Später Sieg gegen Ghana: Gefeierter Undav erlöst DFB-Elf in Stuttgart
Drei Tage nach dem spektakulären 4:3-Sieg in der Schweiz hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auch im zweiten Testspiel des Jahres überzeugt. Beim 2:1 (1:0) gegen Ghana in Stuttgart wurde Lokalheld Deniz Undav in der 88. Minute zum Matchwinner und bescherte den 52.723 Zuschauern im Stadion einen verdienten Heimsieg.
Wechselreiche zweite Hälfte mit spätem Höhepunkt
Bundestrainer Julian Nagelsmann nutzte die letzte Sichtung vor der WM-Kadernominierung am 12. Mai, um möglichst viele Spieler zu testen. Nach der Halbzeitpause wechselte er insgesamt achtmal, was dem deutschen Spielfluss zunächst nicht gut tat. Die Offensive zeigte bis auf einen verwandelten Handelfmeter von Kai Havertz (45.+3) und Undavs spätem Joker-Tor erstaunlich wenig Effektivität.
Die Defensive ließ sich überraschen, als Fatawu Issahaku in der 70. Minute nach einem Konter über den linken Flügel ungestört im Strafraum zum 1:1 ausglich. Der viermalige Afrikameister Ghana hatte sich nach einer 1:5-Niederlage gegen Österreich kompakt und tief gestaffelt verteidigt und wollte vor allem nicht wieder hoch verlieren.
Nagelsmann testet verschiedene Optionen
Der Bundestrainer hatte bereits in der Startelf vier Veränderungen vorgenommen. Wie angekündigt kam Alexander Nübel im Tor zum Einsatz, während Nathaniel Brown als Linksverteidiger gute Aktionen zeigte. Dazu gesellten sich Pascal Groß und Nick Woltemade, der in der Offensive den Vorzug vor Undav erhielt - obwohl der VfB-Stürmer in der Bundesliga bereits 18 Mal getroffen hatte.
Woltemade verpasste in der 4. Minute nach Zuspiel von Havertz knapp den linken Pfosten und köpfte in der 53. Minute an die Latte. „Ich habe gerade im letzten Jahr, glaube ich, recht wichtige Tore geschossen, gute Spiele gehabt“, sagte Woltemade vor dem Spiel in der ARD zur Rückkehr nach Stuttgart.
Forderungen der Fans werden erhört
Schon Mitte der ersten Halbzeit hallten „Deniz-Undav“-Rufe durch das Stadion. Das Stuttgarter Publikum forderte lautstark seinen Lokalhelden, der verschmitzt von der Ersatzbank winkte. Nagelsmann reagierte nach dem Seitenwechsel und brachte Undav zusammen mit Lennart Karl und Antonio Rüdiger ins Spiel.
Bayern-Youngster Karl verzückte mit einigen Dribblings, doch die vielen Wechsel taten dem deutschen Spielfluss nicht gut. Nagelsmann hatte dies jedoch einkalkuliert, da ihm die Spielerbeobachtung vor der wichtigen WM-Vorbereitung ab dem 25. Mai Priorität hatte.
Havertz trifft nach VAR-Entscheidung
Das DFB-Team blieb über weite Strecken am Drücker und kombinierte geduldig in engen Räumen. Florian Wirtz, der gegen die Schweiz mit zwei Toren herausragte, zirkelte einen Freistoß in der 6. Minute an den Außenpfosten. Torwart Benjamin Asare warf sich nach einer unterlaufenen Flanke erfolgreich in einen Schuss von Jonathan Tah (31.).
Als Havertz kurz darauf eine schöne Kombination erfolgreich abschloss, zählte der Treffer nicht, weil Woltemade bei seiner Ablage knapp im Abseits stand. Der Video-Assistent griff auch ein, als Angelo Stiller bei seinem Schuss den abgespreizten Arm von Jonas Adjetey traf. Nachträglich gab es Elfmeter, den Havertz sicher verwandelte.
Positive Tendenz vor der WM-Vorbereitung
Trotz der wechselhaften Leistung und der fehlenden Effektivität in der Offensive gibt es für Bundestrainer Julian Nagelsmann Grund zur Zuversicht. Nach sieben Siegen in Folge stimmt die Richtung, auch wenn bis zur Abreise nach Amerika Anfang Juni noch einige Baustellen zu bearbeiten sind.
Ursprünglich sollte die Elfenbeinküste der drittletzte Testspielgegner vor der am 11. Juni beginnenden WM-Endrunde sein. Nach der Auslosung in die deutsche Gruppe mit Curaçao und Ecuador wählte der DFB Ghana als Ersatzgegner. Die Mannschaft von Otto Addo, ehemaliger Dortmund-Profi, zeigte sich trotz der jüngsten Niederlage gegen Österreich als respektabler Gegner.
Mit dem späten Siegtor von Deniz Undav endete der Abend in Stuttgart jedoch versöhnlich für die deutsche Nationalmannschaft und ihre Fans. Die WM-Vorbereitung kann mit einem positiven Gefühl beginnen, auch wenn noch Arbeit vor dem Turnier in Amerika liegt.



