Emotionale Erinnerungen an einen beinharten Kult-Coach
Genau ein Jahr nach dem Tod von Werner Lorant am Ostersonntag 2025 blickt Peter Pacult in einem bewegenden Interview mit der AZ auf die gemeinsame Zeit mit der Legende des TSV 1860 zurück. Der ehemalige Stürmer, der unter Lorants Führung 1994 mit den Löwen in die Bundesliga aufstieg und später sowohl sein Co-Trainer als auch sein Nachfolger wurde, zeichnet das Bild eines einzigartigen Trainers und Menschen.
„Werner Lorant war ein absolutes Unikat“
„Werner Lorant war ein absolutes Unikat“, betont Pacult mit Nachdruck. „Andere Trainer wie Ernst Happel waren ebenfalls hart, aber seine Sprüche sind einfach Kult geworden. Wir hatten immer ein ausgezeichnetes Verhältnis – egal ob als Spieler und Trainer, als Co-Trainer-Team oder nach seiner Entlassung, als ich 2001 sein Nachfolger als Cheftrainer wurde.“
Der Österreicher erinnert sich besonders an die bewegende Trauerfeier im vergangenen Jahr: „Der Werner hat sich diese würdige Zeremonie redlich verdient – sowohl durch seine sportlichen Erfolge als auch durch seine unnachahmliche Art. Es ist schön und wichtig, dass ihn die Löwenfans nicht vergessen haben.“
Der Spitzname „Beinhart“ und Lorants Trainingsphilosophie
Der legendäre Spitzname „Beinhart“ geht auf die Action-Komödie „Werner – beinhart!“ aus den Neunzigerjahren zurück, wie Pacult erklärt. Doch hinter der harten Fassade verbarg sich ein Trainer mit viel Gespür für seine Spieler: „Lorant hatte durchaus verschiedene Seiten. Er hat zum Beispiel vielen jungen Talenten eine echte Chance gegeben und sie gefördert.“
Allerdings betont Pacult: „Ohne seine charakteristische Härte und Unerbittlichkeit in vielen Trainingseinheiten hätte er uns Spieler niemals zu diesen Höchstleistungen gekitzelt. Das muss man ganz klar anerkennen. Mich persönlich hat er ja erst in einem fortgeschrittenen Alter zum TSV 1860 geholt, von daher bestand von Anfang an ein gesunder, gegenseitiger Respekt.“
Prägende Gespräche im Löwen-Stüberl
Dem ehemaligen Angreifer sind mehrere intensive Gespräche mit Lorant besonders lebhaft in Erinnerung geblieben. Ein Schlüsselmoment ereignete sich während der zweiten Bundesliga-Saison: „Er hat mich damals beiseite genommen und ganz direkt gesagt: ‚Peter, es funktioniert nicht mehr so gut wie im Aufstiegsjahr und im ersten Bundesliga-Jahr. Jetzt müssen wir etwas ändern.‘“
Die Konsequenz: Es kamen neue Spieler zum Team und Pacult saß häufiger auf der Ersatzbank. „Das war einfach die Realität des Profifußballs“, resümiert der Österreicher nüchtern.
Ein besonders emotionales Treffen fand 1995 im legendären Löwen-Stüberl statt, als Pacults Vertrag als Spieler auslief: „Er hat mich zum Gespräch gebeten und wir saßen gemütlich zusammen. Ich habe ihm ganz offen gesagt: ‚Werner, red nicht lange drumherum: Es geht sich nicht mehr aus, oder?‘ Ich war bereits vom älteren Semester und von Verletzungen geplagt. Er hat sich bei mir bedankt, ich bin gegangen und alles war in bester Ordnung.“
Vom Spieler zum Co-Trainer und Nachfolger
Die Verbindung zwischen den beiden Fußballprofis sollte jedoch nicht enden. Lorant holte Pacult kurze Zeit später als Co-Trainer zu sich – mit einem unvergesslichen Satz: „Ich werde diesen Moment nie vergessen, als er damals im Stüberl zu mir sagte: ‚Hoppala, Peter, dein Platz ist jetzt nicht mehr da drüben, sondern hier bei mir!‘“
Die spätere Entwicklung war für beide emotional herausfordernd: Als Lorant 2001 beim TSV 1860 entlassen wurde, wurde ausgerechnet Pacult zu seinem Nachfolger befördert. „Sein Abgang war sicher nicht einfach für ihn, denn Sechzig war einfach alles für ihn“, erklärt Pacult verständnisvoll. „Er hat in einem Interview später sogar seinem Ärger Luft gemacht und gesagt, dass der Co-Trainer – also ich – ebenfalls hätte entlassen werden müssen.“
Doch die beiden Fußballveteranen fanden schnell wieder zueinander: „Wir haben uns rasch wieder zusammengerauft und in all den folgenden Jahren regelmäßig telefoniert und Kontakt gehalten.“
Ein bleibendes Vermächtnis
Für Peter Pacult bleibt Werner Lorant eine prägende Figur, die dem TSV 1860 und dem deutschen Fußball unauslöschliche Spuren hinterlassen hat. „Der Werner fehlt uns allen“, sagt der Österreicher abschließend mit spürbarer Bewegung in der Stimme. „Ich persönlich habe ihm sehr viel zu verdanken – und der TSV 1860 ebenfalls! Er war nicht nur ein beinharter Kult-Coach, sondern vor allem auch ein einzigartiger Mensch, dessen Erinnerung wir in Ehren halten werden.“



