Die verpasste Chance: Beckenbauers Ablehnung des UEFA-Spitzenamts
Im aktuellen SPORT1-Podcast Deep Dive gewährt der ehemalige Manager Marcus Höfl intime Einblicke in seine Zusammenarbeit mit der deutschen Fußball-Legende Franz Beckenbauer. Dabei enthüllt er eine bisher wenig bekannte Tatsache: Der 2024 verstorbene „Kaiser“ hätte durchaus UEFA-Präsident werden können, lehnte das prestigeträchtige Amt jedoch bewusst ab.
Eine besondere Geschäftsbeziehung
Höfl, der sich 1997 als Sportmanager selbstständig machte, übernahm am 1. Oktober 2003 das Management von Franz Beckenbauer – ein Datum, das er als „wichtigsten Meilenstein“ seiner Karriere bezeichnet. Diese Partnerschaft entwickelte sich schnell über das klassische Agenten-Verhältnis hinaus zu einer echten Business-Partnerschaft, die Höfl später in seiner gesamten Laufbahn einen Vertrauensvorschuss einbrachte.
„Es waren unglaubliche Massen von Menschen“, erinnert sich Höfl an die Fußball-WM 2006 in Deutschland, während er neben Beckenbauer auf der Fanmeile am Brandenburger Tor stand. „Es hieß später, es waren eine Million Menschen, die Public Viewing gemacht haben. Und er stand immer da, hat immer nur rausgeschaut und hat irgendwann gesagt: ‚Schau, so hat der liebe Gott sich die Welt vorgestellt.‘“
Der eigenwillige Kaiser
Höfl beschreibt Beckenbauer als durchaus eigenwilligen Charakter mit besonderen Talenten: „Franz Beckenbauer hatte immer ein Riesen-Talent darin, gewisse Dinge nicht selbst machen zu wollen, oder sich die richtigen Leute auszusuchen, die es für ihn tun.“ Ein markantes Beispiel dafür war seine Abneigung gegen digitale Technologien. „Er hatte nie eine Mail-Adresse, solange er gelebt hat“, verrät Höfl. „Weil er sich nicht mit Digitalisierung und Technik beschäftigen wollte. Aber er war immer smart genug, sich dann jemanden zu suchen, der das für ihn macht.“
Die verpasste UEFA-Präsidentschaft
Die eigentliche Sensation offenbart Höfl jedoch bei der Frage nach Beckenbauers sportpolitischer Karriere. 2011 verließ der Welt- und Europameister FIFA und UEFA – zu diesem Zeitpunkt bot sich eine historische Gelegenheit: „Wir hatten damals die Möglichkeit, hinter den Kulissen, dass Franz Beckenbauer UEFA-Präsident wird“, erinnert sich Höfl. Es habe dafür „eine starke Front“ gegeben, und der Manager war überzeugt: „Ich habe niemanden gesehen, der das hätte besser machen können.“
Höfl begründet seine Überzeugung mit Beckenbauers einzigartigen diplomatischen Fähigkeiten: „Er hat diese Art gehabt, die kleinsten und die größten Länder gleichzubehandeln, alle mitzunehmen und trotzdem jedem das zu geben, was er eigentlich wollte. Und so große Verbände zu führen, ist ja nicht einfach.“ Diese Talente hätten maßgeblich zum Erfolg der WM 2006 beigetragen.
Der entscheidende Grund für die Ablehnung
Trotz der vielversprechenden Aussichten und Höfls Überzeugungsversuche lehnte Beckenbauer das Amt ab. Der Grund war persönlicher Natur: Nach Jahren voller Reisen und Abwesenheit wollte der Fußball-Ikone zum Ende seiner Laufbahn lieber die Familie in den Vordergrund stellen. „Es hätte mich gefreut, wenn er das gemacht hätte“, resümiert Höfl. „Nicht nur ökonomisch – das auch, aber es ging auch danach ökonomisch gut bei uns weiter. Aber er wollte nicht.“
Diese Entscheidung charakterisiert einmal mehr den Menschen hinter der Legende: Franz Beckenbauer, der trotz aller sportpolitischen Möglichkeiten und trotz seines unbestrittenen Talents im Umgang mit Verbänden und Nationen bewusst Prioritäten setzte – zugunsten des privaten Lebens nach einer bewegten Karriere.



