Christian Ziege: Der lange Weg zurück in den Fußball nach persönlicher Tragödie
Im November 2024 verstarb Christian Zieges Ehefrau Pia nach schwerer Krankheit. Der ehemalige FC-Bayern-Spieler hatte sie bis zuletzt zu Hause gepflegt - sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Nun, nach einer intensiven Phase der Trauer und Verarbeitung, ist der 54-Jährige seit Januar 2026 wieder im Fußballgeschäft tätig.
Die Entscheidung für die häusliche Pflege
„Als meine Frau zum Pflegefall wurde, haben wir gemeinsam entschieden, dass sie auf keinen Fall in eine Einrichtung kommt“, erklärt Ziege im Interview. Der ehemalige Nationalspieler übernahm die Pflege zunächst komplett alleine, bevor später zwei- bis dreimal wöchentlich eine professionelle Pflegekraft zur Unterstützung kam.
Bereits während des Krankenhausaufenthalts seiner Frau bereitete sich Ziege systematisch vor: „Von Seiten der Klinik kam das Angebot, mich sozusagen 'auszubilden'“, berichtet er. Zehn Monate lang fungierte er praktisch als Praktikant auf der Station, um das nötige Wissen für die häusliche Pflege zu erlangen.
Die große Leere nach dem Verlust
Nach dem Tod seiner Frau beschreibt Ziege eine Phase der Orientierungslosigkeit: „Nach Ihrem Tod war da erstmal eine große Leere und eine gewisse Planlosigkeit“. Der Fußball, der jahrzehntelang sein Leben bestimmte, rückte komplett in den Hintergrund. „Ich hatte überhaupt keine Zeit und keinen Kopf für Fußball. Das hat mich nullkommanull interessiert“, gesteht der Ex-Profi.
Erst nach etwa vier bis fünf Monaten keimte langsam wieder das Interesse am Fußball zurück. Ziege begann, wieder Spiele im Fernsehen zu verfolgen - und spürte zunehmend den Wunsch, in seinen Beruf zurückzukehren.
Der bescheidene Wiedereinstieg bei Borussia Mönchengladbach
Anders als man bei einem ehemaligen Nationalspieler und erfahrenen Trainer erwarten könnte, trat Ziege ohne jegliche Forderungen an seinen Ex-Verein heran: „Ich habe keinerlei Forderungen gestellt, sondern einfach nur gefragt, ob es was gibt, womit ich der Borussia helfen könnte“. Als Co-Trainer der U17 fand er schließlich eine Aufgabe, die ihm entspricht.
Der Umzug aus dem österreichischen Saalfelden zurück nach Nordrhein-Westfalen markierte den äußeren Neuanfang. „Ganz anders, ohne Berge“, beschreibt Ziege den Wechsel. „Ich mag die Art der Menschen hier, die sind direkt und super nett. Und die Berge muss ich mir dazu denken“.
Neue Rolle im Hintergrund
In seiner aktuellen Position als Co-Trainer der U17 genießt Ziege die Arbeit im Hintergrund: „Ich muss nicht derjenige sein, der im Vordergrund steht und den Zampano macht“. Die Arbeit mit den deutlich jüngeren Spielern hält ihn nach eigenem Empfinden jung. Bis Sommer 2027 hat er bei der Borussia unterschrieben und widmet sich voll und ganz dieser Aufgabe.
Trotz des neuen Engagements bleibt seine verstorbene Frau präsent: „Pia ist natürlich jeden Tag in meinem Herzen präsent. Das vergeht nicht“.
Blick auf die Bundesliga und Champions League
Zum bevorstehenden Spiel zwischen seinem aktuellen Verein Borussia Mönchengladbach und seinem Ex-Club FC Bayern zeigt sich Ziege realistisch: „Das Spiel am Freitag bei den Bayern ist ein schwieriges Spiel, ich betrachte es als Bonusspiel“. Die Abstiegssituation der Borussia kennt er aus eigener Erfahrung als Sportdirektor des Vereins.
Besonders beeindruckt zeigt sich Ziege von der Arbeit des Bayern-Trainers Vincent Kompany: „Mich freut sein Erfolg für ihn ungemein. Da ist die Art und Weise, wie er sich gibt. Immer ausgeglichen, ob in Pressekonferenzen oder an der Seitenlinie“. Spielerisch-taktisch habe Kompany mit dem Eins-gegen-Eins-Pressing über das gesamte Spielfeld ein Novum beim FC Bayern eingeführt.
Für die Champions League wünscht sich Ziege ein Finale zwischen Bayern München und Arsenal London: „Bayern gegen Arsenal - das wäre ein tolles Finale. Das wünsche ich den Bayern, weil es einfach Spaß macht, ihnen momentan zuzuschauen“. Trotz des deutlichen Punktevorsprungs in der Bundesliga bleibe der internationale Wettbewerb das entscheidende Kriterium für die Münchner.
Christian Zieges Weg zurück in den Fußball zeigt nicht nur die emotionale Verarbeitung eines persönlichen Verlusts, sondern auch die Bescheidenheit eines erfahrenen Fußballprofis, der nach schwierigen Jahren einen Neuanfang wagt - nicht im Rampenlicht, sondern in der wichtigen Arbeit mit dem Nachwuchs.



