Hertha-Trainer Stefan Leitl (48) muss nach der 1:6-Blamage in Bielefeld viele unangenehme Fragen beantworten. Die Berliner verabschiedeten sich mit einem desaströsen Ergebnis in den Sommerurlaub und hinterlassen einen Scherbenhaufen. Die Blamage am letzten Zweitliga-Spieltag wirft viele Fragen auf, die wichtigste: Ist Trainer Stefan Leitl wirklich noch der Richtige?
Alle Saisonziele verfehlt
Nach Abpfiff hatten die Hertha-Fans im Gästeblock mit ihren lauten „Leitl raus!“-Rufen eine klare Meinung kundgetan. Die Berliner haben alle Saisonziele verpasst. Der Aufstieg wurde frühzeitig verfehlt, ebenso wie die von Leitl verkündeten Ersatzziele von 60 Punkten oder Tabellenplatz 6. Aus den letzten sechs Spielen holte Hertha nur vier Punkte. Nun ist der Tiefpunkt erreicht. Kann Hertha mit Leitl, dessen Vertrag bis 2027 läuft, wirklich in die neue Saison gehen?
Was für Leitl spricht
Leitl strahlt Ruhe, Sicherheit und Erfahrung aus. Er rettete Hertha in der Saison 2024/25 vor dem Absturz in die Drittklassigkeit. Er ist ein Kenner der 2. Liga und stieg bereits mit Fürth in die Bundesliga auf. Geschäftsführer Dr. Peter Görlich sprach dem Trainer vor einer Woche am Sky-Mikrofon das Vertrauen aus: „Wenn man sich für jemanden entscheidet und es auch gegen kritische Stimmen publik macht, dann ist so etwas fix. Er hat brutal viel Energie in die Mannschaft gesteckt. Das waren Argumente, warum wir sagten: Das ist der Mann, mit dem wir auch in die nächste Runde gehen möchten.“
Was gegen Leitl spricht
Teile der Vereinsgremien sehen die Trainerfrage kritischer. Besonders die fehlende Spielidee mit wenig Ballbesitz und zu wenig Torgefahr wird Leitl vorgeworfen. Die Mannschaft begeistert selten und ist zu Hause zu harmlos. In der Heimtabelle belegt Hertha Platz 13 mit nur 16 geschossenen Toren. Ligaweit liegt der Klub beim Ballbesitz auf Platz elf, bei Torschüssen auf Platz neun und bei Großchancen auf Rang sechs. Die öffentliche Meinung wird lauter gegen den Trainer. Die Zahlen der Rückrunde zeigen einen Abwärtstrend: fünf Punkte weniger, zwölf Gegentore mehr.
Der Aufstieg bleibt das Ziel
Hertha steht vor einem Umbruch, will aber nächste Saison einen neuen Aufstiegsversuch starten. Geschäftsführer Dr. Görlich zur Spielidee: „Hoch stehen, viel Ballbesitz, Tiefe bespielen, direkt spielen, Geschwindigkeit ins Spiel bringen, Seitenverlagerung, den Gegner laufen lassen.“ In Bielefeld war davon nichts zu sehen; in der zweiten Halbzeit löste sich die Mannschaft nahezu auf. In der neuen Saison soll auf harte Arbeiter mit Talent gesetzt werden, auch aus finanziellen Gründen. Herthas klamme Situation könnte für Leitl sprechen, da eine Abfindung plus neuer Trainer viel Geld kosten würde.



