Oliver Kahn empfiehlt Jamal Musiala drastischen WM-Verzicht
Der ehemalige Vorstand des FC Bayern, Oliver Kahn, hat dem kriselnden Superstar Jamal Musiala in einem klaren Statement nahegelegt, auf die anstehende Weltmeisterschaft zu verzichten. Bei einem Auftritt bei Sky antwortete Kahn auf die entsprechende Frage mit einem deutlichen "Absolut ja, natürlich" und betonte die Notwendigkeit, erst das eigene Spiel wieder auf Topniveau zu bringen.
Kahn: "Das Allerwichtigste ist, an sich zu arbeiten"
"Das ist doch das Allerwichtigste: Wenn ich spüre, irgendwas stimmt nicht in meinem Spiel – vielleicht bin ich noch nicht bereit, in die Zweikämpfe zu gehen – dann muss ich an mir arbeiten, bis ich wieder bereit bin", führte Kahn aus. Der Fußball-Experte zeigte sich zwar von den Fähigkeiten des Dribbelkünstlers überzeugt, mahnte jedoch zur Geduld und Selbstreflexion.
"Ich als Profi muss denken: Ich muss erst mein altes Level wieder erreichen, und dann kann ich über Weltmeisterschaften und über die großen Sachen nachdenken", so Kahn weiter. Musiala sucht nach einer schweren Verletzung im vergangenen Sommer seit Monaten vergeblich nach der Form vergangener Tage, was die Diskussion um seine WM-Teilnahme anheizt.
Dietmar Hamann: "WM ist im Moment kein Thema"
Noch deutlicher und kritischer äußerte sich Dietmar Hamann zur Personalie Musiala. "Die WM ist nicht in Gefahr, die WM ist im Moment kein Thema. Ich glaube, dass auch der Spieler und die Bayern im Moment alles im Kopf haben außer der Weltmeisterschaft", erklärte Hamann in einer scharfen Analyse.
Der FC Bayern habe nur noch rund zehn Saisonspiele vor sich. Von diesen müsse Musiala mindestens die Hälfte beginnen, um überhaupt als WM-Kandidat in Betracht gezogen zu werden. Hamann wollte zwar nicht beurteilen, wo genau Musialas Probleme liegen, sah jedoch im hohen Gehalt des 23-Jährigen beim FC Bayern ein zusätzliches Hindernis.
Hohes Gehalt und Druck als weitere Faktoren
"Sie haben ihn in Sphären von Harry Kane gehoben. Und das ist auch eine Sache, die den Druck auf den Jungen erhöht", so Hamann. Er betonte, dass irgendwann die Verletzung keine Entschuldigung mehr sein könne und Musiala an dem gemessen werden müsse, was der Verein ihm bezahlt.
Musiala befinde sich nach seiner schweren Verletzung bereits seit etwa fünf Monaten wieder im Training. "Ich habe ihn die letzten drei Monate beobachtet – er kann der Mannschaft im Moment nicht helfen", stellte Hamann fest. Dass Bayerns Trainer Vincent Kompany Musiala im Viertelfinal-Hinspiel der Bayern gegen Real Madrid in der Schlussphase eingewechselt hatte, wunderte Hamann.
Hamann sieht Lennart Karl vor Musiala
"In der 75. Minute wechselt er mit Musiala und Davies zwei Spieler ein, die wenig oder kaum gespielt haben. Das ist natürlich schon irgendwo eine Gefahr", kritisierte Hamann die Entscheidung des Trainers. Mittlerweile sieht der Experte sogar den jungen Lennart Karl vor Musiala.
Dieser müsse dem lange verletzten Star eigentlich vorgezogen werden, da das Leistungsprinzip für jeden Spieler gelte, auch für einen Musiala. Die Debatte um die optimale Entwicklung und den richtigen Zeitpunkt für eine Rückkehr auf die große Bühne bleibt damit weiterhin hochaktuell und emotional aufgeladen.



