Niederlechner bei 1860 München: Vom Star zum Kader-Außenseiter unter Kauczinski
Die Gefühle der TSV 1860 München-Fans gleichen einer Achterbahnfahrt. Im Sommer 2025 herrschte grenzenlose Euphorie, als mit Florian Niederlechner nach Kevin Volland ein weiterer hochkarätiger Rückkehrer verpflichtet wurde. Zusammen verkörperten sie das personifizierte Aufstiegsversprechen für die Dritte Liga. Mit zwei starken Treffern und einer Vorlage in den ersten beiden Spielen gegen RW Essen (1:1) und den VfL Osnabrück (3:1) schien der erfahrene Torjäger sein Wort zu halten. Damals standen junge Talente wie Lasse Faßmann und Damjan Dordan noch nicht einmal im Kader.
Dramatischer Sturz: Niederlechner nicht mal mehr im Kader
Ein dreiviertel Jahr später hat sich das Bild komplett gewandelt. Beim 0:0 im Aufstiegsduell gegen den Tabellennachbarn SV Wehen Wiesbaden am 29. Spieltag setzte Chefcoach Markus Kauczinski auf das junge Angriffsduo Dordan (23) und Faßmann (19) in der Startelf. Der 35-jährige Florian Niederlechner wurde hingegen gar nicht erst in den Kader berufen, obwohl er nicht verletzt war. Statt im Trikot seines Herzensvereins musste er dick eingepackt in Zivil am Spielfeldrand zuschauen.
„Das tut mir auch sehr leid für ihn. Da muss man schon sagen: Er hat das Herz am richtigen Fleck, er lebt und liebt den Verein“, äußerte sich der gesperrte Kapitän Thore Jacobsen bei Magentasport zur Ausbootung des Torjägers. Nach 21 Einsätzen mit lediglich zwei Toren und drei Vorlagen, dem Verlust seines Stammplatzes und einer hartnäckigen Winterverletzung markiert diese Nichtberücksichtigung einen neuen Tiefpunkt in Niederlechners Karriere bei den Löwen.
Stürmer-Hierarchie unter Kauczinski: Niederlechner auf letztem Platz
Unter Kauczinski ist Niederlechner in der Stürmer-Hierarchie deutlich abgerutscht. „Wir haben was in der Ausrichtung verändert“, erklärte der Trainer die Umstellung vom 3-5-2 auf ein 3-4-2-1-System, das maßgeschneidert auf Top-Stürmer Sigurd Haugen (elf Saisontore) zugeschnitten ist. „Auch Justin Steinkötter ist rangerückt, dann hast du auch noch Patrick Hobsch.“ Sowohl der schnelle Konterstürmer Steinkötter als auch der kraftvolle Strafraumspieler Hobsch stehen damit vor dem einstigen Bundesligastar.
Über Niederlechners Reaktion auf die Kader-Streichung sagte Kauczinski: „Er hat es wie jeder andere Spieler aufgenommen. Jeder will dabei sein. Da ist natürlich Enttäuschung da.“ Der Angreifer, der als meinungsstarker Charakter gilt und unter Ex-Coach Patrick Glöckner noch eine Führungsrolle in der Kabine innehatte, hat sich sportlich nicht durchsetzen können. Kauczinski ist bekannt dafür, dass ihn Namen nicht beeindrucken – wie zuvor Kevin Volland und zuletzt Jesper Verlaat erfahren mussten.
Zukunft ungewiss: Vertrag bis 2027, aber Perspektive düster
Die jüngsten Erfolge der Mannschaft geben Kauczinski recht und verschlechtern Niederlechners Lage eher noch. Obwohl sich sein Vertrag kürzlich automatisch bis 2027 verlängert hat, ist ein vorzeitiger Abschied des Rückkehrers plötzlich nicht mehr ausgeschlossen. Kapitän Jacobsen zeigt sich dennoch optimistisch: „Auch er wird wieder wichtig werden, da bin ich mir ganz sicher. Ich glaube, er ist auch Sportsmann genug, dass er es vielleicht heute mal hinnimmt und die richtige Antwort wieder auf dem Platz gibt.“
Doch nach allem, was aus dem Löwen-Lager zu hören ist, kann man sich dieser Einschätzung nicht anschließen. Der gebürtige Ebersberger, der bei den Fans und in den Vereinsgremien nach wie vor große Beliebtheit genießt, steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Frage, ob dies bereits der Anfang vom Ende seiner zweiten Karrierephase bei 1860 München ist, bleibt unbeantwortet.



