Vom Kettensäge-Geschenk zum eigenen Unternehmen: Chris Köppen verwirklicht seinen Holz-Traum
Für Chris Köppen aus Teschendorf kann ein Baum gar nicht krumm und knorrig genug sein. Der 21-jährige Zimmermann hat seine Leidenschaft für Holz zum Beruf gemacht und betreibt auf dem elterlichen Hof ein mobiles Sägewerk mit angeschlossener Holzwerkstatt. Sein Spezialgebiet sind Hölzer mit Charakter – jene Stämme, die andere als Brennholz entsorgen würden.
Die Anfänge: Erster Tisch für Taschengeld verkauft
Schon als Kind begann Chris Köppen mit dem Schnitzen und Basteln von Holzwerkstücken. Mit 16 Jahren schenkte ihm sein Vater die erste Kettensäge, woraufhin der Jugendliche erste Versuche als Kunsthandwerker unternahm. „Ich habe meinen ersten Tisch gebaut und für ein Taschengeld verkauft“, erinnert sich Köppen. Die Arbeit mit dem naturbelassenen Profil habe viele Stunden gedauert, aber enorm viel Spaß gemacht – und die Abnehmer seien begeistert gewesen.
Das sprach sich herum, und bald kamen Anfragen und regelrechte Aufträge. Während dieser Zeit besuchte Köppen noch das Lessing-Gymnasium in Neubrandenburg, verließ die Schule aber nach der elften Klasse, als er genau wusste, dass er mit Holz arbeiten wollte. Nach einer Ausbildung in Zirzow und einer Festanstellung in Neustrelitz baute er parallel sein eigenes Unternehmen auf.
Das Herzstück: Eine 20 Jahre alte Profi-Maschine
Das mobile Sägewerk, mit dem Köppen auch zu Kunden nach Hause oder in den Wald fährt, bildet das Herzstück seines Betriebs. Die portable Profi-Maschine mit Diesel-Antrieb ist fast genauso alt wie ihr Besitzer – 20 Jahre. „Ich habe von Anfang an gespart, fast alles, was ich verdient habe“, erklärt der Handwerker den Weg zur Anschaffung. Ein glücklicher Zufall half dabei: Ein guter Bekannter, der in Rente ging, verkaufte ihm die Maschine zu einem günstigen Preis, der dennoch im fünfstelligen Bereich lag.
Sein ganzes Betätigungsfeld baue sich ähnlich auf: durch Bekannte, die jemanden kennen, und durch Weitererzählen. Schon als Teenager knüpfte Köppen Kontakte mit Zimmerleuten und anderen Handwerkern. „Ich war mit 16 schon auf Kunsthandwerkermärkten ein bunter Vogel. Das hat sich herumgesprochen“, erzählt er.
Spezialisierung auf Holz mit Charakter
„Ich mag schwieriges Holz“, betont Köppen. Solches, das in kein industrielles Raster, kein Einheitsmaß und keine Schablone passt. In seinem Ein-Mann-Betrieb sei möglich und machbar, was in großen Unternehmen nicht rentabel ist. Ein befreundeter Holzhändler aus Woldegk versorgt ihn regelmäßig mit außergewöhnlichen Stücken, und auch andere Leute bringen ihm immer wieder sonderbare Stämme oder Bohlen vorbei.
„Ich werde oft gefragt, willst du das haben, ansonsten wird es Feuerholz. Dann gucke ich mir die Stämme an, und immer fällt mir etwas ein. Alles ist besser als verbrennen“, sagt der Handwerker. Nicht selten werde eine ganze Lkw-Ladung hinter seinem Elternhaus abgekippt.
Individuelle Möbel mit Geschichte
Manchmal kommen Kunden mit besonderen Holzstücken, an denen Erinnerungen hängen. „Mit mir kann man reden. Wir überlegen gemeinsam, was sich machen lässt“, erklärt Köppen seinen Arbeitsansatz. In seine Möbel arbeitet er auch anderes Material mit ein – Glas, Eisen oder Bienenwachs. Epoxidharz hingegen, das in der Heimwerker-Szene derzeit einen Hype erfährt, kommt ihm nicht aufs Gehöft. „Holz mit Kunststoff verfüllen – ich weiß nicht“, äußert er skeptisch.
Stattdessen setzt ein befreundeter Glaser unkonventionelle Design-Ideen mit ihm um. So hat Köppen bereits aus uralten Eichenbalken, die bei der Sanierung des Schlosses im brandenburgischen Fürstenberg übrig blieben, Steh- und Couchtische gebaut.
Unterstützung aus der Familie
Und was hält Papa Volker Köppen von den Vorgängen auf seinem Grundstück? „Ich hatte ihm immer gesagt, mach nichts mit Handwerk, das geht auf den Rücken“, sagt der Vater, der seinem Sohn gern mal zur Hand geht, besonders wenn ein Traktorfahrer gebraucht wird. Inzwischen sei es ein ganz normaler Samstagmorgen auf dem Hof von Familie Köppen in Teschendorf, wenn der Vater für seinen Sohn Telefongespräche entgegennimmt oder Auftraggeber empfängt.
Chris Köppen, der mit seiner Freundin in Neustrelitz wohnt, hat bereits weitere Pläne: „Irgendwann hätten wir gern einen eigenen Hof. Träumen kann man ja“. Gerade einmal fünf Jahre, nachdem er seine erste eigene Motorsäge in der Hand hatte, betreibt der 21-Jährige im Nebenberuf sein eigenes Sägewerk mit Holzwerkstatt – und blickt auf eine erstaunlich schnelle Entwicklung zurück.



