Peter Grosser: Die Tragödie des 1860 München-Meisterkapitäns jährt sich
Heute vor fünf Jahren, am 2. März 2021, verstarb Peter Grosser, der legendäre Kapitän des TSV 1860 München in dessen erfolgreichster Ära. Der offensive Mittelfeldspieler, der 1966 die deutsche Meisterschaft mit den Löwen gewann, hinterließ eine bewegende Geschichte voller sportlicher Triumphe und persönlicher Tragödien.
Vom Bayern-Aus zur 1860-Legende
Der 1938 in München geborene Grosser begann seine Karriere beim FC Bayern München, wo er von 1958 bis 1963 aktiv war. Ein Zerwürfnis zwischen den Bayern-Präsidenten Richard Endler und Wilhelm Neudecker führte jedoch zu seinem Wechsel zum Lokalrivalen TSV 1860 München. Dort entwickelte er sich zur tragenden Säule der erfolgreichsten Phase der Vereinsgeschichte.
Unter Trainer Max Merkel formte Grosser zusammen mit Torwart Petar Radenkovic, Rudi Brunnenmeier, Alfred Heiß und Timo Konietzka das legendäre Meisterkollektiv von 1966. Mit 18 Toren in dieser Saison gehörte er zu den treffsichersten Spielern der Sechzigerjahre – nur Konietzka erzielte mehr Treffer.
Die goldenen Jahre bei den Löwen
Neben der deutschen Meisterschaft 1966 ragten in Grossers Zeit bei 1860 München der DFB-Pokalsieg 1964 und der Einzug ins Finale des Europapokals der Pokalsieger heraus. Im Europapokal-Finale 1965 unterlagen Grosser und seine Mannschaftskollegen nur knapp West Ham United, das mit späteren Weltmeistern wie Bobby Moore und Geoff Hurst antrat.
Während seiner Zeit bei den Löwen von 1963 bis 1969 absolvierte Grosser auch zwei Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft und etablierte sich als glänzender Techniker mit herausragender Spielintelligenz.
Spätere Karriere bei Unterhaching
Nach einer Station bei Austria Salzburg beendete Grosser seine aktive Karriere bei der SpVgg Unterhaching, wo er zunächst als Spieler und später als Trainer wirkte. Unter seiner Führung stieg der Münchener Vorort-Klub von der Bezirksklasse bis in die Bayernliga auf, die damals dritthöchste Spielklasse Deutschlands.
Sein Engagement für den Verein setzte Grosser auch nach seiner Trainertätigkeit fort: Bis 2011 fungierte er als Vizepräsident der SpVgg Unterhaching unter Klubchef Engelbert Kupka und prägte damit nachhaltig die Entwicklung des späteren Bundesligisten.
Private Tragödien überschatten das Leben
Während Grossers sportliche Karriere von Erfolgen geprägt war, meinte es das Schicksal im Privatleben nicht gut mit dem einstigen Meisterspieler. Besonders schwer trafen ihn die frühen Tode seiner beiden Söhne.
1979 verunglückte sein Sohn Peter junior im Alter von nur 19 Jahren bei einem Autounfall tödlich. 2008 erlitt sein zweiter Sohn Thomas, selbst Profi bei Unterhaching, beim Hallenfußball einen Herzstillstand und verstarb im Alter von 42 Jahren.
„Ein Kind zu beerdigen, ist schon furchtbar. Aber zwei. Darüber kommst du nie hinweg“, sagte Grosser einmal in einem bewegenden Interview. Diese doppelte Tragögie lastete schwer auf dem ehemaligen Fußballprofi.
Trauer um eine Münchener Fußball-Ikone
Am 2. März 2021 wurde Peter Grosser tot in seiner Münchener Wohnung aufgefunden. Die Nachricht seines Todes versetzte seine alten Weggefährten in tiefe Trauer.
Sein ehemaliger Mannschaftskollege Petar „Radi“ Radenkovic, inzwischen 91 Jahre alt, reagierte erschüttert: „Das ist für mich ganz schwer zu verkraften. Er war nicht nur ein Mitspieler, sondern auch ein großer Freund.“
Der TSV 1860 München würdigte seine Klubikone mit den Worten: „Er hatte die Ära von 1860 mitgeprägt. Als Fußballer hat Peter Grosser nicht nur Titel mit dem TSV 1860 München gewonnen, sondern als Mensch tiefe Spuren hinterlassen.“
Peter Grosser fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Unterhaching, wo er in einem Familiengrab mit seiner Mutter und seinen beiden Söhnen beigesetzt wurde. Fünf Jahre nach seinem Tod bleibt er in Erinnerung als eine der prägendsten Figuren des Münchener Fußballs – eine Legende mit einer bewegenden und tragischen Lebensgeschichte.



