Ein Talent nach dem anderen: Kompanys Jugend-Offensive beim FC Bayern
Beim FC Bayern München hat sich die Nachwuchsförderung unter Trainer Vincent Kompany radikal verändert. Während früher Jahre vergehen konnten, ohne dass ein einziges Talent aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum Profispielminuten bekam, gilt heute eine neue Devise: Je mehr junge Spieler debütieren, desto besser für den Verein.
Elfter Debütant: Erblin Osmani gegen Union Berlin
Beim souveränen 4:0-Sieg gegen Union Berlin feierte mit Erblin Osmani bereits der elfte Spieler unter Kompanys Regie sein Bundesligadebüt. Der erst 16-jährige Mittelfeldspieler, normalerweise in der U17-Mannschaft aktiv, durfte sich an der Seite von Routinier Joshua Kimmich beweisen und zeigte dabei vielversprechende Ansätze.
Kompany setzt damit die von der Klubführung vorgegebene Marschroute, mehr eigene Jugendspieler einzubauen, konsequenter denn je um. Neben Osmani haben bereits Lennart Karl, Wisdom Mike und Maycon Cardozo ihre ersten Profiminuten erhalten. Cardozo bekam nach seinem Debüt gegen Gladbach sogar weitere Einsatzzeit.
Finanzielle Vorteile durch gesteigerte Marktwerte
Doch was bringt diese Strategie dem FC Bayern wirklich? Die Antwort ist ebenso pragmatisch wie finanziell lukrativ: Geld. Denn durch Bundesligaminuten bei den Bayern steigt der Marktwert junger Spieler automatisch erheblich.
Kompany bestätigte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Union Berlin, dass nicht alle Jungspunde auf Dauer bei den Profis Fuß fassen werden. Doch genau hier liegt der Clou: Wenn diese Talente den Verein später verlassen, können die Bayern-Bosse deutlich höhere Ablösesummen verlangen.
Dieses Geschäftsmodell hat sich bereits bewährt. Adam Aznou, ein ehemaliger Bayern-Jugendspieler, brachte dem Klub im vergangenen Sommer satte acht Millionen Euro ein – obwohl der mittlerweile 19-jährige Linksverteidiger bei seinem neuen Verein Everton in der Premier League noch kein einziges Mal gespielt hat.
Erfolgreiche Verkäufe und klare Strategie
Ein weiteres Beispiel ist Frans Krätzig, der für rund 3,5 Millionen Euro zu Red Bull Salzburg wechselte. Durch solche Transaktionen könnte der FC Bayern jährlich beträchtliche Summen erwirtschaften.
Sportdirektor Christoph Freund hatte bereits in der Vergangenheit erklärt, dass man am Campus nicht nur Spieler für die eigene Mannschaft ausbilden will, sondern bewusst auch für andere Vereine. Die größten Juwelen sollen freilich weiterhin in München bleiben, doch die finanzielle Komponente spielt eine immer wichtigere Rolle.
Motivation und Selektion durch Profieinsätze
Kompany betont jedoch auch die sportlichen Aspekte dieser Strategie: „Wir wollen die Talente unterstützen, wenn sie Gas geben“, sagt der 39-jährige Belgier. „Wenn es mal weniger läuft, sind wir auch noch da. Aber man muss verstehen, dass man alles perfekt machen muss, um auf diesem Niveau zu bleiben. Da braucht es viel Arbeit.“
Die Einsatzminiten dienen dabei nicht nur der Wertsteigerung, sondern auch als Motivation für die jungen Spieler und helfen bei der Selektion der größten Talente. „Ich finde es immer gut, dass der Verein sagt: Wir schätzen euch und geben euch die Möglichkeit, zu spüren, was es bedeutet, für den FC Bayern zu spielen“, so Kompany weiter.
Der Trainer weiß, wovon er spricht – schließlich ging er diesen Weg einst selbst. Und eines steht fest: Erblin Osmani wird nicht der letzte Debütant unter Vincent Kompany gewesen sein. Die bayerische Talenteschmiede läuft auf Hochtouren und wird sowohl sportlich als auch finanziell zur Goldgrube für den Rekordmeister.



