblicher Kritik im Heimatland. Nach dem Ausscheiden des Teams verließen die fünf Frauen unter Polizeischutz das Teamhotel, während der Rest der Mannschaft Australien verließ.
Die Migrationsberaterin der australischen Regierung, Naghmeh Danai, berichtete nach Gesprächen mit den Asylsuchenden: „Sie standen unter großem Stress. Sie wussten nicht, was sie tun sollten, sie machten sich Sorgen um ihre Familie, ihr Vermögen im Iran und fragten sich, welche Entscheidung jetzt die beste sei.“ Innenminister Burke betonte, die Frauen seien „keine politischen Aktivistinnen“, sondern Sportlerinnen, die nun einen emotionalen Neuanfang in Australien erleben.
Internationale Reaktionen und politische Einmischung
US-Präsident Donald Trump forderte öffentlich Asyl für die Spielerinnen und warnte, sie würden bei einer Rückkehr in den Iran „mit hoher Wahrscheinlichkeit getötet“. Nach einem Gespräch mit dem australischen Premierminister Anthony Albanese verkündete Trump auf seiner Plattform Truth Social: „Er kümmert sich darum!“ Der iranische Sportminister Ahmad Donjamali sprach hingegen von einer „politischen Verschwörung“ und beschuldigte Trump sowie „feindliche Akteure“, den Asien Cup propagandistisch zu instrumentalisieren.
Der iranische Fußballverband forderte laut Nachrichtenagentur AP eine Untersuchung wegen Trumps „direkter politischer Einmischung in den Fußball“. Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass der Weltverband FIFA in dieser Sache aktiv wird, da Präsident Gianni Infantino enge Kontakte zu Trump pflegt.
Emotionale Szenen und Unsicherheit
Bei der Abreise des restlichen Teams vom Hotel in Richtung Flughafen kam es zu emotionalen Szenen. Beobachter berichteten, dass eine Spielerin von einer Teamkollegin offenbar in den Bus gezerrt wurde. Am Flughafen der Gold Coast versuchten Demonstranten, den Bus aus Sorge um die Frauen zu blockieren. Ähnliche Tumulte hatte es bereits nach dem letzten Gruppenspiel gegen die Philippinen gegeben.
Die iranische Nationaltrainerin Marziyeh Jafari äußerte nach dem Vorrunden-Aus: „Ich möchte bei meinem Land und den Iranern in meiner Heimat sein. Wir sehnen uns nach der Rückkehr.“ Im Iran hatten konservative Kommentatoren das Schweigen der Spielerinnen während der Nationalhymne als Verrat an der iranischen Führung bezeichnet. In den folgenden Spielen sang das Team die Hymne wieder und salutierte dazu.
Parallelen zur Männer-Nationalmannschaft
Die Ereignisse erinnern an das Verhalten der iranischen Männer-Nationalmannschaft während der WM 2022 in Katar. Auch dort blieb das Team vor dem ersten Spiel stumm und sang die Nationalhymne vor der zweiten Partie wieder mit – mutmaßlich unter Druck des Verbands. Diese Parallele unterstreicht die anhaltenden politischen Spannungen im iranischen Sport.
Australiens Premierminister Albanese erklärte, viele Australier seien vom Schicksal der Spielerinnen bewegt gewesen: „Sie sind hier sicher und sollen sich willkommen fühlen.“ Er ermutigte auch weitere Teammitglieder, Asyl zu beantragen, falls sie dies wünschen, und betonte, die Hilfe seiner Regierung stehe bereit. Innenminister Burke fügte hinzu: „Diese Frauen sind großartige Sportlerinnen und großartige Menschen, sie werden sich in Australien sehr zu Hause fühlen.“
Trotz der Freude über die Asyl-Zusage bleibt die Sorge um den Rest des Teams bestehen. Trump vermutete, dass nicht alle Spielerinnen freiwillig in den Iran zurückreisen, sondern einige aus Angst um ihre Familien gezwungen sein könnten. Die fünf in Australien verbliebenen Fußballerinnen hingegen blicken nun einem neuen Leben entgegen, fernab der Bedrohungen in ihrer Heimat.



