Abwehrchef Reinthaler: 'Ich habe mich nie als zweite Wahl gesehen'
Max Reinthaler hat sich in der Abwehr des TSV 1860 München als unverzichtbarer Stammspieler etabliert. Seit dem 1. November 2025 absolvierte der Innenverteidiger jedes Ligaspiel über die volle Distanz und avancierte zum defensiven Rückgrat der Löwen. Im exklusiven Interview spricht der 28-Jährige über die besondere Konkurrenzsituation mit Kapitän Jesper Verlaat und verrät, welche Gemeinsamkeiten der aktuelle TSV 1860 mit seinem früheren Verein Wehen Wiesbaden verbinden.
'Kein Spieler kriegt einen Freifahrtschein'
Die erfolgreiche Phase der Münchner unter Trainer Markus Kauczinski ist für Reinthaler kein Zufall. 'Ich kenne den Trainer aus einer sehr erfolgreichen Zeit, die wir zusammen hatten', erklärt der Abwehrspieler. 'Trotzdem weiß ich auch, wie er damit umgeht. Kein Spieler kriegt einen Freifahrtschein, egal bei welcher personellen Entscheidung.' Diese klare Haltung des Trainers sei eine wichtige Zutat für den aktuellen Erfolg.
Reinthaler betont, dass jeder Spieler im Kader gleich bewertet werde, unabhängig von seiner Rolle oder seinem Status. 'Wenn du nicht deine Leistung bringst oder wenn sie jemand anderes bringt, hast du keine Garantie', so der Verteidiger. Diese Einstellung habe dazu geführt, dass sich kein Spieler als zweite Wahl fühle, selbst wenn er zeitweise nicht zum Einsatz komme.
Konkurrenz mit Kapitän Verlaat
Besonders interessant ist die Situation in der Innenverteidigung, wo Reinthaler mittlerweile regelmäßig neben oder statt Kapitän Jesper Verlaat spielt. 'Es wird oft ein bisschen vernachlässigt, dass wir allgemein viele gute Spieler haben', analysiert Reinthaler. 'Vorne haben wir nicht nur Kevin Volland, wir haben David Philipp, Fitze Wolfram, Steini, Hobschi, Flo und Sigi natürlich. Und genauso ist es hinten.'
Der Abwehrspieler sieht die Medienberichterstattung über die Konkurrenzsituation kritisch: 'Ich finde auch, dass die Medien da oft ein bisschen zu viel hineininterpretieren, in Namen, in die Binde, Co oder Kapitän, was auch immer.' Entscheidend sei letztlich die Leistung auf dem Platz, nicht der Status eines Spielers.
Erfolgsrezept der Löwen
Die aktuelle Spielweise des TSV 1860 beschreibt Reinthaler als effektiv und mannschaftlich reif. 'Unsere Spielweise ist jetzt auch nicht so schlimm, wie es nach außen betitelt wird', verteidigt er den Stil der Münchner. 'Wir sind jetzt oben dran und es geht einfach ums Spiele gewinnen. Was ich positiv finde, gerade auch was die mannschaftliche Reife angeht, dass wir nicht noch das zweite Tor machen müssen.'
Der Glaube innerhalb der Mannschaft wachse mit jedem Erfolgserlebnis, betont Reinthaler. Gleichzeitig warnt er vor Überheblichkeit: 'Wir wissen aber auch, dass dieses Gefühl sehr schnell wieder einstürzen kann. Wir haben jetzt Wochen der Wahrheit vor uns, wir haben noch nichts geschafft.'
Vergleich mit Wehen Wiesbaden
Am kommenden Samstag trifft der TSV 1860 auf Wehen Wiesbaden, Reinthalers früheren Verein, bei dem er ebenfalls unter Trainer Markus Kauczinski spielte. Der größte Unterschied zwischen beiden Klubs liege im Umfeld: 'Der mediale Druck hier ist natürlich ein Riesenunterschied', erklärt der Abwehrspieler. 'Trotzdem hatte man im Verhältnis dort nicht dieses Kribbeln, dieses Pushen von den Fans, vom ganzen Umfeld, dass auch ein bisschen tragen kann.'
Das Mannschaftsgefüge sei jedoch vergleichbar: 'Jeder stellt seine persönlichen Bedürfnisse noch einen Tick mehr nach hinten und trotzdem will jeder Spieler einen Teil fürs große Ganze beitragen.' Diese Geschlossenheit sei ein entscheidender Erfolgsfaktor für beide Teams.
Ziel: Baustein für Baustein
Mit Blick auf die entscheidende Phase der Saison bleibt Reinthaler bescheiden: 'Es sind acht Mannschaften in Schlagdistanz. Aber jede der acht Mannschaften weiß auch, wenn du drei schlechte Wochen hast, dann bist du nicht mehr in Schlagdistanz.' Die Marschroute sei klar: 'Wir wollen einfach drei Punkte Woche für Woche und einen Baustein nach dem anderen setzen.'
Der Abwehrchef betont abschließend die Wichtigkeit der aktuellen Erfolgsserie: 'Alles worüber wir jetzt reden, ist eine Momentaufnahme, das kann in drei Wochen wieder ganz anders aussehen. Deswegen liegt es an uns als Mannschaft, dass die Worte auch in drei Wochen Bestand haben.'



