Philipp Lahm rechnet mit deutscher Fußball-Talentförderung ab und fordert Reformen
Lahm kritisiert deutsche Fußball-Talentförderung scharf

Philipp Lahm übt scharfe Kritik an deutscher Fußball-Talentförderung

Der ehemalige Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, Philipp Lahm, hat in einer aktuellen Kolumne deutliche Kritik an der Talentförderung im deutschen Fußball geäußert. Der Weltmeister von 2014, der selbst als Musterbeispiel für erfolgreiche Nachwuchsarbeit gilt, rechnet mit dem aktuellen System ab und fordert grundlegende Reformen.

Infrastruktur vorhanden, aber Ergebnisse bleiben aus

Lahm erkennt zwar die vorhandenen Stärken des deutschen Fußballs an: „Deutschland verfügt über eine beneidenswerte Infrastruktur, Vereine in jeder Region, viele Trainer, zahlreiche Jugendligen und gut ausgestattete Trainingszentren“, kritisiert jedoch, dass trotz dieser Voraussetzungen der Durchbruch besonderer Talente zu selten gelinge. Als positives Beispiel führt er lediglich Lennart Karl an, den er als „Supertalent“ bezeichnet.

Systematische Probleme in den Akademien

Der ehemalige Bayern-Profi identifiziert mehrere grundlegende Probleme: „Viel geht verloren, besonders im Übergang vom Jugend- in den Profifußball“. Klubs investierten zwar Millionen in ihre Akademien, gäben den Talenten aber kaum Spielzeit in Profimannschaften. Zudem fehle es an einem klaren Ausbildungskonzept: „Wofür bilden wir aus? Was ist unser Ansatz?“

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Im Vergleich zu Spanien, wo Talente jahrelang im gleichen System ausgebildet werden, bemängelt Lahm das Springen von „Trend zu Trend“ in Deutschland. Dies führe dazu, dass Spieler am Ende „ein bisschen von allem können, aber nur wenige etwas wirklich gut beherrschen“.

Konkrete Lösungsvorschläge des Weltmeisters

Lahm präsentiert mehrere konkrete Reformvorschläge:

  • Verbindliches Ausbildungskonzept: Ein einheitliches System, das unabhängig von Trainerwechseln Bestand hat
  • Gemeinsame Spielphilosophie: Auf Verbandsebene entwickelte Grundsätze für alle Nachwuchsteams
  • Einsatzquoten für Eigengewächse: Jeder Bundesligist sollte Zielvorgaben für die Spielzeit junger Talente festlegen
  • Kaderbegrenzung: Profikader sollten maximal 23 Spieler umfassen, mit mindestens drei Plätzen für Eigengewächse

Die Kunst der Spezialisierung

Ein zentraler Punkt in Lahms Kritik ist der Verlust von Spezialistentum: „Ein Fußballer muss nicht alles können. Er muss etwas sehr gut können“. Als Beispiel nennt er die Kunst des Verteidigens, die heute kaum noch im Detail vermittelt werde. Durch eine konsequente Umsetzung seiner Vorschläge würden wieder echte Spezialisten entstehen: „Dann bekommt Deutschland wieder seinen Sechser, der genau weiß, was er im Zentrum zu tun hat. Einen Innenverteidiger, der kaum zu überwinden ist. Einen Stürmer, der im Strafraum viele Tore erzielt“.

Wettbewerb als Schlüssel zur Entwicklung

Lahm betont die Bedeutung von Spielpraxis: „Talent entwickelt sich im Wettbewerb“. Ohne regelmäßige Einsätze in Profimannschaften bleibe das Potenzial der jungen Spieler ungenutzt. Zudem fordert er eine bessere pädagogische Betreuung und professionelle Begleitung auf dem Weg an die Spitze.

Der Ex-Profi verweist auf seine eigene Karriere, die durch Kontinuität geprägt war: Acht Jahre in der Bayern-Jugend und eine Leihe zum VfB Stuttgart bildeten die Grundlage für seine Entwicklung zu einem der weltbesten Defensivspieler. Diese Art von Beständigkeit wünscht er sich für alle Talente im deutschen Fußball.

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