Union Berlins rätselhafter Keller-Komplex: Warum die Eisernen nur gegen Spitzenteams glänzen
Union Berlins Keller-Komplex: Warum nur gegen Spitzenklubs?

Union Berlins rätselhafter Keller-Komplex: Warum die Eisernen nur gegen Spitzenteams glänzen

Es bleibt eines der größten Rätsel dieser Bundesliga-Saison: Union Berlin zeigt gegen Spitzenmannschaften regelmäßig starke Leistungen, scheitert aber auffällig oft an Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Seit dem zweiten Spieltag verzeichneten die Berliner bereits neun Punktverluste gegen Gegner, die in der Tabelle hinter ihnen stehen.

Das Muster ist eindeutig

Heidenheim, Wolfsburg, Gladbach – immer wieder erleiden die Eisernen Rückschläge gegen vermeintlich schwächere Kontrahenten. Gegen die Top-Teams der Liga hingegen liefert Union überzeugende Leistungen ab. Die Berliner fühlen sich offenbar wohl, wenn der Gegner das Spiel macht und die Initiative übernimmt.

Union überlässt den Ballbesitz häufig dem Gegner, organisiert sich kompakt in der Defensive und lauert auf schnelle Umschaltmomente. Mit nur 39 Prozent Ballbesitz stellt Union den niedrigsten Wert der gesamten Bundesliga. Gleichzeitig liegen die Eisernen mit 107 gewonnenen Zweikämpfen pro Spiel deutlich über dem Ligadurchschnitt.

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Das perfekte Profil für Konterfußball

Robustheit, Laufstärke und eine hohe Zweikampfquote – all diese Werte sind bei Union Berlin im grünen Bereich. Das Spielprofil passt perfekt zum Konterfußball, nicht jedoch zur Spielkontrolle gegen defensiv eingestellte Gegner. Die Kreativität im Spielaufbau bleibt eine offene Baustelle.

Auffällig ist besonders: Gegen international belastete Gegner, also Mannschaften, die zuvor in der Woche im Europapokal gespielt hatten, überzeugen die Eisernen regelmäßig. Union profitiert sichtbar von den „müden“ Großen der Liga.

Beispiele sprechen für sich

Der 1:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen am 23. Spieltag kam exakt zum richtigen Zeitpunkt – wenige Tage nach Bayers kräftezehrendem Champions-League-Spiel bei Olympiakos Piräus. Auch das 2:2 gegen Bayern München fiel in eine Champions-League-Woche. Bereits zuvor nutzte Union die Doppelbelastung der Konkurrenz: Das spektakuläre 4:3 gegen Eintracht Frankfurt folgte unmittelbar auf einen Europa-League-Auftritt der Hessen.

Baumgart widerspricht der Theorie

Ganz anders präsentiert sich Union gegen Teams ohne europäische Zusatzbelastung. 0:1 gegen Bremen, 1:2 gegen Heidenheim, 1:3 gegen Wolfsburg, 0:1 gegen Gladbach – alles Spiele, in denen die Berliner mehr Verantwortung übernehmen mussten und daran scheiterten.

Trainer Steffen Baumgart hält jedoch nichts von der Einordnung in einen sogenannten Keller-Komplex. „Das habe ich auch schon beim letzten Mal gesagt: es gibt kein Klein und Groß und hinter uns und vor uns gibt es nicht, sondern es gibt eine Leistung, die wir bringen müssen, um Spiele zu gewinnen“, so der 54-jährige Trainer.

Die Zahlen widersprechen dem Trainer

Die bisherige Saison zeigt allerdings das genaue Gegenteil von Baumgarts Aussage. Am kommenden Sonntag erwartet Union mit Werder Bremen erneut einen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte. Es wird ein Spiel, in dem die Berliner dringend punkten müssen, um nicht in akute Abstiegsgefahr zu geraten.

Die Frage bleibt: Kann Union Berlin endlich auch gegen vermeintlich schwächere Gegner die notwendige Spielkontrolle und Durchschlagskraft entwickeln? Oder bleibt das Team weiterhin auf die Konterstärke gegen offensive Top-Teams angewiesen? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Eisernen ihren rätselhaften Keller-Komplex überwinden können.

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