Tabea Kemme kritisiert ungleiche Bezahlung und Vorurteile als TV-Fußballexpertin
Kemme: Ungleiche Bezahlung für TV-Expertinnen im Fußball

Tabea Kemme beklagt ungleiche Bezahlung und Vorurteile als TV-Fußballexpertin

Seit vier Jahren steht Tabea Kemme regelmäßig vor den Kameras der Bezahlsender Prime Video und Sky und etabliert sich als eine der wenigen Frauen, die sich in der Männerdomäne Fußball als Expertin behaupten. Im SPORT1-Podcast „Flutlicht an!“ sprach die 34-jährige Olympiasiegerin von 2016 nun offen über die Herausforderungen, mit denen sie in Verhandlungen mit Medienunternehmen konfrontiert ist.

„Ich hätte keinen Wert“: Kemme kritisiert rückständige Vorurteile

Kemme beschrieb, dass sie in Gesprächen mit TV-Sendern stets die Forderung nach Equal Pay stellt. Doch die Antworten seien oft ernüchternd: „Da kommt direkt so: Ich hätte ja die Reichweite und den Wert nicht“, erklärte die 47-fache Nationalspielerin. Mit Reichweite sei meist die Anzahl der Follower in sozialen Netzwerken gemeint, die bei Kemme geringer ausfällt als bei männlichen Kollegen wie Mats Hummels oder Christoph Kramer.

Dennoch lässt sich die Expertin nicht entmutigen. „Es ist bisher kein einziger Fall gewesen, wo ich gesagt habe: Ich verlasse jetzt den Raum, weil wir nicht zueinander kommen“, betonte Kemme. Die Verhandlungen seien zwar häufig anstrengend, doch sie schätze es, dass fast immer eine gute Ebene gefunden werde – selbst wenn ihr entgegengeschleudert werde, sie habe keinen Wert.

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Geheimwaffe und Erfahrungen beim DFB

Kemme verriet auch eine besondere Strategie für ihre Verhandlungen: „Interessant ist, dass es eine andere Sensibilität gibt, wenn die Verhandler des Unternehmens Töchter haben“, sagte sie. Daher recherchiere sie vor Gesprächen stets ein wenig über ihre Gegenüber.

Die mangelnde Wertschätzung erlebte Kemme bereits in ihrer aktiven Zeit als Spielerin. Im Podcast berichtete sie vom Spielerinnen-Rat der Nationalelf und kritisierte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) scharf: „Es ist die größte Katastrophe.“ Wenn Spielerinnen bessere Entlohnung forderten, würden sie mit ähnlichen Begründungen abgewiesen wie sie heute bei TV-Verhandlungen: „Das ist identisch mit dem, wie es jetzt bei mir auf TV-Ebene passiert.“

Symbolische Szene bei Bayern-Spiel sorgt für Aufregung

Im März sorgte eine Szene während des Champions-League-Achtelfinales des FC Bayern gegen Atalanta Bergamo für Diskussionen. Kemme begleitete das Spiel gemeinsam mit Hummels und Kramer für Prime Video. Viele Bayern-Spieler klatschten mit den männlichen Experten ab, die Mehrheit jedoch nicht mit Kemme. Der Sender postete sogar einen Beitrag mit der Beschreibung: „Alle Bayern-Spieler klatschen mit unseren Experten ab“ – obwohl Kemme außen vor blieb.

Diese Situation steht symbolisch für die anhaltenden Probleme, die Frauen im männerdominierten Fußballgeschäft noch immer haben. Kemme bleibt dennoch optimistisch und setzt sich weiter für Gleichberechtigung und faire Bezahlung ein.

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