München verhängt absolutes Surf-Verbot an der legendären Eisbachwelle
Die Eisbachwelle in München, einst ein weltbekanntes Symbol für urbanen Wassersport, ist Geschichte. Nachdem die natürliche Welle durch Bachauskehrmaßnahmen Ende 2025 verschwunden ist, hat die Stadt nun ein komplettes Surf-Verbot verhängt. Dieser Schritt löst bei der Surf-Community tiefe Enttäuschung und heftigen Protest aus.
Tödlicher Unfall und verschwundene Welle als Auslöser
Im April 2025 erschütterte ein tragischer Unfall die Münchner Surf-Szene. Eine 33-jährige Surferin verlor an der Eisbachwelle ihr Leben. Dieser Vorfall markierte den Beginn einer Reihe von Entwicklungen, die schließlich zum Verbot führten. Im Oktober 2025 wurde das Bachbett gereinigt, wodurch die charakteristische Welle vollständig verschwand. Seitdem ringen Stadtverwaltung und Surfer um Lösungen.
Die Surfer versuchten zunächst, die Welle mit einem Holzkonstrukt illegal wiederherzustellen. Dieses wurde jedoch von der Feuerwehr entfernt. Ein zentraler Streitpunkt blieb die Haftungsfrage bei möglichen Unfällen. Bei einem Projektversuch übernahmen die Surfer vorübergehend die Verantwortung, doch dies erwies sich als nicht nachhaltig.
Lebensgefahr durch Wasserwalze führt zum Verbot
Das grün geführte Klima- und Umweltreferat (RKU) der Stadt München begründete das am Mittwoch verkündete totale Surf-Verbot mit einer akuten Lebensgefahr. In einem Gespräch mit Vertretern der Surfer habe das Referat erfahren, dass an der Stelle der ehemaligen Welle nun überwiegend nichtsurfbares Weißwasser – eine gefährliche Wasserwalze – vorherrsche.
„Die Surfer haben uns mitgeteilt, dass diese Stelle lebensgefährlich ist“, so eine Sprecherin des RKU. „Angesichts des tödlichen Unfalls im Vorjahr können wir keine Risiken mehr eingehen.“
Surf-Club München attackiert Stadtverwaltung
Der „Surf Club München“ reagierte mit scharfer Kritik auf das Verbot. Sprecher Max Malsy-Mink widersprach den Angaben des Klimareferats vehement: „Die Behauptung, es habe eine Absprache mit den Surfern gegeben, ist eine Lüge. Es gab keine solche Vereinbarung!“
Malsy-Mink wirft dem RKU „Angsthasen- und Machtpolitik“ vor und kritisiert, dass das Referat gegen die Ansagen von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) handle. „Dies zeigt, dass Reiter seine Verwaltung nicht im Griff hat“, so der Surf-Club-Sprecher.
Kommunalpolitische Brisanz vor Bayern-Wahlen
Die Entscheidung könnte politische Folgen haben, denn am 8. März 2026 finden in Bayern Kommunalwahlen statt. Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner J. Patzelt sieht durchaus Einfluss auf das Wahlverhalten: „Nachdem die Eisbachwelle deutschlandweit Berühmtheit erlangt hat, kann der kommunalpolitische Umgang mit ihr sehr wohl die Stimmung der Wähler beeinflussen.“
CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner nutzt die Gelegenheit für Kritik an der Stadtverwaltung: „Wenn die Stadt schon an der einfachen Wiederherstellung der Eisbachwelle scheitert, wie will sie dann größere Probleme lösen?“
Zukunft der Eisbachwelle ungewiss
Während die Surfer weiter für eine Rückkehr ihrer legendären Welle kämpfen, bleibt die Situation vorerst festgefahren. Die Stadt München betont die Sicherheit der Bürger als oberste Priorität. Ob und wann an der Eisbach jemals wieder gesurft werden darf, ist derzeit völlig offen. Ein Stück Münchner Stadtgeschichte scheint vorerst besiegelt.



