Jos Verstappen wütet gegen Formel 1: „Das hat nichts mit echtem Racing zu tun“
Jos Verstappen, der Vater des vierfachen Formel-1-Weltmeisters Max Verstappen, hat in einem exklusiven Interview mit der niederländischen Zeitung „De Telegraaf“ scharfe Kritik an der aktuellen Ausrichtung der Königsklasse des Motorsports geübt. Der 54-Jährige, der selbst als ehemaliger Teamkollege von Michael Schumacher Rennsporterfahrung mitbringt, sieht die Essenz des Sports in Gefahr.
Technik statt Fahrkunst: Die Formel 1 verliert ihre Seele
„Als Fahrer sollte man für Mut und Können belohnt werden“, erklärt Verstappen Senior. „Aber wenn du jetzt so schnell wie möglich durch eine Kurve fährst, bist du über eine Runde gesehen am Ende langsamer.“ Für ihn hat die Formel 1 ihren Kern verloren – anstelle von Vollgas und reiner Fahrkunst dominiere nun das Energiemanagement der Hybridantriebe. „Es geht nur noch darum, die Batterie zu managen“, urteilt er. „Das macht es für einen Fahrer wie Max auch schwieriger, den Unterschied zu machen.“
Künstliche Überholmanöver und mangelnder Spaß
Besonders die vielen Überholmanöver in der aktuellen Saison lassen Jos Verstappen kalt. Er empfindet sie als künstlich erzeugtes Spektakel. „Sich im Windschatten heranzufahren und dann auszubremsen, um zu überholen – darum geht es beim Racing in meinen Augen“, so seine klare Ansicht. Die heutigen Überholvorgänge, oft bereits auf halber Geraden möglich, weil dem Konkurrenten die Energie ausgeht, haben für ihn nichts mit echtem Rennsport zu tun.
Ein deutliches Alarmsignal ist für ihn die mangelnde Freude seines Sohnes Max. „Ehrlich gesagt habe ich Angst, dass Max seine Motivation verliert“, gibt der besorgte Vater zu bedenken. Max Verstappen habe stets betont, nur so lange in der Formel 1 fahren zu wollen, wie er Spaß daran habe. Die aktuelle Situation scheint diesem Vergnügen abträglich.
Kontrastprogramm GT3: Mehr Instinkt, weniger Technik
Ganz anders präsentierte sich die Lage vor einer Woche, als Max Verstappen bei einem GT3-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings an den Start ging. „Max fand es dort großartig, das merkt man an allem“, berichtet Jos. Der Grund liege auf der Hand: „Beim Fahren eines GT3-Autos muss er nicht ständig an das Aufladen der Batterie denken und kann viel mehr nach Instinkt fahren.“ Weniger technische Restriktionen, mehr purer Rennsport – das scheint die Devise der Verstappens zu sein.
Kritik an Max und die Sorge um die Zukunft
Nicht nur die sportlichen Regularien bringen Jos Verstappen auf die Palme, sondern auch die anhaltende Kritik an seinem Sohn. „Weißt du, bei all diesen Kommentaren könnte ich wirklich wütend werden“, gesteht er. Viele Kommentatoren suchten seiner Meinung nach nur Aufmerksamkeit. „Dass Max so direkt ist, sollte man schätzen. Oder wollen sie nur Ja-Sager im Sport?“, fragt er provokant.
Mit dem Großen Preis von Japan steht das nächste Rennen an. Max Verstappen startet lediglich von Position 11 – bereits zum zweiten Mal in dieser Saison musste er sich in der Qualifikation seinem Teamkollegen Isack Hadjar geschlagen geben. Ob die Formel 1 auf die Warnungen von Jos Verstappen hören wird, bleibt abzuwarten. Sein Fazit ist deutlich: „Ich bin sicher, dass Max so keinen Spaß haben wird.“ Ein Satz, der der gesamten Branche zu denken geben sollte.



