Müller-Wohlfahrt blickt zurück: So lief der legendäre Streit mit Guardiola beim FC Bayern
Müller-Wohlfahrt packt zum Streit mit Guardiola aus

Müller-Wohlfahrt blickt auf legendären Streit mit Guardiola zurück

Der ehemalige Teamarzt des FC Bayern München, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, hat sich in einem ausführlichen Interview zu dem legendären Streit mit Trainer Pep Guardiola geäußert. Der 83-jährige Sportmediziner, der über 38 Jahre für den deutschen Rekordmeister tätig war, spricht offen über die Umstände, die zu seinem Rücktritt im April 2015 führten, und verrät, wie es seiner Meinung nach zu der Eskalation kommen konnte.

Der fürchterliche Tag: Die Niederlage gegen Porto als Auslöser

„Es war der 15. April, ein fürchterlicher Tag“, erinnert sich Müller-Wohlfahrt im Gespräch mit dem Spiegel. An diesem Tag hatte der FC Bayern das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Porto verloren. In der Folge machte Guardiola den Mediziner vor der gesamten Mannschaft für die Niederlage verantwortlich. „Es hieß, wir hätten zu viele Verletzte im Team, und ich ließe Spieler zu lange pausieren. Völlig absurd. Das wollte ich nicht akzeptieren“, so der erfahrene Arzt.

Müller-Wohlfahrt betont, dass seine Diagnostik stets präzise gewesen sei und die Heilungsprozesse unter seiner Aufsicht oft sogar zügiger verlaufen seien als andernorts. Der damalige Trainer Pep Guardiola sei jedoch mit dem Tempo der Genesung unzufrieden gewesen. „Er war es vom FC Barcelona offenbar gewohnt, auch in medizinischen Fragen das letzte Wort zu haben, aber das war in München bis dato anders“, erklärt der Mediziner.

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Die Rolle von Uli Hoeneß und die veränderte Klubkultur

Interessant ist Müller-Wohlfahrts Einschätzung zur Rolle von Klubpatron Uli Hoeneß. Zum Zeitpunkt des Eklats befand sich Hoeneß in Haft, und der Arzt ist überzeugt: „Wäre er im Verein gewesen, wäre es nicht zum Bruch mit Guardiola gekommen, da bin ich mir sicher.“ Hoeneß habe ihm stets den Rücken gestärkt und sei eine wichtige Stütze gewesen.

Nach einem kurzen Comeback unter Jupp Heynckes 2017 beendete Müller-Wohlfahrt sein Engagement beim FC Bayern endgültig 2020. Als Gründe nennt er die zunehmende Entfremdung vom Fußballgeschäft: „Das Umfeld des Fußballgeschäfts war mir zunehmend fremd geworden, diese astronomischen Gehälter und Transfersummen, die mittlerweile gezahlt werden. Der Profisport ist kälter und unpersönlicher geworden.“

Vermissen der familiären Atmosphäre und Hoffnung auf Kompany

Der Sportmediziner erinnert sich gerne an die früheren Zeiten zurück, als der Klub noch wie eine Familie funktionierte. „Ich erinnere mich an Floßfahrten auf der Isar oder einen Ausflug auf die Rodelbahn. Paul Breitner lud an Pfingsten nach Hinterglemm zu einem Kick auf einer Almwiese ein“, schwärmt Müller-Wohlfahrt. Diese persönlichen Momente seien heute seltener geworden.

Doch es gibt auch positive Signale: „Unter dem aktuellen Trainer Vincent Kompany geht es zum Glück wieder etwas familiärer zu, habe ich gehört. Das freut mich“, sagt der 83-Jährige. Er hofft, dass unter dem neuen Trainer wieder mehr Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen gelegt wird.

Insgesamt hätte sich Müller-Wohlfahrt eine Würdigung seiner jahrzehntelangen Arbeit für den Verein gewünscht. Seine Zeit beim FC Bayern war geprägt von Respekt und Vertrauen der meisten Trainer – bis zu jenem schicksalhaften Tag im April 2015, der alles veränderte.

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