Schalke 04 in der Krise: Stevens ergreift Partei für Tönnies
Ausgerechnet in einer sportlich vielversprechenden Phase des FC Schalke 04 sorgt ein erbitterter Streit abseits des Platzes für erhebliche Unruhe. Der legendäre Jahrhunderttrainer Huub Stevens, der mit den Königsblauen im Jahr 1997 den UEFA-Cup gewann, stellt sich deutlich vor den langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies. In einem exklusiven Interview mit SPORT1 kritisiert der 72-jährige Niederländer die jüngsten Angriffe der Ultras Gelsenkirchen auf Tönnies auf das Schärfste.
Stevens: "Das Verhalten ist unfair und enttäuschend"
"So ein Verhalten ist Clemens gegenüber nicht gerecht, das ist einfach unfair", erklärt Stevens mit deutlichen Worten. "Er ist mein Freund, und man darf nicht vergessen, wie viel er für Schalke getan hat. Er hat für diesen Verein gearbeitet, gekämpft, Verantwortung übernommen und immer Herzblut gezeigt." Der Streit um Tönnies bewege ihn persönlich sehr, betont der erfahrene Trainer: "Das enttäuscht mich zutiefst."
Beleidigende Plakate sorgen für bundesweite Diskussionen
Beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden am vergangenen Samstag tauchten in der Nordkurve provokative Plakate der Ultras Gelsenkirchen auf. Parolen wie "Halt dich an dein Wort, Schweinepriester!" oder "Kein Ehrenpräsident für Ehrenlose. Verpiss dich, Tönnies!" lösten nicht nur im Verein, sondern bundesweit kontroverse Diskussionen aus. Die Botschaften richteten sich offenbar gegen eine mögliche Aufnahme von Tönnies ins Ehrenpräsidium des Traditionsvereins.
Stevens ordnet die Proteste jedoch differenziert ein und mahnt zur Besonnenheit: "Das ist ein kleiner Teil der Ultras. Schalke ist größer als das. Wir kämpfen hier alle gemeinsam für den Aufstieg." Der erfahrene Fußballprofi betont die Notwendigkeit des Zusammenhalts in dieser entscheidenden Phase der Saison.
Tönnies reagiert verärgert auf die Vorfälle
Auch Clemens Tönnies selbst zeigte sich irritiert über die jüngsten Entwicklungen. Gegenüber der Funke Mediengruppe äußerte der 69-Jährige: "Wer sind die Ultras? Eine kleine, aber laute Gruppe in diesem großartigen Verein. Völlig unnötig, dass sie jetzt Unruhe stiften. Es geht um den Aufstieg – alle Schalker sollten zusammenhalten."
Ein direktes Gespräch zwischen Stevens und Tönnies habe es bislang nicht gegeben. "Ich werde Clemens nicht anrufen", erklärt Stevens dazu. "Er weiß, wie ich über die Situation denke. Wenn er reden möchte, wird er sich melden." Das Vertrauensverhältnis zwischen beiden langjährigen Weggefährten bleibe davon jedoch unberührt.
Unterstützung von Legenden und Sponsoren
Unterstützung erhält Tönnies nach dem Vorfall von zahlreichen Vereinslegenden, ehemaligen Führungskräften und wichtigen Sponsoren. In einem offenen Brief, der auch von Stevens unterzeichnet wurde, heißt es: "Schalke lebt von Respekt und Zusammenhalt. Ich bin überzeugt, dass auch die Ultras wissen, was Clemens für diesen Verein geleistet hat, und dass sie das im Herzen tragen und im Nachhinein selbst einsehen werden."
Viele Anhänger hoffen nun auf klare Konsequenzen seitens des Vereins. Auch Stevens erwartet ein deutliches Signal: "Ich hoffe, dass der Vorstand etwas gegen den Vorfall unternimmt. Es ist wirklich nicht okay, so auf Clemens loszugehen. Schalke stand immer für Gemeinsamkeit, nicht für Gegeneinander."
Verein mahnt zur Einigkeit und Besonnenheit
Der FC Schalke 04 erklärte unterdessen in einer offiziellen Stellungnahme: "Weder persönliche Angriffe noch medienwirksame Briefe helfen Schalke, seine Ziele zu erreichen." Zugleich betonten die Verantwortlichen die Bedeutung von Meinungsfreiheit und einer gelebten Diskussionskultur innerhalb des Vereins.
Der Streit um Clemens Tönnies ist damit noch lange nicht beendet. Die grundsätzliche Debatte über Respekt, Verantwortung und Zusammenhalt beim FC Schalke 04 dürfte den Traditionsverein noch weiter begleiten und stellt eine ernsthafte Belastungsprobe für die vereinsinterne Harmonie dar.



