Tobias Raschl: Vom FCK-Abstellgleis zur Startelf-Chance bei Preußen Münster
Gestern noch Teamkollege, heute bereits Gegenspieler – im Profifußball können die Wechsel manchmal überaus schnell erfolgen. Für Tobias Raschl wird diese Erfahrung am kommenden Sonntag besonders greifbar, wenn sein neuer Verein, Preußen Münster, auf seinen Ex-Klub, den 1. FC Kaiserslautern, trifft. Das Duell in der ausverkauften Hammer Straße verspricht Spannung pur.
Winterwechsel als Neuanfang nach enttäuschender Hinrunde
Erst Anfang Februar vollzog der 25-jährige Mittelfeldspieler den Wechsel zu den „Adlern“ aus Münster. Als dritter Winterneuzugang nach Shin Yamada von Celtic Glasgow und Imad Rondić, der vom 1. FC Köln ausgeliehen wurde, soll Raschl tatkräftig zum angestrebten Klassenerhalt in der 2. Liga beitragen. Für den gebürtigen Düsseldorfer bedeutet der Transfer eine willkommene Chance, wieder ins Rampenlicht zu treten.
Beim FC Kaiserslautern hatte Trainer Torsten Lieberknecht den vielseitigen Techniker in der Hinrunde praktisch aufs Abstellgleis geschoben. Gerade einmal sechs Kurzeinsätze und magere 75 Minuten Spielzeit standen für Raschl zu Buche. Selbst beim deutlichen 4:1-Erfolg der Pfälzer gegen Preußen Münster im vergangenen September verbrachte er die gesamte Partie auf der Ersatzbank. „Keine Frage, das hatte ich mir alles etwas anders vorgestellt“, blickt Raschl zurück. „Aber das Thema ist für mich erledigt. Jetzt will ich meine Chance im Adler-Trikot nutzen.“
Startelf-Premiere zum Geburtstag gegen die „Roten Teufel“?
Die Gelegenheit dazu könnte bereits am Sonntag kommen – exakt einen Tag nach seinem 26. Geburtstag. Nicht nur, weil kaum ein Spieler im Preußen-Kader die Lauterer besser kennt als Raschl. Zudem fällt Kapitän Jorrit Hendrix mit Knieproblemen aus, sodass Cheftrainer Alexander Ende seine Raute im Mittelfeld ohnehin umbauen muss. Raschl, der bisher sowohl gegen den VfL Bochum als auch in Düsseldorf eingewechselt wurde, bleibt gelassen: „Die Entscheidung liegt allein beim Trainer. Aber ich fühle mich jedenfalls fit und bereit.“
Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit seinen ehemaligen Mitspielern ist dem Mittelfeldmann deutlich anzumerken. Die „Roten Teufel“ aus Kaiserslautern stehen aktuell auf Rang sieben der Tabelle und haben satte elf Punkte Vorsprung auf Münster. Dennoch sieht Raschl keinen klaren Favoriten: „Wenn wir unsere Spielidee konzentriert auf den Rasen bringen, können wir das Ding durchaus ziehen.“
Personelle Engpässe auf beiden Seiten
Ein Vorteil für Preußen Münster: Die Lieberknecht-Truppe muss auf Top-Stürmer Ivan Prtajin verzichten. Der Kroate, der im ersten Saisondirektduell noch einen lupenreinen Hattrick erzielte und kaum zu stoppen war, fällt mit einem Achillessehnenriss bis Saisonende aus. „Das tut mir für Ivan richtig leid. So etwas wünscht man wirklich niemandem“, zeigt Raschl Mitgefühl für seinen ehemaligen Teamkollegen.
Interessant ist zudem, dass neben Tobias Raschl noch zwei weitere Preußen-Spieler eine engere Beziehung zu den Pfälzern pflegen. Innenverteidiger Jannis Heuer spielt seit Saisonbeginn als Leihgabe des FCK für Münster, während Oliver Batista-Meier sogar in Kaiserslautern geboren wurde und seine ersten fußballerischen Schritte in der Jugendabteilung des Vereins machte.
Raschl selbst hat bei Preußen Münster zunächst nur einen Vertrag bis zum Ende der laufenden Saison unterschrieben. Eine Verlängerung bei erreichtem Klassenerhalt wird jedoch durchaus für möglich gehalten. Bis dahin konzentriert sich der Mittelfeldspieler voll und ganz auf die sportlichen Aufgaben – beginnend mit dem teuflisch heiß erwarteten Duell gegen seine alten Kollegen vom Betzenberg.



