Schwere Ausschreitungen bei Berliner Pokalspiel: Kind verletzt und Polizisten attackiert
Das Landespokal-Halbfinale zwischen Oberligist Sparta Lichtenberg und Regionalligist BFC Dynamo (3:6 n.V.) am Sonntag wurde von massiven Ausschreitungen überschattet, die zu Verletzungen, Festnahmen und einem vorübergehenden Spielabbruch führten. Die Vorfälle auf dem Paul-Kalkbrenner-Sportfeld haben nun schlimme Konsequenzen offenbart.
Pyrotechnik und Angriffe auf Polizeibeamte
Anhänger des BFC Dynamo warfen von außerhalb des Stadions Pyrotechnik in die Zuschauerbereiche, was zu gefährlichen Situationen führte. Im Anschluss eskalierte die Lage auf dem Sportplatzgelände, das mit 1055 Besuchern ausverkauft war. Es kam zu Rangeleien zwischen der Polizei und BFC-Fans, woraufhin Schiedsrichter Julius Hanft beide Mannschaften für elf Minuten in die Kabinen schickte, um die Sicherheit wiederherzustellen.
Die Polizei meldete zunächst acht Festnahmen und zwölf leicht verletzte Beamte, korrigierte diese Angaben jedoch am Montag auf sieben Festnahmen. Laut offiziellen Berichten wurden Polizisten aus dem Gästeblock heraus mit Böllern und Glasflaschen beworfen und mit Faustschlägen attackiert. Dies geschah, nachdem Beamte beweissichernde Videos von Pyrotechnik-Zündern aufgenommen hatten. Die Polizei setzte Pfefferspray gegen die Angreifer ein.
Verletzte und rechtliche Konsequenzen
Neben den zwölf verletzten Polizisten erlitten ein Kind durch Knalltrauma und ein Ordner Verletzungen. Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen wurden zwei Strafanzeigen wegen besonders schweren Landfriedensbruchs und vier Festnahmen registriert. Besonders alarmierend sind zwei weitere Strafanzeigen gegen BFC-Anhänger, die den Hitlergruß gezeigt haben sollen.
Rund 150 Beamte blieben auch nach Spielende im Dienst, nachdem in einem Lokal in der Weitlingstraße eine Personengruppe lautstark und wiederholt verfassungsfeindliche Parolen skandiert haben soll. Die alarmierte Polizei führte bei elf Personen, augenscheinlich BFC-Anhängern, Identitätsfeststellungen durch. Dabei kam es zu Widerstandshandlungen und Beleidigungen gegenüber Einsatzkräften, jedoch ohne weitere Verletzungen. Nach Beendigung der Maßnahmen konnten die Personen gehen, während die Ermittlungen weiter andauern.
Reaktionen aus dem Fußballverband
Augenzeuge des Pokalspiels war Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes. Schultz kritisierte, dass es wohl einen Internet-Aufruf gegeben habe, der BFC-Anhänger ohne Ticket zum ausverkauften Spiel ermutigte. „Das war nicht sehr hilfreich“, kommentierte Schultz die Situation. Trotz der Vorfälle lobte er Schiedsrichter Julius Hanft für dessen professionelle Spielleitung unter schwierigen Bedingungen.
Die eigentlich abwechslungsreiche Partie beider Mannschaften wurde durch die Ausschreitungen fast nebensächlich. Schultz betonte mit deutlichen Worten: „So etwas braucht kein Mensch.“ Die Vorfälle werfen ernste Fragen nach Sicherheitskonzepten und Fanverhalten im Berliner Amateurfußball auf.



