Das größte Wunder der Bundesliga: Kaiserslautern 1998
Kaiserslauterns Meisterwunder 1998

Am 2. Mai 1998 wird eines der größten Wunder der deutschen Fußball-Geschichte Realität. Der 1. FC Kaiserslautern holt als Aufsteiger die Deutsche Meisterschaft. Es war der Höhepunkt einer denkwürdigen Saison, die in die Annalen der Bundesliga einging.

Der Auftakt einer Erfolgsgeschichte

Es lief die 80. Spielminute, als sich Michael Schjönberg zum Kopfball hochschraubte. Oliver Kahn im Tor des FC Bayern war geschlagen, Otto Rehhagel ballte an der Seitenlinie die Fäuste. Es sollte der einzige Treffer an diesem Nachmittag bleiben. Mit 1:0 siegte der 1. FC Kaiserslautern am ersten Spieltag der Saison 1997/98 im Münchner Olympiastadion als Aufsteiger beim FC Bayern. Dieser Sieg war der Auftakt einer denkwürdigen Erfolgsgeschichte.

Einzigartig im deutschen Fußball

Bereits am 33. Spieltag, dem 2. Mai 1998, wurde nicht das Münchner Starensemble Deutscher Meister, sondern der Aufsteiger aus der Pfalz. Der 1. FC Kaiserslautern hatte nach dem Abstieg 1996 und dem Wiederaufstieg das Team weitestgehend zusammengehalten. Als Aufsteiger den Titel zu holen, ist bis heute einmalig im deutschen Fußball. Am Ende standen bei den Roten Teufeln 68 Punkte zu Buche, zwei mehr als die großen Bayern, die entthronten Titelverteidiger. Die Pfalz stand wochenlang Kopf.

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„Einfach nur Wahnsinn“

„Das war ein Jahr wie im Rausch. Wenn ich zurückdenke, war das einfach nur Wahnsinn. Es war so emotional. Wir haben mit jedem Sieg in dieser Saison Geschichte geschrieben. Das war wie im Märchen, das keiner erfinden konnte. Und das wird nie wieder passieren“, erinnerte sich Schjönberg, der Siegtorschütze gegen Bayern, Jahre später im Gespräch mit SPORT1.

Legendär die Bilder, wie Lauterns Meistertrainer Rehhagel nach dem Schlusspfiff gegen die Münchner mit der Trinkflasche in der Hand in die Gästekurve rennt und sich feiern lässt. Schjönberg hatte da schon wieder anderes im Sinn. „Ich war nach dem ersten Spiel in München ruckzuck wieder weg. Weil meine Frau hochschwanger war, bin auch erst am selben Tag mit dem Auto nach München gefahren“, berichtete der Däne, der von Rehhagel gerne „Mein Wikinger“ genannt wurde: „Die Gefühle kamen erst im ersten Heimspiel. Da wurde ich wie ein Held gefeiert, als ich vor dem Warmmachen den Rasen betrat. Da habe ich einen wahnsinnigen Empfang bekommen.“

Rehhagel wird zum Meister-Helden

Schjönberg, der heute 59 Jahre alt ist und in der ersten färöischen Liga Trainer ist, denkt noch oft an die Erfolgssaison 1997/98 zurück. Gemeinsam mit ehemaligen FCK-Kollegen wie unter anderem Harry Koch, Marian Hristov und Jürgen Rische würde dann viel gelacht. „Wir kriegen heute noch Gänsehaut.“

Mit einem 4:0-Sieg im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg machten die Pfälzer, bei denen auch etwa Andreas Brehme, Michael Ballack und Ciriaco Sforza im Kader standen, damals am 33. Spieltag ihre vierte Meisterschaft perfekt. Der Startschuss für einen Party-Marathon!

Schjönberg und Buck berichten vom FCK-Titel

„Es war ein Wunder, dass wir im letzten Saisonspiel beim HSV überhaupt spielen konnten, denn wir haben eine Woche wie die Bekloppten gefeiert“, gestand Schjönberg und musste laut lachen. Er selbst sei zwar nie betrunken gewesen, aber „jeder hat immer jeden gefragt: ‚Wo gehen wir hin, wo gehen wir feiern?‘“ Dass es in Hamburg nur zu einem 1:1 reichte, war egal.

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Eine lustige Anekdote aus diesen Tagen wusste auch Andreas Buck SPORT1 Jahre später zu berichten. „Kurz vor Ende der Saison hatte ich zu Michael Schjönberg gesagt, dass ich mit dem Fahrrad zum nächsten Training kommen würde, wenn wir wirklich Meister werden und die Sensation schaffen sollten.“ Diese sollte Realität werden. „Irgendwann in der Woche vor dem Hamburg-Spiel am letzten Spieltag stand dann das erste Training vormittags an. Nach durchzechter Nacht setzte ich mich um 8 Uhr morgens aufs Fahrrad und radelte mit Restpromille 20 Kilometer durch den Pfälzer Wald zum Training. Immer noch total euphorisiert. Die Straße zum Betzenberg hoch wurde allerdings lang und länger. Die Oberschenkel brannten ganz schön“, erzählte der damalige FCK-Mittelfeldspieler. „Nach dem Training graute es mir vor der Heimfahrt mit dem Fahrrad. Der Kater machte sich heftig bemerkbar. Dann sah ich, dass mir einer meiner Kollegen die Luft aus den Reifen gelassen hatte. Ich hatte keine Pumpe bei mir. Das perfekte Alibi, um meine Frau anzurufen, dass sie mich abholen soll. Im Endeffekt war ich demjenigen mehr als dankbar.“

„Papa, du bist ja eine Legende“

Der Teamgeist sei auch der entscheidende Grund für den Erfolg gewesen, meinte Schjönberg. „Es gab keine Grüppchen, jeder hat sich ohne zu Murren als Teil des Teams gesehen. Es war so ein irrer Mannschaftsgeist. Keiner war mehr oder weniger wert.“

Schjönberg berichtete vor einigen Jahren, dass er noch immer feuchte Augen bekäme, wenn er in den alten Erinnerungen aus der Meistersaison wühle. „Mein Sohn ist jetzt 17 und hat sich nie wirklich für Fußball interessiert“, meinte er im Frühjahr 2020. „Jetzt habe ich angefangen, ihm alles von damals zu erzählen und er sagte nur: ‚Papa, du bist ja eine Legende‘.“