FC St. Pauli gegen Bayern: Die seltene Chance im Abstiegskampf
Der FC St. Pauli steckt mitten im harten Abstiegskampf der Bundesliga – und ausgerechnet jetzt kommt der FC Bayern München ans Millerntor. Doch der Rekordmeister ist gedanklich womöglich bereits im Champions-League-Modus, was eine seltene und wertvolle Gelegenheit für den Hamburger Kiezklub darstellt. Wenn nicht jetzt, wann dann sollte St. Pauli punkten?
Kontinuität in der Krise als Stärke
Während Konkurrenten wie Wolfsburg, Werder Bremen, Köln und Mönchengladbach bereits Trainerwechsel vollzogen haben, ist der FC St. Pauli ruhig geblieben. Dabei hatte der Stadtteilklub im Herbst neun Bundesliga-Spiele in Folge verloren. Argumente für den branchenüblichen Wechsel wären mehr als ausreichend vorhanden gewesen.
Ehrlich gesagt: Allein dafür, dass sie auf St. Pauli nicht nur von Kontinuität reden, sondern sie in dieser Stress-Situation auch leben, mitten im knallharten Bundesliga-Business, wäre ihnen der Klassenerhalt zu wünschen. Einfach mal bei sich bleiben, in der eigenen Überzeugung – damit ist man heute fast schon verhaltensauffällig. Die besonnene Arbeitsweise von St. Pauli tut dem wilden Profifußball wahnsinnig gut. Vielleicht wächst auf dem Kiez ja ein kleines Hamburger Freiburg heran.
Die aktuelle Lage im Kampf um den Verbleib
Zurück in die Gegenwart: St. Pauli kämpft gegen die oben genannten Clubs um den Bundesliga-Verbleib. Am letzten Spieltag können sie im eigenen Stadion aller Voraussicht nach dafür sorgen, dass Wolfsburg, zurzeit vier Punkte hinter ihnen auf Platz 17, in die 2. Liga absteigen muss. Auch Köln und Heidenheim hat St. Pauli noch vor sich – direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt.
Die Chancen sind nicht schlecht. Vor allem: Sie können den Verbleib aus eigener Kraft schaffen. Trainer Alexander Blessin bleibt Realist, doch die Hoffnung bleibt bestehen.
Bayern im Madrid-Modus: Der perfekte Zeitpunkt
Vielleicht ist der Zeitpunkt jetzt, also das Topspiel am Samstag gegen Bayern München, eine kleine Belohnung für St. Pauli. Denn es ist wohl der beste Moment, den so gut wie feststehenden Meister als Gegner zu bekommen. Genau zwischen zwei riesigen Champions-League-Nächten, den Superduellen mit Real Madrid, dürften die Münchner andere Sorgen oder zumindest Gedanken haben als das Spiel auf St. Pauli.
Im Umfeld des FC Bayern, das hört man sehr deutlich, gibt es im Moment nur ein Thema, beziehungsweise drei: Real, Real und Real. Und diese Real-Bayern sind jetzt St. Paulis große Chance. Ein echter Joker im Kampf um den Bundesliga-Verbleib.
Blessins Strategie und die mentale Komponente
Trainer Alexander Blessin weiß um die außergewöhnliche Möglichkeit. Das Ziel sei klar, die Partie so lange wie möglich offenzuhalten. „Und wenn sie uns die Möglichkeit geben, müssen wir eben da sein“, fordert Blessin. „Ich freue mich wahnsinnig auf solche Spiele.“
Qualitativ wird natürlich auch die zweite Reihe der Bayern Blessins Elf überlegen sein – die eigentliche Chance liegt jedoch im Kopf der Spieler. München, das ist offensichtlich, ist im Madrid-Modus. Blessins Hoffnung: „Von zehn Spielen werden sie im Normalfall zehn gewinnen. Aber vielleicht haben sie ja mal einen schlechten Tag.“ St. Pauli, dem etwas anderen Abstiegskandidaten, wäre es irgendwie zu gönnen.



