1. FC Köln: Kwasniok droht Rücktritt bei Niederlage gegen Dortmund
Die Situation beim 1. FC Köln spitzt sich dramatisch zu. Vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Samstagabend steht Trainer Lukas Kwasniok unter enormem Druck. Die Kritik an seiner Person wird immer lauter, obwohl der FC-Coach diese nur bedingt gelten lassen möchte. Die Partie gegen den BVB könnte bereits sein Schicksalsspiel werden.
Angespannte Lage am Geißbockheim
Die Stimmung am Geißbockheim ist äußerst angespannt. Mit lediglich zwei Siegen aus den vergangenen fünfzehn Spielen ist der 1. FC Köln kontinuierlich abgerutscht und befindet sich nun mitten im Abstiegskampf der Bundesliga. Bis zur anstehenden Länderspielpause warten mit Dortmund, dem Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach drei äußerst schwierige Aufgaben. Diese Spiele sind nicht nur für die Zukunft des gesamten Klubs entscheidend, sondern könnten für Trainer Lukas Kwasniok zu wahren Schicksalsspielen werden.
Kwasniok dementiert Punktziel
Berichte, wonach der Trainer aus den kommenden drei Partien mindestens vier Punkte holen müsse, dementierte Kwasniok am Donnerstagmittag energisch. „Wir haben noch nie über die nächsten drei Spiele gesprochen, seitdem ich da bin. Wir sprechen immer nur über das nächste Spiel“, betonte der Coach. Nach aktuellen Informationen von SPORT1 ist beim FC derzeit kein konkreter Trainerwechsel vorbereitet. Es existieren bislang keine Pläne in diese Richtung.
Doch sollte sich die Mannschaft am Samstagabend ähnlich präsentieren wie beim bislang schwächsten Saisonauftritt in Augsburg mit einer 0:2-Niederlage, könnte sich die Situation für Kwasniok rapide zuspitzen. Dies könnte die Verantwortlichen zu einem kurzfristigen Umdenken bewegen.
Nicht alles ist schlecht beim FC
Das erklärte Ziel des Aufsteigers war von Beginn an der Klassenerhalt. Um mehr ging es nie. Der Start in die Saison war mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen durchaus stark. Danach rutschte das Team jedoch Woche für Woche weiter nach unten – auch weil Aufwand und Ertrag häufig nicht zusammenpassten.
Hinzu kommt eine lange Verletztenliste. Aktuell fehlen dem Team noch immer sechs wichtige Leistungsträger. In vielen Spielen hätte der FC eigentlich mehr Punkte sammeln können, doch in der Bundesliga gibt es Punkte nur für Ergebnisse. Im Verein ist dennoch jeder überzeugt: Der von Sportchef Thomas Kessler zusammengestellte Kader ist zu stark, um tatsächlich abzusteigen.
Kwasniok bleibt überzeugt und selbstkritisch
„Wir sind in der Lage, zwei, drei, vier Spiele nicht zu verlieren“, erklärte Kwasniok und fügte selbstlos hinzu: „Wenn ich das Gefühl irgendwann nicht mehr habe, glaubt mir: Ich weiß, wo die Büros von den Verantwortlichen sind. Ich werde euch nicht damit plagen, dass die Mannschaft hier eine Grütze zusammenkickt.“
Der 44-jährige Trainer betont immer wieder die mannschaftliche Geschlossenheit: „Das ist nicht ein Nebeneinander, kein Gegeneinander, das ist ein totales Füreinander.“ Sein Credo lautet: Ruhe bewahren. Als Vorbild nannte Kwasniok den Premier-League-Klub Brighton & Hove Albion. Die Mannschaft des deutschen Trainers Fabian Hürzeler gewann zwischenzeitlich nur eines von dreizehn Ligaspielen, ehe dann wieder zwei Siege folgten.
„Das verfolge ich einfach, weil Hürzeler ein außergewöhnlich guter Trainer ist. Das widerfährt auch guten gestanden Mannschaften in der Premier League“, so Kwasniok. Sein Fazit: „Die Kunst ist, ruhig weiterzuarbeiten und die äußeren Einflüsse an sich vorbeilaufen zu lassen.“
Kritik und Medienreaktionen
Dass die Kritik an seiner Person zunimmt, dürfte auch bei Kwasniok angekommen sein. Dafür kennt er das Geschäft zu gut. „Das war in Saarbrücken, Paderborn oder Jena nicht anders“, sagte Kwasniok. Kritikpunkte wie zu häufige Rotation, Kaderentscheidungen – etwa bei Luca Waldschmidt oder Publikumsliebling Florian Kainz – sowie die Startelf-Diskussion um Topscorer Said El Mala sorgen regelmäßig für hitzige Debatten.
Am Donnerstag ging der Trainer deshalb auch die Medienvertreter an: „Dass ein anderes Bild von den mir Gegenübersitzenden gezeichnet wird, das kann ich nicht beeinflussen“, polterte er. „Wenn ihr nichts zum Schreiben habt, schreibt über mich“, führte er weiter aus. „Es ist nicht so, dass ich dann in mir zusammenbreche. Im Gegenteil. Ich bin wie so ein Hahn auf dem Kirchturm. Das hat, glaube ich, Helmut Kohl mal gesagt. Wenn du diesen Job annimmst und es mal nicht so sehr läuft, und dann bist du verwundert, wenn dich die Menschen auch mal kritisieren, dann hast du den falschen Job angenommen.“
Gemischte Fanreaktionen
Diese Worte hatten durchaus Gewicht. Kwasnioks Wagenburgmentalität hat bereits bei anderen kriselnden Vereinen gewirkt. Doch die Diskussion, ihn lediglich als Produkt der Öffentlichkeit und der Medien zu betrachten, könnte am Ziel vorbeischießen.
„Ich laufe bei dem Wetter öfter durch den Grüngürtel und kurioserweise sagen mir alle Menschen, die mich bislang angesprochen haben, lass dich nicht unterkriegen“, erzählte Kwasniok von seinen Spaziergängen durch Köln. Ganz so eindeutig ist die Lage allerdings nicht. Beim öffentlichen Training am Dienstag machte sich SPORT1 selbst ein Bild und sammelte einige negative Fan-Stimmen. Ein Zuschauer brüllte Kwasniok sogar zu: „Du bist überfällig.“ Kwasniok ignorierte diese Zwischenrufe konsequent.
Auch die Proteste mit dem Spruch „Kwasni Yok“ im Stadion beim 2:2 gegen Heidenheim dürfte er mittlerweile wahrgenommen haben. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, irgendwo dazwischen.
Entscheidung auf dem Platz
Am Samstagabend liegt die Entscheidung dann wieder auf dem Platz: Drei Punkte gegen den BVB würden sowohl Köln als auch Kwasniok spürbar Luft verschaffen und die angespannte Situation entschärfen. Eine weitere Niederlage oder gar ein ähnlich blutleerer Auftritt wie in Augsburg könnte die Schlinge jedoch enger ziehen und möglicherweise das Ende der Ära Kwasniok beim 1. FC Köln bedeuten.



