Bayern-Keeper Urbig nach Kopf-Crash: Comeback folgt strengem DFL-Protokoll
Beim überzeugenden 6:1-Auswärtssieg des FC Bayern München im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Atalanta Bergamo kam es zu einer besorgniserregenden Szene. Torwart Jonas Urbig (22) zog sich in der Nachspielzeit eine Gehirnerschütterung zu, nachdem er mit dem Kopf gegen das Bein von Bergamo-Stürmer Nikola Kristovic (25) prallte. Der junge Keeper wirkte unmittelbar nach dem Zusammenstoß sichtlich benommen und musste auf dem Weg in die Kabine von Team-Arzt Prof. Dr. Peter Ueblacker und Physiotherapeut Helmut Erhard gestützt werden.
Verletzungspech bei Bayern-Demonstration
Neben Urbig verletzten sich im gleichen Spiel auch Alphonso Davies (25) mit einer Zerrung im rechten Oberschenkel und Jamal Musiala (23) mit einer Schmerzreaktion im linken Sprunggelenk. Intern rechnet der Rekordmeister laut Informationen mit einer etwa einwöchigen Pause für den verletzten Torhüter. Doch die tatsächliche Dauer seiner Abwesenheit hängt von einem genau definierten medizinischen Protokoll ab.
Das DFL-Protokoll für Kopfverletzungen
Die Deutsche Fußball Liga hat bereits im März 2023 das sogenannte „DFL-Protokoll Kopfverletzungen“ entwickelt, das klare Richtlinien für den Umgang mit solchen Verletzungen vorgibt. Grundlage dieses Protokolls ist das Baseline-Screening, bei dem seit der Spielzeit 2019/20 vor Saisonbeginn bei jedem Spieler klinische und apparative Tests durchgeführt werden. Hier kommt unter anderem das Sport Concussion Assessment Tool (SCAT) zum Einsatz, das Hirnfunktionen wie Merkfähigkeit und Balance überprüft.
Nach einer Gehirnerschütterung weichen diese Messwerte typischerweise deutlich von den individuellen Normalwerten ab. Zunächst ist für den betroffenen Spieler eine Ruhephase von mindestens 24 bis 48 Stunden vorgeschrieben, in der mögliche Symptome wie Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen abklingen sollen. Urbig muss dabei in einem speziellen Fragebogen die Ausprägung seiner Beschwerden auf einer Skala von 0 („kein“) bis 6 („stark“) bewerten.
Der strenge Fünf-Stufen-Plan „Return-to-Sport“
Erst nach dem vollständigen Abklingen aller Symptome darf der Bayern-Keeper mit dem strukturierten Fünf-Stufen-Plan „Return-to-Sport (RTS)“ beginnen. Dieser vorgegebene Rehabilitationsplan sieht folgende Phasen vor:
- Stufe 1: Leichte aerobe Ausdauereinheiten auf dem Ergometer bei niedriger bis moderater Intensität.
- Stufe 2: Fußballspezifische Einzelübungen wie Pass- und Schussübungen mit geringer Herz-Kreislauf-Belastung.
- Stufe 3: Trainingsinhalte ohne Körperkontakt, beispielsweise Aufwärmen mit der Mannschaft oder Übungen als Anspielstation.
- Stufe 4: Nach erfolgreichem Absolvieren der ersten drei Stufen kann die medizinische Freigabe für das vollständige Team-Training erteilt werden.
- Stufe 5: Die finale Freigabe für Wettkampfeinsätze, sofern alle vorherigen Stufen problemlos durchlaufen wurden.
Wichtig ist, dass zwischen den einzelnen Stufen jeweils kaum oder keine Symptome auftreten dürfen, um das Aufbautraining fortsetzen zu können. Torwart-Trainer Michael Rechner (45) wird Urbig während dieses Prozesses besonders betreuen, da Torhüter ohnehin oft separat von den Feldspielern trainieren.
Ausblick auf Urbigs Comeback
Für die anstehenden Spiele – das Bundesliga-Duell in Leverkusen am Samstag und das Rückspiel gegen Atalanta Bergamo am 18. März – wird Jonas Urbig definitiv noch nicht zur Verfügung stehen. Ob er bereits am 21. März gegen Union Berlin wieder zwischen den Pfosten stehen kann, hängt vollständig vom individuellen Heilungsverlauf und der erfolgreichen Bewältigung des DFL-Stufenplans ab. Die Bayern-Ärzte Prof. Dr. Peter Ueblacker (48) und Dr. Jochen Hahne (47) sowie Team-Internist Prof. Dr. Roland Schmidt werden diese Entscheidung auf Basis der medizinischen Daten treffen.
Der Fall Urbig unterstreicht erneut, wie ernsthaft professionelle Fußballclubs und Verbände mit dem Thema Kopfverletzungen umgehen. Das DFL-Protokoll stellt sicher, dass die Gesundheit der Spieler stets Vorrang vor sportlichen Erwägungen hat und Comebacks nach Gehirnerschütterungen streng kontrolliert und medizinisch abgesichert erfolgen.



