Mexiko besiegt Island trotz Drogenkrieg-Unruhen: WM-Testspiel unter militärischem Schutz
Mexiko besiegt Island trotz Drogenkrieg-Unruhen vor WM

WM-Vorbereitung im Schatten des Drogenkriegs: Mexiko testet unter militärischem Schutz

Trotz einer schweren Gewalteskalation im Fußball-WM-Gastgeberland Mexiko hat in der Stadt Querétaro ein bedeutendes Freundschaftsspiel stattgefunden. Die mexikanische Nationalmannschaft besiegte Island mit einem deutlichen 4:0 (2:0) – doch die sportliche Begegnung stand vollständig im Schatten der aktuellen Sicherheitskrise.

Sechs Sicherheitsringe und schwer bewaffnete Einsatzkräfte

Für das Testspiel vier Monate vor WM-Beginn galten außergewöhnlich strenge Sicherheitsmaßnahmen. Medienberichten zufolge wurden sechs konzentrische Sicherheitsringe um das Corregidora-Stadion eingerichtet. Rund um die Spielstätte waren zahlreiche schwer bewaffnete Einsatzkräfte zu sehen, die das voll besetzte Stadion abschirmten.

Die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen waren eine direkte Reaktion auf die jüngsten Unruhen, die durch den Tod des mächtigen Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als »El Mencho«, ausgelöst wurden. Der berüchtigte Kartellführer war am vergangenen Sonntag bei einem Militäreinsatz getötet worden.

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Gewaltwelle mit 74 Todesopfern erschüttert das Land

Als Reaktion auf den Tod ihres Anführers entfesselte »El Menchos« Kartell eine beispiellose Gewaltwelle in weiten Teilen Mexikos. Mitglieder errichteten Straßensperren, zündeten Fahrzeuge an und griffen Geschäfte an. Bei den Auseinandersetzungen kamen insgesamt 74 Menschen ums Leben, darunter 25 Angehörige der Nationalgarde.

Die mexikanische Armee ist derzeit mit mehr als 10.000 Soldaten im Einsatz, um die Gewalt einzudämmen. Vor dem Anpfiff in Querétaro inszenierten die Sicherheitskräfte eine symbolträchtige Zeremonie: Soldaten und Soldatinnen stellten sich mit einer riesigen mexikanischen Flagge auf dem Spielfeld auf, Militärfanfaren ertönten, und es wurde eine Schweigeminute abgehalten. Zwei Kinder überreichten anschließend Blumensträuße an Soldatinnen.

WM-Austragung unter kritischer Beobachtung

Mexiko richtet die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer gemeinsam mit den USA und Kanada aus. Insgesamt sollen 13 WM-Begegnungen auf mexikanischem Boden stattfinden, darunter das Eröffnungsspiel zwischen dem Co-Gastgeber und Südafrika in Mexiko-Stadt. Als weitere Spielorte sind Querétaro und Monterrey vorgesehen. Mehrere Nationalmannschaften planen zudem, ihr Teamquartier in Mexiko aufzuschlagen.

Die deutsche Nationalmannschaft wird weder in Mexiko wohnen noch in der Vorrunde Partien dort austragen. Dennoch äußerte sich DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig besorgt über die aktuelle Lage: »Es bleibt zu hoffen, dass sich diese kriegsähnliche Situation schnell entspannt und es nicht zu einer weiteren Eskalation kommt«, sagte Rettig in der »Augsburger Allgemeinen«. Auf die Frage nach seiner Vorfreude auf die WM antwortete er ehrlich: »Wenn ich ehrlich bin, aktuell nicht.«

Gegensätzliche Einschätzungen von FIFA und Experten

Während FIFA-Präsident Gianni Infantino unerschütterliches Vertrauen in Mexiko bekundete (»Wir haben vollstes Vertrauen in Mexiko«), zeigen sich Sicherheitsexperten deutlich skeptischer. David Saucedo, ein renommierter Sicherheitsexperte, der in der ARD zu Wort kam, äußerte ernste Zweifel: »Die Regierung will das Bild vermitteln, dass sie alles im Griff hat. Aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. Es bleiben Zweifel, ob man die Besucher der WM ausreichend schützen kann.«

Präsidentin Claudia Sheinbaum versuchte indessen, Bedenken zu zerstreuen: »Alle Behörden der Republik haben sich koordiniert, alle Kräfte der Bundesregierung, Sicherheitskräfte und Staatsanwaltschaft stehen für jede Situation bereit«, betonte sie. Sie versicherte, dass für die WM-Fans »keinerlei Risiko« bestehen würde und »alle Sicherheitsvorkehrungen« getroffen würden.

Historische Erfahrungen geben jedoch Anlass zur Sorge: Vergangene Schläge gegen die Organisierte Kriminalität in Mexiko haben oft lange und blutige Machtkämpfe innerhalb der Kartelle ausgelöst. Die Frage, ob sich die Lage bis zum WM-Start im Sommer ausreichend beruhigen wird, bleibt unbeantwortet und überschattet die Vorbereitungen für das weltweit größte Fußballereignis.

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