Pferdestärken im Forst: Traditionelle Methode erlebt Renaissance
Im Forstrevier Leussow bei Mirow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind derzeit ungewöhnliche Arbeitskräfte im Einsatz. Benni, Anton, Egon und Erich – vier kräftige Kaltblutpferde – ziehen mit geballter Muskelkraft einen Pflug durch den Waldboden. Diese traditionelle Methode erlebt eine Renaissance als ökologische Alternative zu schweren Maschinen.
Flexibilität zwischen den Bäumen
Die Pferde der Rasse Rheinisch-Deutsches Kaltblut beweisen ihre Überlegenheit in beengten Waldabschnitten. Zwischen den Bäumen hindurch sind sie deutlich flexibler als Harvester oder Fräsmaschinen, erklärt Revierförster Hubert Beese. Die Vierbeiner mit ihren Besitzern Angelina und Christian Helbig aus Lübs stemmen sich mit voller Kraft in den Boden, während Christian Helbig sie mit lautstarken Rufen antreibt.
Nach getaner Arbeit wartet als Belohnung eine saftige Möhre und ein dankbares Klopfen auf die Schultern. Die Pferde geben alles für diese Arbeit, berichtet Angelina Helbig, die die Tiere seit Jahren für Forstarbeiten einsetzt.
Ökologische Waldbewirtschaftung ersetzt Monokultur
Die herkömmliche Kieferbewirtschaftung, bei der Bäume ab einem bestimmten Alter kahlgeschlagen werden, wurde im Forstgebiet Leussow durch eine ökologische Bewirtschaftung ersetzt. Die Pferde pflügen den Waldboden auf, damit die vom Wind getragenen Samen der Kiefern direkt auf dem abgetragenen Boden landen und sich tief verwurzeln können.
Ziel der Landesforst ist es, von der Monokultur wegzukommen und den Wald neu zu strukturieren, erläutert Beese. Auf der Fläche wachsen zwischen dem 135 Jahre alten Kiefernbestand künftig auch junge Kiefern, Orientbuchen aus dem Kaukasus, heimische Rotbuchen und Eichen. Doch die Kiefern benötigen als Keim-Bett einen offenen, bearbeiteten Boden.
Kosteneinsparung von bis zu 90 Prozent
Revierförster Hubert Beese schwört auf diese ökologisch beste Methode der Waldbewirtschaftung. Die Alternative wäre, Bäume manuell zu pflanzen. Wenn die Kiefer sich befruchtet, kann es jedoch zwei bis drei Jahre dauern, bis der Samen aus dem Zapfen fällt.
Die Waldbewirtschaftung durch Pferde produziere 80 bis 90 Prozent weniger Kosten als bei der Bepflanzung. Auch der hohe Dieselpreis trägt dazu bei, dass der Einsatz von Pferden deutlich günstiger ist, betont Beese. Zudem hinterlassen die Tiere einen geringeren ökologischen Fußabdruck und fördern nebenbei das alte Handwerk der Forstarbeit mit Pferden.
Anforderungen an die Arbeitspferde
Zwischen 800 und 900 Kilogramm wiegt ein Arbeitspferd dieser Rasse. Zwischen 200 und 400 Kilogramm Dauerleistung vertragen sie, weiß Angelina Helbig aus Erfahrung. Ab circa drei Jahren werden die Pferde für Forstarbeiten ausgebildet. Zunächst lernen sie, schwaches Holz zu tragen und leichte Arbeiten zu verrichten.
Ab fünf bis sechs Jahren können die Pferde mittelschwere Arbeiten angehen, bis sie schließlich Holzrücken, Baumstämme ziehen und pflügen können. Ein ruhiger, entspannter Charakter sei die Grundvoraussetzung für diesen Wald-Job, betont Helbig. Die Ausbildung erfolgt behutsam und berücksichtigt das individuelle Temperament jedes Tieres.
Herausforderungen durch Wild und Wolf
Ab dem 16. April beginnt im 5000 Hektar umfassenden Forstrevier Leussow wieder die Jagdsaison. Die jungen Bäume müssen vor den Äsversuchen des Dam-, Reh- und Rotwildes geschützt werden, da diese mit Vorliebe junge Baumtriebe abknabbern.
Auch der Wolf streift im Revier Leussow umher, dennoch seien die Wildbestände hoch, schätzt Beese ein. Die Balance zwischen Waldumbau und Wildmanagement stellt eine kontinuierliche Herausforderung dar, die sorgfältige Planung und regelmäßige Kontrollen erfordert.
Nachhaltige Perspektiven
Die ersten Erfolge sind bereits sichtbar: Auf dem bearbeiteten Waldboden haben sich bereits Kiefernsamen niedergelassen und beginnen zu keimen. Die Nadelbäume, die über 100 Jahre alt werden können, benötigen viel Licht für ihr Wachstum.
Die Kombination aus traditioneller Arbeitsweise mit modernen ökologischen Erkenntnissen zeigt, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung verschiedene Ansätze vereinen kann. Die Pferdearbeit im Forstrevier Leussow demonstriert, wie Muskelkraft, Kosteneffizienz und ökologische Verträglichkeit erfolgreich zusammengeführt werden können.



