Preußen Münster stürzt nach 1:3-Heimpleite gegen Magdeburg auf Abstiegsplatz
Zum Haareraufen! Die Preußen Münster haben mit einer schmerzhaften 1:3-Heimniederlage gegen den Tabellenletzten aus Magdeburg einen neuen Tiefpunkt in dieser enttäuschenden Zweitliga-Saison erreicht. Nur eine Woche nach dem 0:6-Debakel in Dresden kassierten die „Adlerträger“ den nächsten Wirkungstreffer und stehen nun erstmals in dieser Spielzeit auf einem direkten Abstiegsplatz – sie haben sogar die „Rote Laterne“ übernommen.
Desaströse Bilanz und vergebene Hoffnungen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nur ein einziger Sieg aus den letzten 13 Begegnungen! Dabei ruhten vor dem Anpfiff noch große Hoffnungen auf Interimscoach Kieran Schulze-Marmeling, der das Team bereits im Vorjahr aus höchster Not zur Rettung geführt hatte – beginnend mit dem legendären „5:0-Wunder von Magdeburg“. Doch davon war diesmal meilenweit nichts zu spüren.
Der teure Umbruch, der nicht funktioniert hat: Nach dem „Last-Minute-Klassenerhalt“ vom letzten Sommer wurden gleich 13 Neuzugänge installiert, für die über zwei Millionen Euro ausgegeben wurden. Im teuren Profi-Geschäft zwar eine überschaubare Summe, für die Preußen aber ein dicker Batzen, der den Verein unterm Strich keinen Schritt nach vorne gebracht hat.
Die entscheidende Phase kurz vor der Halbzeit
Die Situation wäre womöglich eine andere gewesen, hätte es gegen Magdeburg nicht die entscheidende Phase kurz vorm Halbzeitpfiff gegeben. Erst legte Yassine Bouchama nach einem Eckball die Kugel prima für Kapitän Jorrit Hendrix auf, der aus gut 16 Metern zum vermeintlichen 1:0 einschoss. Riesenjubel und Erleichterung im ausverkauften LVM-Stadion – doch dann schritt der Video-Assistent ein und wies auf eine Abseitsstellung vom Passgeber hin. Kein Treffer.
Schlimmer noch: Kaum 180 Sekunden später stand Bouchama erneut im Mittelpunkt – mit einem Foul im eigenen Strafraum an Gäste-Stürmer Lubambo Musonda. Klarer Elfer, den Mateusz Zukowski eiskalt zur Magdeburger Führung nutzte. Schulze-Marmeling, der die Startelf nach dem Dynamo-Untergang gleich auf fünf Positionen verändert hatte, war frustriert: „Das war ein Knackpunkt im Spiel. So jäh aus der eigenen Euphorie gerissen zu werden, hat natürlich etwas mit den Jungs gemacht.“
Vergebliche Aufholjagd und bitteres Ende
In der zweiten Halbzeit waren Engagement und Willen deutlich zu erkennen, aber ebenso Verunsicherung sowie viele leichte Fehler. Die Preußen verstärkten den Druck, boten dadurch aber auch immer wieder Räume für Konter. Einen davon nutzte Zukowski nach 72 Minuten zum 2:0 – die Vorentscheidung.
Kurz darauf war es einmal mehr Bouchama, der sich an der linken Torauslinie sehenswert durchdribbelte und Etienne Amenyido bediente. Dessen Treffer zum 1:2 machte die Hausherren im Endspurt noch mutiger. Selbst Keeper Johannes „Jojo“ Schenk hielt es nicht mehr hinten – als er für den letzten Freistoß weit nach vorne eilte, fing Magdeburg den Angriff ab und Richmond Tachie schob zum 3:1-Endstand in den völlig verwaisten Preußen-Kasten.
Sieben Spiele bleiben – jetzt muss ein neuer Steuermann her
Und jetzt? Sieben Spiele bleiben, um das Ruder des sinkenden Schiffes doch noch herumzureißen. Der Rückstand bis zum rettenden Ufer beträgt nur zwei Zähler, dafür muss aber zwingend ein neuer Steuermann gefunden werden – ein Trainer, der nicht bloß Abstiegskampf kann, sondern auch einer total verunsicherten Truppe wieder Selbstvertrauen einimpft.
Sport-Geschäftsführer Ole Kittner versichert: „Ja, wir haben Plan B und auch C, werden zeitnah eine Entscheidung treffen.“ Spätestens am Mittwoch – zum Auftakt in die neue Trainingswoche – muss die Lösung gefunden sein, um die bevorstehende Länderspielpause sinnvoll nutzen zu können. Wobei weder Kittner noch Sportdirektor Jan Uphues bestätigen wollten, dass es sich dabei wirklich um den heiß gehandelten, früheren Ulm-Trainer Thomas Wörle handeln könnte.
Fakt ist: Die Preußen sind viel zu blauäugig in diese Spielzeit gestartet und haben zu lange auf das Rauten-System von Ex-Coach Alexander Ende vertraut. Ein Irrtum – mit dem war er zwar beim SC Verl in der 3. Liga erfolgreich, doch in der 2. Liga wurde es von den meisten Gegnern schnell decodiert. Was die „Schwarz-Weiß-Grünen“ nun teuer zu stehen kommen könnte.



