VAR-Dauerdebatte nach spektakulärem 3:3 in Heidenheim
Die Emotionen kochten nach dem wilden 3:3-Unentschieden zwischen dem 1. FC Heidenheim und dem VfB Stuttgart hoch. Während auf dem Platz ein packendes Fußballspiel stattfand, entzündete sich erneut die kontroverse Diskussion um den Video Assistant Referee (VAR). Der VfB Stuttgart zeigte sich nach dem Spiel äußerst verärgert über mehrere Schiedsrichterentscheidungen, die durch den Videobeweis beeinflusst wurden.
Demirovic rechnet wütend mit dem Videobeweis ab
Stuttgarts Torjäger Ermedin Demirovic ließ seinem Unmut freien Lauf und polterte in einer emotionalen Generalabrechnung mit dem VAR-System. „Ich glaube, der Schiedsrichter kann gar nichts mehr selber entscheiden“, kritisierte der bosnische Nationalspieler. Obwohl er Referee Sascha Stegemann persönlich keinen Vorwurf machte, richtete sich seine Wut gegen das gesamte System: „Die sind nur noch darauf fokursiert, dass sie einer anruft über sein Telefon und wenn die dann noch schlafen im Keller oder eine andere Linie ziehen, dann finde ich es mittlerweile wirklich Quatsch.“
Besonders empört zeigte sich Demirovic über sein aberkanntes Tor in der 74. Minute. Bei der äußerst knappen Abseitsszene wurde diskutiert, ob die kalibrierte Linie beim richtigen Spieler angelegt wurde. „Und dann frage ich mich wirklich, wo wir gelandet sind, ob das dann wirklich die richtige Entscheidung ist, alles dem Computer zu überlassen“, schimpfte der Stürmer weiter.
DFB verteidigt alle Entscheidungen als korrekt
Der Deutsche Fußball-Bund wies die massive Kritik umgehend zurück. Alexander Feuerherdt, Leiter Kommunikation und Medienarbeit der DFB Schiri GmbH, stellte klar: „Es war mitnichten so, dass ein Spieler übersehen wurde. Der Eindruck täuschte. Es ist alles korrekt gelaufen.“ Laut DFB-Position entschied Schiedsrichter Stegemann nach Intervention aus dem Keller völlig zurecht auf Abseits.
Die halbautomatische Abseitserkennung, die eigentlich für schnellere Entscheidungen sorgen soll, wurde auch von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß kritisiert. Der Coach musste einräumen, nicht genau zu verstehen, wie die Technologie funktioniert, die durch Kameras und einen Sensor im Ball Daten an den Video-Überprüfungsraum liefert.
Drei umstrittene Szenen befeuern die Debatte
Insgesamt drei Situationen lösten den Ärger beim VfB Stuttgart aus:
- In der ersten Halbzeit erkannte Stegemann nach VAR-Eingriff einen VfB-Treffer ab und gab stattdessen Elfmeter für Heidenheim
- Demirovics aberkanntes Tor in der 74. Minute wegen angeblichen Abseits
- Ein mögliches Foul an Ramon Hendriks kurz vor dem 3:2 des FCH, das nicht gepfiffen wurde
Hoeneß zeigte kein Verständnis für die VAR-Intervention beim Elfmeter: „Dafür jetzt von außen zu intervenieren und zu sagen, das ist eine klare Fehlentscheidung, das geht nicht“, schimpfte der Trainer. Auch beim möglichen Foul vor dem Heidenheimer Siegtor hätte er sich eine andere Handlung gewünscht.
VAR-Debatte als Dauerproblem im deutschen Fußball
Seit der Einführung in der Saison 2017/2018 sorgt der Videobeweis in der Bundesliga regelmäßig für Diskussionsstoff. Erst am vorherigen Samstag hatte sich Borussia Dortmund über eine nicht geprüfte Elfmeterszene im Topspiel bei RB Leipzig aufgeregt. Vor zwei Wochen gab es einen höchst umstrittenen Strafstoß beim Spiel zwischen Mainz 05 und dem FC Augsburg.
Interessanterweise sind laut DFB-Schiedsrichterchef Knut Kircher die VAR-Eingriffe in dieser Saison um 30 Prozent zurückgegangen. Dennoch würde mancher in der Bundesliga den Videobeweis gern abschaffen. Demirovic brachte die Stimmung auf den Punkt, als er den Schiedsrichter als „die ärmste Sau auf dem Platz“ bezeichnete, „weil er nichts mehr entscheiden darf, nichts mehr entscheiden kann“.
Ausweitung der VAR-Befugnisse steht zur Diskussion
Ironischerweise könnten die Befugnisse des Videoassistenten in der kommenden Saison sogar noch ausgeweitet werden. Die internationalen Regelhüter entscheiden am Samstag über mögliche Erweiterungen:
- Dürfen eindeutig falsche Eckball-Entscheidungen geprüft werden?
- Sollen faktisch zu Unrecht gegebene Gelbe Karten, die zu Gelb-Rot führen, überprüft werden können?
- Können dem falschen Team zugeordnete Karten korrigiert werden?
Während die Diskussion um den VAR weitergeht, musste der VfB Stuttgart sich eingestehen, für die erhoffte Champions-League-Qualifikation erneut Punkte bei einem Abstiegskandidaten liegen gelassen zu haben. Heidenheim-Coach Frank Schmidt äußerte zwar Verständnis für den VAR-Unmut, wollte die konkreten Szenen aber nicht bewerten, da er sie noch nicht analysiert hatte. Seine nüchterne Feststellung: „Wir müssen ein gutes Spiel gemacht haben, sonst würden wir über die Dinge nicht reden.“



