Mexiko nach Drogenboss-Tod in Gewaltchaos: WM-Gastgeberland in kriegsähnlicher Situation
Mexiko: Gewaltchaos nach Drogenboss-Tod bedroht WM-Sicherheit

Mexiko im Ausnahmezustand: Drogenkrieg bedroht Sicherheit der Fußball-Weltmeisterschaft

Mexiko befindet sich nach der Tötung des berüchtigten Drogenbosses Nemesio »El Mencho« Oseguera Cervantes in einer dramatischen Sicherheitskrise. Mindestens 73 Menschen haben bereits ihr Leben verloren, während die mexikanische Armee mit über 10.000 Soldaten versucht, die gewaltsamen Ausschreitungen unter Kontrolle zu bringen. Diese Entwicklung wirft nur rund 100 Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft ernste Fragen zur Sicherheit des Co-Gastgeberlandes auf.

DFB-Geschäftsführer spricht von »kriegsähnlicher Situation«

Andreas Rettig, Geschäftsführer des Deutschen Fußball-Bundes, äußerte sich in der »Augsburger Allgemeinen« äußerst besorgt über die Entwicklungen. »Es bleibt zu hoffen, dass sich diese kriegsähnliche Situation schnell entspannt und es nicht zu einer weiteren Eskalation kommt«, sagte Rettig und fügte hinzu: »Meine Gedanken sind bei allen Mexikanerinnen und Mexikanern, die unter den Unruhen leiden.« Auf die Frage nach seiner Vorfreude auf die WM-Endrunde antwortete der DFB-Vertreter ehrlich: »Wenn ich ehrlich bin, aktuell nicht.«

Besonders alarmierend ist die Lage im Bundesstaat Jalisco, wo in der Hauptstadt Guadalajara vier WM-Spiele stattfinden sollen. Bereits in einem Monat sind dort Partien der ausstehenden Playoffs geplant, während die Gewalt in der Region weiter eskaliert. Offiziellen Zahlen zufolge werden allein in Jalisco knapp 13.000 Menschen vermisst.

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Fifa-Chef Infantino demonstriert ungewöhnliche Gelassenheit

Während die Sicherheitslage sich zuspitzt, zeigt Fifa-Präsident Gianni Infantino erstaunliche Ruhe. »Ich bin sehr ruhig«, erklärte der Schweizer gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP in Kolumbien. »Alles läuft sehr gut, alles wird fantastisch sein.« Der Weltverband hatte zuvor mitgeteilt, man beobachte die Situation in Jalisco sehr genau und stehe in ständigem Austausch mit den Behörden.

Insgesamt sind 13 WM-Begegnungen in Mexiko geplant, darunter das prestigeträchtige Eröffnungsspiel zwischen dem Co-Gastgeber und Südafrika in Mexiko-Stadt. Weitere Spiele sollen in Monterrey stattfinden. Mehrere Nationalmannschaften haben angekündigt, ihr Teamquartier in Mexiko aufzuschlagen, während die deutsche Mannschaft weder dort wohnen noch in der Vorrunde Partien austragen wird.

Experten zweifeln an Regierungsversprechen

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum betonte wiederholt, die Regierung habe die Lage unter Kontrolle. »Alle Behörden der Republik haben sich koordiniert, alle Kräfte der Bundesregierung, Sicherheitskräfte und Staatsanwaltschaft stehen für jede Situation bereit«, versicherte sie. Für WM-Besucher bestehe »keinerlei Risiko« und »alle Sicherheitsvorkehrungen« seien getroffen.

Sicherheitsexperten zeigen sich jedoch skeptisch. David Saucedo, ein anerkannter Sicherheitsexperte, der in der ARD zu Wort kam, äußerte deutliche Zweifel: »Die Regierung will das Bild vermitteln, dass sie alles im Griff hat. Aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. Es bleiben Zweifel, ob man die Besucher der WM ausreichend schützen kann.«

Historische Muster geben Anlass zur Sorge

Die Geschichte zeigt, dass Schläge gegen den organisierten Drogenhandel in Mexiko oft lange und blutige Machtkämpfe zwischen den Kartellen auslösen. Die Tötung von »El Mencho«, einem der mächtigsten Drogenbosse des Landes, könnte genau solch eine Kettenreaktion in Gang gesetzt haben. Während Präsidentin Sheinbaum den Erfolg als Triumph feiert, bleibt fraglich, ob dieser von Dauer sein wird.

Die Bundesregierung sieht die Fifa in der Pflicht, für die Sicherheit der Fans zu sorgen. Christoph Ploß (CDU), Tourismuskoordinator der Bundesregierung, forderte im »Handelsblatt«: »Die Fifa muss in Zusammenarbeit mit den Regierungen Kanadas, der USA und Mexikos sicherstellen, dass Fans nicht gefährdet und die Sicherheitsvorgaben durch die Gastgeberländer eingehalten werden.«

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Mexiko die Sicherheitskrise bewältigen kann, bevor die Weltmeisterschaft am 11. Juni beginnt. Während die Fifa Optimismus verbreitet, bleiben bei vielen Beteiligten und Beobachtern ernste Bedenken hinsichtlich der Sicherheitslage in einem Land, das sich mitten in einem Drogenkrieg befindet.

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