Die unsicheren Kandidaten für den deutschen WM-Kader
Die Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko laufen auf Hochtouren, doch Bundestrainer Julian Nagelsmann muss sich mit mehreren Verletzungsfällen und Formschwächen auseinandersetzen. Die endgültige Kaderentscheidung steht bevor, und einige etablierte Nationalspieler bangen um ihren Platz im deutschen Aufgebot.
Felix Nmecha: Die Knieverletzung als großes Risiko
Besondere Sorge bereitet die Situation von Felix Nmecha. Der Mittelfeldmotor von Borussia Dortmund zog sich eine Außenbandverletzung im Knie zu und musste für die aktuellen Testspiele absagen. Nagelsmann äußerte sich deutlich besorgt: "Es ist eine Verletzung, die nicht ohne ist, die eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, um zu heilen. Es besteht zweifelsfrei die Gefahr, dass er die WM nicht spielen kann." Der Bundestrainer bezeichnete ein mögliches Aus des 25-Jährigen als "extremen Verlust" für das Team.
Mittelfeld-Alternativen bei Nmecha-Aus
Sollte Nmecha tatsächlich nicht rechtzeitig fit werden, hat Nagelsmann mehrere Optionen im zentralen Mittelfeld. Die Bayern-Profis Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka gelten als aussichtsreichste Kandidaten für eine Startelf-Rolle. Goretzka hat nach seiner Nicht-Berücksichtigung bei der Heim-EM 2024 ein bemerkenswertes Comeback im DFB-Team hingelegt. Nagelsmann erklärte: "2024 konnte Leon mit deutlich weniger Spielzeit rechnen als jetzt." Mit Bezug auf die damals gesetzten Toni Kroos und Ilkay Gündogan ergänzte er: "Damals haben wir die Rolle als Back-up nicht als ideal angesehen."
Weitere Kandidaten für die Mittelfeldpositionen sind:
- Angelo Stiller vom VfB Stuttgart
- Pascal Groß von Brighton & Hove Albion
- Anton Stach von Leeds United
Weitere unsichere Kandidaten im DFB-Team
Neben Nmecha gibt es weitere Spieler, deren WM-Teilnahme auf der Kippe steht. Der formschwache Leroy Sané könnte noch aus dem Kader fliegen. Nagelsmann setzt klare Maßstäbe: "Das Spiel gegen die Slowakei ist immer die Benchmark für Leroy, er muss das immer erreichen." Beim 6:0 im letzten WM-Qualifikationsspiel hatte der Galatasaray-Profi doppelt getroffen. Der Bundestrainer betonte: "Die Argumente sind, dass wir Eins-gegen-eins-Spieler brauchen. Allzu viele Spieler, die vom rechten Flügel auch mal ein Eins gegen eins gewinnen, haben wir nicht." Mit Bayerns Lennart Karl steht jedoch ein Konkurrent bereit, der Sané den Rang ablaufen könnte.
Ter Stegen: Die Tür ist nur einen Spalt offen
Torhüter Marc-André ter Stegen hat nach seiner Oberschenkelverletzung nur noch minimale Chancen auf eine WM-Teilnahme. Nagelsmann erklärte: "Ich habe schon gesagt, dass ich aus Respekt ihm gegenüber die Tür nicht ganz zumache." Doch er machte deutlich: "Trotzdem ist die Chance sehr, sehr, sehr gering, weil man die Gesamtkonstellation bei ihm betrachten muss. Er ist ja schon ein Jahr raus quasi und hat superwenig gespielt."
Der Zeitplan bis zur WM-Entscheidung
Am 12. Mai wird Julian Nagelsmann sein vorläufiges Aufgebot bekannt geben. Der finale Kader mit 26 Spielern muss der FIFA Anfang Juni übermittelt werden. Bis dahin müssen sich die Wackelkandidaten beweisen und hoffen, dass Verletzungen ausheilen oder Formtiefs überwunden werden. Auch Offensivspieler Nadiem Amiri, der mit einer Fersenverletzung kämpft, hat noch einen Funken Hoffnung auf die WM-Teilnahme.
Nagelsmann betonte die Bedeutung von Transparenz gegenüber seinen Spielern: "Jeder Spieler weiß exakt, woran er ist, ob der WM-Platz sicher ist oder nicht so sicher ist." Der Bundestrainer fügte hinzu: "Und es würde sehr viel mit meiner Glaubwürdigkeit gegenüber dem Spieler machen und auch der Sinnhaftigkeit eines Rollengesprächs, wenn ich dann alles umwerfe, wenn ich in den Testspielen alles anders mache."
Die kommenden Wochen werden für Nmecha, Sané, ter Stegen und andere unsichere Kandidaten entscheidend sein. Bis zur endgültigen Kaderbekanntgabe bleibt die Spannung hoch, wer den Traum von der WM-Teilnahme verwirklichen kann und wer kurz vor dem Abflug in die Vereinigten Staaten zurückbleiben muss.



