Kvaratskhelias spektakuläre Nacht dreht die Saison für Paris Saint-Germain
Bisher erlebte Khvicha Kvaratskhelia eine eher maue und enttäuschende Saison bei Paris Saint-Germain – doch am Mittwochabend änderte sich alles schlagartig. Gegen den englischen Top-Klub Chelsea verwandelte sich der georgische Offensivspieler in der Champions League zum absoluten Matchwinner und drehte den Wind in der französischen Hauptstadt nachhaltig. Was als knapper und ausgeglichener Kampf begann, endete in einem überzeugenden 5:2-Erfolg für die Hausherren aus Paris.
Die entscheidende Einwechslung und ein Traumtor
Eine gute halbe Stunde benötigte Khvicha Kvaratskhelia nach seiner Einwechslung in der 62. Minute, um dieses Achtelfinalhinspiel der Königsklasse komplett zu dominieren. Zu diesem Zeitpunkt stand es zwischen Paris Saint-Germain und Chelsea noch 2:2. Knapp 30 Minuten später lautete der Endstand bereits 5:2 für die Rot-Blauen. Kvaratskhelia steuerte persönlich zwei wichtige Tore und eine kluge Vorlage zum überlegenen Sieg bei.
„Ich glaube, wir haben gewonnen, weil wir es so sehr wollten und bis zum Schluss gekämpft haben. Ich bin sehr glücklich, dass wir heute Abend so eine großartige Leistung gezeigt haben“, erklärte der 25-Jährige nach dem Abpfiff sichtlich erleichtert und stolz. Besonders das zwischenzeitliche 4:2 entwickelte sich zu einer wahren Augenweide: Kvaratskhelia, liebevoll „Kvaradona“ in Anlehnung an die argentinische Legende Diego Maradona genannt, gab den spiegelverkehrten Michael Olise, zog elegant von links nach innen und jagte den Ball mit dem rechten Fuß unhaltbar ins lange Eck. Dieses Traumtor in der 86. Minute besiegelte endgültig den Sieg.
Medienjubel und möglicher Wendepunkt
In Frankreich wird die Leistung des Georgiers euphorisch gefeiert. Die Sportzeitung L‘Équipe titelte prompt: „Kvaratskhelia veränderte alles“ und spekulierte, dass die bisherige durchwachsene Saison der Pariser durch diesen einen Sieg „auf den Kopf gestellt worden sein“ könnte. Zuletzt hatte sich PSG in der heimischen Ligue 1 immer wieder schwergetan, aus dem nationalen Pokal war man bereits überraschend ausgeschieden, und auch in den Champions-League-Playoffs mühten sich die Rot-Blauen gegen AS Monaco nur mit Ach und Krach in die nächste Runde.
Die Stimmung im Prinzenpark-Stadion wirkte in den vergangenen Wochen durchaus gedrückt. Neben dem sportlichen Abschneiden trug angeblich auch die Personalie Kvaratskhelia zu dieser negativen Atmosphäre bei. Die Mannschaft sei „müde und ideenlos“, hatte Ex-PSG-Torwart Bernard Lama im Gespräch mit SPORT1 beklagt. Selbst Weltfußballer Ousmane Dembélé hatte zuletzt öffentlich angemerkt: „Wir müssen für den Verein spielen, bevor wir für uns selbst spielen.“ Laut L‘Équipe war mit dieser Kritik wohl auch Kvaratskhelia gemeint, der mit seinem eigensinnigen und individuellen Spielstil vermehrt den Ärger der PSG-Kabine auf sich gezogen habe.
Ein emotionaler Sieg mit Signalwirkung
Doch dieser Ärger um „Kvara“, der vor einem Jahr für eine Ablösesumme von 80 Millionen Euro aus Neapel in die französische Hauptstadt gewechselt war, scheint nach der überragenden Champions-League-Gala gegen Chelsea wie verflogen. Der emotionale und überzeugende 5:2-Erfolg gegen die Londoner könnte tatsächlich ein Wendepunkt in der gesamten Saison des aktuellen CL-Siegers gewesen sein. „Der Wind hat sich vielleicht gedreht“, bilanziert L‘Équipe optimistisch.
Sogar der britische The Guardian richtete eine poetische Lobeshymne an den Doppelpacker: „Er ist ein Fußballer, dem man gerne zusieht“, heißt es in dem Artikel. Der Georgier wirke wie „ein Besucher aus einem anderen Jahrzehnt, ein zotteliger, hypertalentierter Zeitreisender, der ein großes Sandwich in den Armen hält und von einem Comic-Hund verfolgt wird.“
Stark in Europa, schwach in der Liga
Statistisch betrachtet steht Kvaratskhelia nun in der aktuellen Champions-League-Saison bei bemerkenswerten sechs Toren und vier Vorlagen in nur neun Partien – auf der großen europäischen Bühne findet sich der „zottelige Zeitreisende“ also offenbar ausgezeichnet zurecht. In der heimischen Ligue 1 kommt der Offensivspieler hingegen in 21 Einsätzen auf lediglich vier Treffer, eine Quote, die deutlich unter den Erwartungen liegt. Vielleicht wird ihm dieser denkwürdige Abend gegen Chelsea tatsächlich helfen, auch in der nationalen Liga fortan wieder konstanter zu treffen und seine Leistung hochzuschrauben.
Eines steht nach dieser spektakulären Nacht fest: Khvicha Kvaratskhelia hat nicht nur ein Spiel gedreht, sondern möglicherweise den Lauf einer gesamten Saison für Paris Saint-Germain verändert. Die Frage bleibt, ob dieser Schwung auch in die kommenden Ligaspiele mitgenommen werden kann.



