Vor 72 Jahren: Bannister durchbricht die Meilen-Schallmauer
Bannisters Meilen-Weltrekord vor 72 Jahren

Der heilige Gral der Leichtathletik

Vor 72 Jahren durchbrach Roger Bannister als Amateursportler eine Schallmauer. Bis heute ist von der größten sportlichen Leistung aller Zeiten die Rede.

Die Anreise erfolgte mit dem Bummelzug, die wilde Jagd nach der Traumzeit wurde dann umso rasanter. Zuerst versteckte sich Roger Bannister im Windschatten von Chris Brasher auf der schwarzen Schlacke von Oxford. Dann ging Chris Chataway unter dem Jubel der 3000 Zuschauer nach vorn und machte gnadenlos Tempo. Und als letzter trotzte dann noch Bannister höchstselbst an diesem kalten, regnerischen 6. Mai 1954 dem schneidenden Wind. Und schrieb am Ende mit der ersten Meilenzeit der Leichtathletik unter vier Minuten in 3:59,4 Sportgeschichte.

Bannister wusste es sofort

Als Bannister die Ziellinie überquerte, spürte er große Schmerzen in seinem Körper, doch eine Gewissheit ließ ihn sofort verschwinden. „Noch bevor ich die Zeit erfuhr, wusste ich, dass ich es geschafft habe“, sagte der Brite. Auch noch Jahre später bezeichnet der Leichtathletik-Weltverband IAAF das historische Ereignis als „Heiligen Gral der Leichtathletik“ sowie als eine „der größten sportlichen Leistungen aller Zeiten“.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Rekord hält 46 Tage

Der damals 25 Jahre alte Medizinstudent, der später als Arzt Karriere machte, wurde für seine epochale Leistung auf der 1609,35 m langen Distanz von der englischen Königin Elizabeth II. geadelt. Doch sein Rekord hielt nur 46 Tage – der Australier John Landy verbesserte ihn im finnischen Turku auf 3:58,0 Minuten. Und Bannister ahnte, dass die Entwicklung immer rasanter fortschreiten würde. „Meine Generation wird noch erleben, dass einer unter 3:45 läuft“, prophezeite der 1,87 m große Laufästhet schon 1964. 45 Jahre nach seiner Bestmarke erfüllte der Marokkaner Hicham El Guerrouj mit seinen 3:43,13 Minuten 1999 in Rom die Prognose des Briten. Es war fast exakt jene Zeit, die Bannister damals bei der 1500-m-Marke (3:43,0) erzielt hatte.

Bannister verzichtet auf Olympia-Start

Bannister, von seiner Art her zurückhaltend und sensibel, hatte viele Talente. Er war ein großer Musikfreund, der mit Vorliebe Klavier spielte, und ein begeisterter Tänzer. Bannister schrieb Gedichte und Kurzgeschichten – aber vor allem Sportgeschichte. Seine Leistung wurde damals in der britischen Öffentlichkeit verglichen mit der Erstbesteigung des Mount Everest. Dabei hatte seine Liebe lange dem Rudern gehört. Erst nach seinen ersten größeren Lauferfolgen wechselte Bannister die Sportart. Auf die Chance, 1948 bei Olympia in London zu starten, verzichtete er, weil er sich noch zu jung fühlte. Zwei Jahre später gewann er EM-Bronze in Brüssel. Eine olympische Medaille verpasste er 1952 in Melbourne in 3:43,8 als Vierter über 1500 m.

Noch im Jahr seines unvergesslichen Weltrekordes beendete Bannister, der 2018 verstarb, mit Gold bei den Europameisterschaften in Bern seine Karriere. Sein Name wird aber auf ewig mit diesem 6. Mai 1954 in Erinnerung bleiben. „Es war nicht das Besondere, die Meile unter vier Minuten zu laufen – sondern dies als Erster zu tun“, sagte er einmal.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration