Müller-Wohlfahrt kritisiert Profifußball: Wiederverletzungsquote auf Rekordhoch
Müller-Wohlfahrt: Wiederverletzungen im Fußball auf Rekordhoch

Ehemaliger Bayern-Arzt warnt vor Gesundheitsrisiken im Profifußball

Der renommierte Sportmediziner Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der über viele Jahre als Teamarzt des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft tätig war, äußert sich in einem aktuellen Interview mit dem Spiegel äußerst kritisch zur Entwicklung im modernen Profifußball. Der 83-jährige Experte beobachtet eine besorgniserregende Zunahme von Gesundheitsrisiken für die Spieler, die er direkt mit dem gestiegenen wirtschaftlichen Druck in Verbindung bringt.

Wirtschaftlicher Erfolg geht vor Spielergesundheit

„Die Klubs sind noch stärker von wirtschaftlichem Erfolg getrieben, der Ausfall eines teuer eingekauften Profis gefährdet den Erfolg“, erklärt Müller-Wohlfahrt deutlich. Diese Entwicklung habe direkte Auswirkungen auf die medizinische Betreuung der Athleten. Laut seinen Beobachtungen sei die Quote der Wiederverletzungen heute so hoch wie nie zuvor in seiner langjährigen Karriere.

Die Teamärzte arbeiteten ständig im Spannungsfeld zwischen den Interessen des Vereins und dem Wohl der Spieler. „Wobei die meisten von ihnen selbst schnell zurück auf den Rasen wollen“, ergänzt der Mediziner. Dieses Dilemma kenne er aus eigener Erfahrung nur zu gut.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Persönliche Konflikte und Rückzug aus der Bundesliga

Im Jahr 2015 eskalierte die Situation beim FC Bayern München, als es zum Streit mit dem damaligen Trainer Pep Guardiola kam. Der Spanier warf Müller-Wohlfahrt vor, verletzte Spieler unnötig lange pausieren zu lassen. „Das wollte ich nicht akzeptieren“, betont der Arzt, der daraufhin seinen Rücktritt erklärte.

Unter Trainer Jupp Heynckes kehrte Müller-Wohlfahrt zwar noch einmal zurück, doch 2020 zog er sich endgültig aus der Bundesliga zurück. Neben dem Wunsch, sich wieder stärker auf seine Patienten in der Münchner Praxis zu konzentrieren, spielte auch die veränderte Atmosphäre im Fußballgeschäft eine Rolle. „Das Umfeld des Fußballgeschäfts war mir zunehmend fremd geworden, diese astronomischen Gehälter und Transfersummen, die mittlerweile gezahlt werden“, erklärt er.

Der Profisport sei kälter und unpersönlicher geworden. „Es gibt weniger Kameradschaft“, stellt Müller-Wohlfahrt fest und beschreibt damit einen grundlegenden Wandel in der Fußballkultur.

Weiterhin aktiv in der Sportmedizin

In seiner Münchner Praxis behandelt der erfahrene Mediziner weiterhin zahlreiche Spitzensportler aus verschiedenen Disziplinen. Zu seinen Patienten zählen unter anderem Eishockey-Star Leon Draisaitl, Basketballer Dennis Schröder und Tennisspieler Alexander Zverev. Auch internationale Athleten vertrauen weiterhin auf seine Expertise.

„Ich arbeite so lange, bis mir der Himmel signalisiert: Es ist genug“, sagt Müller-Wohlfahrt mit charakteristischem Humor. Trotz seines Rückzugs aus dem Profifußball bleibt er somit der Sportmedizin und der Gesundheit der Athleten weiterhin eng verbunden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration