EU-Kommission fordert niedrigere Gasspeicher-Füllziele wegen Iran-Krieg
Die anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Iran lassen die Befürchtungen vor einem weiteren deutlichen Anstieg der Gaspreise in Europa wachsen. Jetzt hat die Europäische Kommission mit einer konkreten Handlungsempfehlung reagiert. In einem offiziellen Schreiben an alle Mitgliedstaaten fordert die Behörde Deutschland und die anderen EU-Länder auf, das verbindliche Füllziel für ihre nationalen Gasspeicher zu senken.
Senkung von 90 auf 80 Prozent vorgeschlagen
Der zuständige EU-Kommissar für Energie, Dan Jørgensen, schlug in seinem Brief vor, das übliche Füllziel von 90 Prozent auf 80 Prozent zu reduzieren. Dieser Schritt könne nach Einschätzung der Kommission dazu beitragen, die Gasnachfrage in Zeiten angespannter Versorgungslage zu verringern und damit den Druck auf die Energiepreise zu mindern. "Reduzierte Füllziele für Gasspeicher könnten den Preisanstieg bremsen", heißt es in der Begründung.
Auswirkungen des Konflikts auf globale Energiemärkte
Zur aktuellen Lage im Nahen Osten führte Jørgensen aus, dass die Angriffe auf Energieinfrastruktur erhebliche Auswirkungen auf die globalen Öl- und Gasmärkte hätten. Besonders besorgniserregend sei, dass jüngste Entwicklungen darauf hindeuteten, dass die Flüssigerdgas-Produktion Katars länger brauchen könnte, um wieder das Niveau vor der Krise zu erreichen. Diese Verzögerungen würden die ohnehin angespannte Situation zusätzlich verschärfen.
EU besser vorbereitet als während der Ukraine-Krise
Trotz der alarmierenden Entwicklungen beschrieb der EU-Kommissar die Versorgungssicherheit in der Europäischen Union als derzeit vergleichsweise wenig gefährdet. Als Gründe nannte er:
- Die begrenzte Abhängigkeit von Energieimporten aus der unmittelbaren Konfliktregion
- LNG-Lieferungen, die die strategisch wichtige Straße von Hormus bereits vor Kriegsausbruch durchquert hatten
- Koordinierte Diversifizierungsanstrengungen der letzten Jahre
- Beschleunigter Ausbau heimischer Energiequellen
Insgesamt sei die EU deutlich besser auf Energiekrisen vorbereitet als noch 2022, betonte Jørgensen. Damals hatte der Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu massiven Versorgungsengpässen und historischen Preisanstiegen geführt.
Hintergrund der verbindlichen Füllziele
Um eine Wiederholung der dramatischen Situation von 2022 zu verhindern und eine ausreichende Versorgung von Haushalten und Unternehmen während der Wintermonate zu gewährleisten, hatte die EU verbindliche Füllziele für Gasspeicher eingeführt. Diese Regelungen sollten sicherstellen, dass die Mitgliedstaaten rechtzeitig ausreichende Reserven anlegen, um mögliche Lieferunterbrechungen abfedern zu können. Die jetzt vorgeschlagene temporäre Senkung dieser Ziele stellt eine Anpassung an die aktuellen geopolitischen Entwicklungen dar und soll dazu beitragen, die Stabilität des europäischen Energiemarktes in turbulenten Zeiten zu bewahren.



