Jogi Löw analysiert den DFB-Kader: Die Rolle des Bayern-Blocks für den WM-Erfolg
Der ehemalige Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw hat in einem exklusiven Interview mit SPORT BILD seine Einschätzung zum aktuellen Kader der deutschen Nationalmannschaft gegeben. Im Fokus stehen dabei die sieben Spieler des FC Bayern München, die von Trainer Julian Nagelsmann für die anstehenden Testspiele gegen die Schweiz und Ghana nominiert wurden. Löw, der 2014 mit Deutschland den Weltmeistertitel holte, betont die Bedeutung eines eingespielten Kerns, wie er ihn damals mit sieben Bayern-Spielern im Finale von Rio hatte.
Die Wichtigkeit eines eingespielten Blocks
Löw erklärt, dass ein Nationaltrainer zwar zunächst auf einzelne Positionen und die Erfüllung taktischer Aufgaben achten muss. Dennoch sieht er einen klaren Vorteil darin, wenn viele Spieler aus einem erfolgreichen Verein wie Bayern München stammen. "Ein Spieler, der sich dort durchsetzt, hat automatisch Qualität und ist daher für die Nationalmannschaft wertvoll", so der 66-Jährige. Diese Spieler brächten Erfahrung im Titelgewinnen und gewisse Automatismen mit, die in einem Turnier entscheidend sein können.
Allerdings relativiert Löw diese Aussage, indem er auf die langfristige Entwicklung einer Mannschaft verweist. Sein Weltmeister-Team von 2014 habe sich über Jahre hinweg eingespielt, mit einem Kern, der bereits in der U21 zusammengespielt hatte. "Die Weltmeisterschaft gewinnt man nicht in vier Wochen, man gewinnt sie über ein paar Jahre und über eine Entwicklung einer Mannschaft", betont er. Für die aktuelle DFB-Elf, die in den vergangenen zwei Jahren nicht die allerstabilste war, könnte der Bayern-Block jedoch unter diesem Aspekt von Vorteil sein.
Einzelanalysen: Von Goretzka bis Pavlovic
Löw äußert sich auch zu einzelnen Spielern. Leon Goretzka, der beim FC Bayern aktuell kein Stammspieler ist, sieht er dennoch als wertvoll für die Nationalmannschaft an. "Auf den Leon ist Verlass", sagt Löw und begründet dies mit Goretzkas Erfahrung und Stabilität. Aleksandar Pavlovic vergleicht er in seiner Rolle mit Weltmeister Bastian Schweinsteiger, da er ein intelligenter Spieler sei, der Situationen antizipieren könne.
Besonders positiv fällt Löws Bewertung des jungen Lennart Karl aus, der erstmals im DFB-Kader steht. Er lobt die Förderung durch Bayern-Trainer Vincent Kompany und betont, wie wichtig Vertrauen für die Integration junger Talente ist. Bei der Frage nach der besten Position für Kapitän Joshua Kimmich zeigt sich Löw flexibel: "Ich glaube, dass Joshua aktuell auf jeder der beiden Positionen auf Weltklasse-Niveau spielt", meint er, sieht ihn aber momentan aufgrund der Gesamtkonstellation eher als Rechtsverteidiger.
Offensive und Defensive: Stärken und Herausforderungen
In der Offensive hebt Löw die Qualitäten von Serge Gnabry und Leroy Sané hervor, betont aber, dass eine Bewertung ihm nicht zustehe. Er unterstreicht die Bedeutung von Spielern mit unterschiedlichen Profilen für ein Turnier, da Alternativen und Rollenverteilungen entscheidend sein können. In der Innenverteidigung sieht er Jonathan Tah als ruhenden Pol, der die zweikampfstarken Antonio Rüdiger und Nico Schlotterbeck ideal ergänzt. "Seit ein, zwei Jahren ist Jona einer der allerbesten Innenverteidiger, die man sich vorstellen kann", so Löw.
Abschließend äußert sich der Ex-Bundestrainer zur möglichen Bedeutung eines Champions-League-Siegs des FC Bayern für die Nationalmannschaft. Ein solcher Triumph kurz vor der WM würde den Spielern immenses Selbstbewusstsein geben und eine ideale Konstellation schaffen. Löw bleibt jedoch realistisch und betont, dass letztlich die langfristige Entwicklung und Reife der Mannschaft über den Erfolg bei einem großen Turnier entscheiden.



